Der kleine Fluß Krückau bei Elmshorn ist gut gefüllt. In den vergangenen zwei Wochen ist in Schleswig-Holstein flächendeckend mehr als 75 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen.
Der kleine Fluß Krückau bei Elmshorn ist gut gefüllt. In den vergangenen zwei Wochen ist in Schleswig-Holstein flächendeckend mehr als 75 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen.
  • Der kleine Fluss Krückau bei Elmshorn ist gut gefüllt. In den vergangenen zwei Wochen ist in Schleswig-Holstein flächendeckend mehr als 75 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen.
  • Foto: Christian Charisius/dpa

Lästiger Dauerregen? Weshalb das nervige Nass ein Segen ist

Längere Trockenperioden bedeuten Stress für Pflanzen, der Grundwasserspiegel sinkt. Wichtig ist, dass die Böden wieder mit Wasser gesättigt werden – das hilft nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen. Jetzt zeichnet sich Entspannung im Norden ab.

Ein Sturmtief nach dem anderen treibt Regenwolken über den Norden. Was Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein vielleicht lästig finden, ermöglicht eine Normalisierung der Wasserverhältnisse in den Böden. Nach dem trockenen Herbst sei der Oberboden nun bis in 25 Zentimeter Tiefe inzwischen wieder mit Wasser gesättigt, sagte Klimaforscher Andreas Marx, der den Dürremonitor Deutschland am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung leitet.

Dauerregen im Norden: „Etwas, das Landwirte sich wünschen“

In den vergangenen zwei Wochen seien in Schleswig-Holstein flächendeckend mehr als 75 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen. „Das ist das, was man im Winter braucht“, sagte Marx. Geholfen habe auch der Frost im Dezember, weil sich dadurch das Bodengefüge verbessert und das Porenvolumen vergrößert habe. „Das ist etwas, das die Landwirte sich wünschen.“

Es sei normal, dass der Boden im Winter im ersten halben Meter „aufsättigt und die Oberfläche patschnass“ sei. Wichtig sei, dass es frostfrei bleibe, damit das Oberflächenwasser in den Boden einsickern könne und nicht ablaufe. Auch in der Tiefe, bis zwei Meter, steige der Wassergehalt. „Die Dürresituation schwächt sich ab.“

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Die mittelfristige Prognose gehe von einem mindestens mittleren Niederschlag in den nächsten Monaten aus. Günstig für die Entwicklung des Bodenwassers wäre nach Angaben des Wissenschaftlers, wenn es bis in den April hinein wenig Frost, mäßige Temperaturen im einstelligen Gradbereich und mindestens durchschnittliche Niederschläge geben würde. So könne das Wasser in den Boden sickern, bevor die Vegetation es wieder stärker aus dem Boden ziehe und die Verdunstung größer werde.

Regenwasser steht auf einem Acker bei Tangstedt. Christian Charisius/dpa
Regenwasser steht auf einem Acker bei Tangstedt.
Regenwasser steht auf einem Acker bei Tangstedt.

Auch die Praktiker berichten von einer deutlich verbesserten Situation. Der Herbst sei nach einem in Schleswig-Holstein bereits deutlich zu trockenem Sommer ungewöhnlich trocken gewesen, berichtete Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Nach den leicht überdurchschnittlichen Niederschlägen im Dezember und dem Regen zu Jahresbeginn seien die Böden in bis zu 60 Zentimeter Tiefe zunächst wieder gut wassergesättigt. „In tieferen Bodenschichten gibt es nach wie vor regional noch Defizite.“

Pflanzen überstehen Schnee und Frost im Norden

Bisher hätten Raps, Getreide und auch Grünlandbestände den Wintereinbruch mit Schnee gut überstanden. „Die Landwirte sind natürlich erleichtert, dass der Bodenwasservorrat sich wieder aufgefüllt hat. Wir brauchen den Regen in den Wintermonaten“, sagte Rixen.

Hinsichtlich der Befahrbarkeit der Felder wünschen sich die Landwirte aber auch, dass die Böden nach Ende der Sperrfrist am 31. Januar wieder tragfähig für die Maschinen und aufnahmefähig für Nährstoffe seien. „Denn ab dann können die Kulturen gedüngt werden. Die Pflanzen haben, vorausgesetzt es herrscht kein Frost, dann auch mit dem Wachstum begonnen oder stehen in den Startlöchern.“

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Zwar sind die Wälder in Schleswig-Holstein nach Angaben der Landesforsten aufgrund der geografischen Lage und der überwiegenden Mischwaldstruktur besser durch die Zeit der ausgeprägten Trockenheit der vergangenen Jahre gekommen als viele andere Forstbetriebe in Deutschland. Aber: „Trockenstress durch die anhaltende Dürre im Spätsommer/Herbst gab es auch im letzten Jahr“, sagte Sprecher Ionut Huma. Probleme seien auch durch einen plötzlichen Wechsel von zu trocken auf zu nass (durch Starkregen} aufgetreten.

Die Grundwasserspeicher sind aus Sicht der Landesforsten noch nicht wieder ausreichend aufgefüllt. Dafür sei es nötig, dass es genügend Niederschläge über den gesamten Winter und auch innerhalb der Vegetationszeit gebe, die dann nach und nach vom Oberflächenwasser ins Grundwasser sickerten. „Einzelne Niederschlagsperioden, wie die der letzten Wochen, reichten bisher nicht aus, um die Speicher zu füllen“, sagte Huma.

Dauerregen hilft, Grundwasser wieder aufzufüllen

Die Bäche und Flüsse in Schleswig-Holstein sind gut gefüllt – laut dem Umweltministerium bleiben die Pegelstände bisher aber durchweg unter den Hochwassermarken.

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