Gisela B. wurde Anfang der 80er tot in ihrer Wohnung gefunden.
  • Gisela B. wurde Anfang der 80er tot in ihrer Wohnung gefunden.
  • Foto: Polizei

Erdrosselt, nackt: Ermittler rollen Mordfall nach 40 Jahren neu auf

Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein (LKA) sucht Zeugen in einem Mordfall vor mehr als 40 Jahren: Damals war die 65 Jahre alte Gisela B. tot in ihrer Lübecker Wohnung aufgefunden worden. Ermittler erhoffen sich neue Spuren – auch dank neuer kriminaltechnischer Untersuchungen. Und einer verbesserten DNA-Spur.

Krähenstraße 34, Lübeck, 2. September 1981: Polternde Geräusche hallen durch das Mehrfamilienhaus. Offenbar kommen sie aus der Wohnung von Gisela B. Die 65-Jährige ist erst vor wenigen Monaten dort eingezogen. Laute Geräusche nehmen ihre Nachbarn nicht als ungewöhnlich war – der City-Komplex gilt insgesamt als sehr hellhörig.

Lübeck: Polizei rollt Mordfall nach 40 Jahren neu auf

Im Fernsehen jagen Männer auf grünem Boden einen weißen Punkt hinterher. Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Polen. Deutschland gewinnt 2:0. Möglich, dass Gisela B. zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr lebt.

In diesem Wohnhaus wohnte Gisela B. Die linke Aufnahme zeigt, wie das Haus Anfang der 80er aussah. Rechts ist ein aktuelles Foto.
In diesem Wohnhaus wohnte Gisela B. Die linke Aufnahme zeigt, wie das Haus Anfang der 80er aussah. Rechts ist ein aktuelles Foto.

Krähenstraße 34, Lübeck, 3. September 1981. Der nächste Morgen: Nackt liegt Gisela B. auf ihrem Bett, tot. Sie weist bereits oberflächlich deutlich zu erkennende Erdrosselungs-Merkmale auf. An ihrer Wohnungstür registrieren die Polizisten Einbruchsspuren – Anwohner hatten sie deswegen auch überhaupt erst informiert. In der Wohnung, dessen Fenster zur Straße liegen: sonst niemand. Der oder die Täter: weg.


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Beamte der Mordkommission, die den Fall übernehmen, finden heraus, dass die Frau wohl am Vorabend getötet wurde, zwischen 19 und 20.30 Uhr. In ihrer Wohnung fehlten Schmuck und Bargeld. Die Ermittler schließen einen Raubmord nicht aus. Auch eine sexuell motivierte Tat wird in Betracht gezogen.

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Die Arztwitwe Gisela B. hatte vorher viele Jahre in derselben Straße, nur in einem anderen Wohnhaus gelebt. Sie gilt, das wird bei Befragungen ihres näheren Umfeld der Polizei deutlich, als lebenslustig und offen. Ihr Äußeres sei sehr gepflegt gewesen, und sie hätte viel Zeit in ihren Stammlokalen verbracht, berichten Zeugen. Auch flüchtige Bekanntschaften soll B. öfter in ihre Wohnung genommen, sie dort aber eher mütterlich bewirtet haben. Dafür sei sie durchaus bekannt gewesen, heißt es. Ein Verdacht gegen ihren 20 Jahre jüngeren Ex-Freund erhärtet sich nicht.

Alter Mordfall: Polizei sucht dringend Zeugen

Weitere Tatverdächtige gab es damals nicht. 40 Jahre später haben Mordermittler nun dank neuer technischer Möglichkeiten die Arbeiten in dem Fall wieder aufgenommen. Sie fragen die Bevölkerung ganz konkret: Wer hat die Frau am Tatabend gesehen? War sie in Begleitung? Wer kannte sie? Gab es im Bereich Krähenstraße andere, bisher noch nicht bekanntgewordene Sexualstraftaten? Sachdienliche Hinweise an das LKA: Tel. 0431 160-42856.


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Was bekannt ist: Gisela B. soll sich laut Polizei in vielen Gaststuben in der Lübecker Innenstadt aufgehalten haben, darunter im „Rathaushof“, im „Gartenzweg“ oder in der „Jägerklause“. In dem letztgenannten Lokal soll sie sich sogar am Tattag aufgehalten haben. Oft trug die 65-Jährige wohl eine Dollarmünze als Kette, die in ihrer Wohnung aber von Polizisten nicht aufgefunden wurde. „Möglicherweise ist die veräußert worden“, so eine LKA-Sprecherin.

So eine Kette soll Gisela B. getragen haben.
So eine Kette soll Gisela B. getragen haben.

Die Beamten schließen auch nach 40 Jahren einen Zusammenhang mit dem Mord an Bärbel K. im Jahr 1978 nicht aus. Sie war ebenfalls erdrosselt und unbekleidet auf ihrem Bett gefunden worden. Auch ihr wurde Geld gestohlen. Auch Bärbel K. war in der Lübecker Kneipenszene „präsent“, wie die Sprecherin ferner sagte. Durch neue Technik und neue Methoden der DNA-Auswertung sei es möglich, dass zwei ungeklärte Fälle doch noch aufgeklärt werden. Die Polizeisprecherin: „Wir haben neue Ermittlungsansätze und hoffen auf weitere Hinweise, die zum Täter führen.“

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