Helgoland Insel-Zahnarzt
  • Zeit für die Rente: Insel-Zahnarzt Dr. Wolfram Dammann und seine Frau Angela schließen die Praxis zum 31. Dezember.
  • Foto: privat/hfr

SOS von der Insel: Helgoland sucht einen neuen Zahnarzt

Für die Hamburger ist es ein Sehnsuchtsort: Helgoland. Deutschlands einzige Hochseeinsel. Ein Naturparadies mitten in der Nordsee. Ein Ort der Ruhe. Doch für die Einwohner wird das Leben immer schwieriger. Jetzt kommt ihnen auch noch der letzte Zahnarzt abhanden.

Der Mann fürs Bohren und Zähne ziehen war auf Helgoland bisher Dr. Wolfram Dammann. Dammann stammt eigentlich aus Hamburg, wo er jahrzehntelang eine Praxis in Bergedorf hatte. Nach Helgoland zog er 2011 eigentlich, um sich zur Ruhe zu setzen. Doch weil der damalige Insel-Zahnarzt fortzog, erklärte Dammann sich bereit, den weißen Kittel wieder anzuziehen.

Insel-Zahnarzt schließt seine Praxis zum 31. Dezember

Fünf Jahre – so lautete damals sein Kompromiss-Angebot. Bald wurden aus den fünf Jahren zehn. Nun ist Wolfram Dammann 77 Jahre alt. Und will endgültig aufhören. Zum 31. Dezember schließt Dammann seine Praxis in der Straße Be de Spukkerbu 51.

Hummerbuden auf Helgoland
Idyllischer Arbeitsort: Auf der Insel Helgoland wird ein Zahnarzt gesucht.

„Ich bin bald 80!“, so Dammann zur MOPO. „Nun langt es. Ich will hier ehrenwert aufhören, ohne einen Fehler gemacht zu haben und ohne, dass meine Hände irgendwann anfangen zu zittern.“ Der Insel-Zahnarzt hofft, dass sich bald ein Nachfolger findet. Denn für die rund 1500 Insulaner wäre die Versorgungslücke ein Problem.

Insulaner müssen zur Behandlung aufs Festland

Die nächste Zahnarzt-Praxis liegt zwar nur 60 Kilometer entfernt. Doch dafür müssen die Inselbewohner einen Ozean überqueren. Das kostet Zeit, weil sie an den Fahrplan der Fähren gebunden sind. Und es kostet Geld, weil je nach Termin mindestens eine Übernachtung auf dem Festland eingeplant werden muss. Die Kosten fürs Hotel werden von der Krankenkasse nicht übernommen. An ein Auftreten von akuten Schmerzen beispielsweise bei einer Wurzelentzündung mag niemand denken. Einen Hubschrauber-Einsatz würde das nämlich nicht rechtfertigen.

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Für Helgolands Bürgermeister Jörg Singer ist die Suche nach einem Nachfolger für Dammann ein wichtiges Anliegen, um die Attraktivität der Insel zu erhalten. Jahrelang hatte Helgoland mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen. Zuletzt sind sie wieder deutlich angestiegen. Gerade wurden 78 neue Wohnungen fertig gestellt. Alle Bewohner Helgolands profitieren von der Mehrwertsteuerfreiheit auf der Insel.

Die neue Zahnärztin oder der neue Zahnarzt sollte ein Allrounder sein

Doch die medizinische Versorgung ist für viele Menschen ein wichtiges Kriterium bei der Wohnortwahl. Deshalb hat Bürgermeister Singer im vergangenen Jahr ein Gesundheitszentrum gegründet und bietet an, dieses auszubauen und um eine Zahnarztpraxis zu erweitern. Der neue Zahnarzt könnte dort angestellt werden. Auch Wechselmodelle wären zur Not eine Option. Also, dass Zahnärzte vom Festland kommen und sich tageweise abwechseln.

Wolfram Dammann betont: „Die neue Zahnärztin oder der neue Zahnarzt sollte ein Allrounder sein. Nicht jemand, der auf Kinder spezialisiert ist, auf Kieferchirurgie oder nur auf Wurzelbehandlungen.“ Auf der Insel muss man alles können. Das Schöne: „Man kennt sich hier. Es gibt ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Wir passen alle aufeinander auf. Auch auf die Kinder. Sie sind hier ganz frei“, preist Dammann die Vorzüge des Insellebens an. Es gebe keine Kriminalität und keine Anonymität wie in der Großstadt.

Dammann: „Man kann hier sehr gut leben!”

Aus diesem Grund wollen Wolfram Dammann und seine Frau Angela, eine gelernte Zahntechnikerin, die in der Praxis auf Helgoland die Buchführung übernommen hatte, die Insel auch nach der endgültigen Verrentung nicht mehr verlassen. Dammann: „Ich war schon als Jugendlicher oft auf Helgoland, habe den Wiederaufbau miterlebt und fühle mich der Insel stark verbunden. Man kann hier sehr gut leben.“

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