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Der Angeklagte Ibrahim A. (dunkelgrüne Hose und Pullover) wird von zwei Polizisten in den Gerichtssaal geführt.
  • Der Angeklagte Ibrahim A. wird in den Gerichtssaal geführt.
  • Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa

Erster Polizist am Tatort Brokstedt: „Täter kniete auf Bahnsteig mit erhobenen Armen“

Auf dem Weg zum Bahnhof Brokstedt wussten die ersten Polizisten nur, dass es sich um einen Messerangriff handeln sollte. Wie chaotisch die Situation und wie umfangreich die Tat war, wurde ihnen erst nach und nach klar.

Vom Bahnsteig aus sei ihnen gleich eine blutende Person entgegengekommen, sagte ein 30 Jahre alter Polizist am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht Itzehoe im Mordprozess gegen Ibrahim A. Mehrere Zeugen seien auf ihn zugekommen und hätten gesagt, der Angreifer sitze auf dem Bahnsteig, sagte der Beamte.

Blutige Messerattacke in Brokstedt – erster Polizist am Bahnhof berichtet

„Er hat sich nicht bewegt und auch keinen Mucks von sich gegeben.“ Sein Kollege habe den Mann, der blutige Hände und Arme von einer Schnittverletzung hatte, dann gesichert, er selbst habe das Tatmesser aus einem Mülleimer geholt und in den Streifenwagen gebracht. Anschließend habe er geholfen, Verletzten Erste Hilfe zu leisten. Auf dem Bahnsteig und an der Außenwand des Zuges sei viel Blut gewesen.

Dem 34 Jahre alten Palästinenser Ibrahim A. wird Mord in zwei Fällen und versuchter Mord in vier Fällen vorgeworfen. Er soll am 25. Januar in der Nähe des Bahnhofs von Brokstedt eine 17-Jährige und ihren zwei Jahre älteren Freund erstochen haben. Zwei weitere Frauen und zwei Männer erlitten schwere Verletzungen.

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Der zweite Polizist aus dem zuerst eingetroffenen Streifenwagen sagte, das Ausmaß des Einsatzes sei bei der Anfahrt nicht absehbar gewesen. Er sprach von „sehr viel Aufregung auf dem Bahnsteig“ und einer „sehr chaotischen Lage“. Das bestätigte auch die 46 Jahre alte Polizistin aus Kellinghusen.

Die Richter und der Verteidiger des Angeklagten fragten intensiv nach, wie der Täter nach dem Angriff auf dem Bahnsteig festgehalten wurde, und ob er Anstalten gemacht habe wegzulaufen. Die Polizisten sagten, er habe relativ gleichgültig und regungslos und nur mit sich selbst beschäftigt gewirkt. Allerdings gab es in den Zeugenaussagen Widersprüche im Detail, etwa ob der Täter von einem Mann oder von zwei Personen festgehalten wurde.

Brokstedt: Ibrahim A. streitet ab, der Täter zu sein

Die 46-jährige Polizistin gab an, sie sei zunächst gar nicht sicher gewesen, ob es sich um den Täter handelte. Die Beschreibung habe aber gepasst. Später hätten Zeugen das bestätigt. Auf die Frage, was er bloß getan habe, sei von dem Mann als Antwort nur gekommen, „nichts, es ist nichts passiert“, sagte die Beamtin.

Ein 30 Jahre alter Uhrmacher, der im Zug gesessen hatte, berichtete vom Schrei einer Frau, die im Doppelstockwagen die Treppe heruntergestürzt kam. „Ein Schrei, den man hört, wenn jemand um sein Leben schreit, sehr panisch.“ Der Täter sei unmittelbar gefolgt, habe die Frau an der Kapuze ihrer Jacke gehalten und zu Boden gestoßen. „Wenn die Frau nicht gewesen wäre, wäre ich am nächsten gewesen.“

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Er habe nicht gewusst, ob er helfen sollte oder sein Leben retten und sei dann zur Tür gelaufen. Der 30-Jährige sagte, er erkenne Ibrahim A. eindeutig als den Mann mit dem Messer aus dem Zug wieder.

Wie bereits am ersten Verhandlungstag stritt Ibrahim A. ab, der Täter zu sein. Als Fotos von der toten Jugendlichen im Zug gezeigt wurden, sagte er, es sei ganz schlimm, was man mit ihr gemacht habe. „Ich war das nicht.“ (dpa/mp)

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