Sarah W. starb kurz vor ihrem 37. Geburtstag.
  • Sarah W. starb kurz vor ihrem 37. Geburtstag.
  • Foto: Feuerwehr Glinde

paidTote Feuerwehrfrau Sarah W.: „Gott hat einen Engel zu sich geholt“

Ein ganzer Ort trauert: In Glinde (Kreis Stormarn) fanden Feuerwehrleute Mitte Oktober eine Kameradin tot in ihrer Wohnung. Am Mittwoch nahmen rund 200 Menschen mit einer bewegenden Trauerfeier Abschied von der Mutter eines elfjährigen Jungen, die für ihren Einsatz als Retterin ein Ehrenabzeichen des Landes Schleswig-Holstein bekommen hatte. Ein Feuerwehrsprecher richtete mahnende Worte an die Trauergäste.

Vor der Kapelle auf dem Glinder Südfriedhof stehen Feuerwehrautos dicht an dicht. Feuerwehrleute aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus dem Ausland sind angereist.

Die Eltern, der Sohn und der Ex-Mann der Verstorbenen werden von ihrer Trauer übermannt. Immer wieder sprechen ihnen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Glinde Trost zu. Es herrscht Fassungslosigkeit über den plötzlichen Tod von Sarah W. (36).

Glinde trauert um tote Feuerwehrfrau Sarah W.

Die Feuerwehrfrau mit Leib und Seele war von ihren eigenen Kameraden tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Ihr Ex-Mann hatte die Retter alarmiert, weil er sie nicht erreichen konnte. Er hatte an jenem Wochenende den gemeinsamen Sohn (11) bei sich. Als er ihn zurückbringen wollte, öffnete niemand.

RUEGA Feuerwehrmänner aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland waren zur Trauerfeier für Sarah W. angereist.
eine Stadt nimmt abschied von Toter Feuerwehrfrau
Feuerwehrmänner aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland waren zur Trauerfeier für Sarah W. angereist.

Die Polizei schließt Fremdverschulden ebenso aus wie einen Suizid. Sarah W., die in einem Altenheim als Pflegerin gearbeitet hat, soll zuvor eine starke Covid-Infektion gehabt haben. Davon soll sie sich nie ganz erholt haben. „Sie klagte in letzter Zeit immer wieder über körperliche Schwäche. Trotzdem erledigte sie ihren Job im Altenheim und bei uns in der Feuerwehr mit viel Engagement“, sagt Feuerwehrsprecher Tom Reher zur MOPO.

Zu Beginn der Trauerfeier ertönt „Nessaja“ von Peter Maffay. Immer wieder hört man Trauergäste in der vollbesetzten Kapelle weinen, als Sarah W.s Lieblingslied gespielt wird.

Bewegende Trauerrede für Feuerwehrfrau Sarah W.: „Gott hat einen Engel zu sich geholt“

Dann setzt Pastorin Anna Benkiser-Eklund zu einer bewegenden Trauerrede an. Sie spricht aus, was so viele in dem Ort bei Hamburg über die Feuerwehrfrau denken und sagen: „Gott hat einen Engel zu sich geholt. Sie wird so vielen Menschen fehlen.“

Die Pastorin erzählt, dass Sarahs Herz einfach aufgehört hat zu schlagen – dass sie aber immer in den Herzen der Familienangehörigen, Freunde, Arbeitskollegen und Feuerwehrkameraden bleiben wird. Ihr plötzlicher Tod habe den ganzen Ort bewegt.

Bewegende Worte der Pastorin bei der Trauerfeier

Sarah W. war seit 1999 bei der Freiwilligen Feuerwehr Glinde gewesen. Sie kämpfte immer an vorderster Front und war immer da, wenn es in Glinde brannte oder andere gefährliche Situationen einen Einsatz erforderten.

2013 war ihr sogar ein Ehrenabzeichen verliehen worden. Das hatte die Landesregierung Schleswig-Holsteins für alle gestiftet, die beim Elbhochwasser in Lauenburg und Umgebung im Einsatz waren. Auch Sarah kämpfte hier tagelang gegen die Wassermassen.

„Hat es doch irgendwelche unbemerkten Anzeichen gegeben? Hätte man sich mehr nach deinem Wohlergehen erkundigen können?“, fragt Feuerwehrsprecher Tom Reher in seiner anschließenden Trauerrede. „Teamgeist und Kameradschaft sind das eine. Vielleicht ist dein Tod nochmals eine Ermahnung an uns, mehr aufeinander aufzupassen und füreinander einzustehen? Ausgerechnet der eigenen Kameradin in einem Notfall nicht mehr geholfen haben zu können, diese Wunde wird sich nie schließen.“

Feuerwehr Glinde Feuerwehrsprecher Tom Reher verspricht Hilfe.
Bewegende Worte bei Trauerfeier für tote Feuerwehrfrau
Feuerwehrsprecher Tom Reher verspricht Hilfe.

Gefolgt von rund 80 Feuerwehrleuten trägt die Familie schließlich die weiße Urne zum Grab. Angehörige und Freunde spenden sich gegenseitig Trost. Ganz vorn steht Sarahs Sohn.

„Wir als Feuerwehr werden alles geben, damit insbesondere der Elfjährige Unterstützung und Halt erfährt, um den schweren Verlust zu verarbeiten“, sagt ein Feuerwehrmann zur MOPO. Man werde immer dankbar sein, dass sie da war.

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