Wie können sich Jugendliche für einen künftigen Beruf orientieren, wenn sie keine praktische Erfahrung sammeln können? (Symbolbild)
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Zukunftsplanung: Deshalb sind Jugendliche momentan in der Zwickmühle

„Was willst Du denn mal werden?“ Diese Frage ist vielen Jugendlichen bekannt – und von ihnen gefürchtet. Um diese wichtige Lebensentscheidung treffen zu können, kann Praxiserfahrung helfen. Die Lösung: Mit einem Praktikum in einen Arbeitsbereich reinschnuppern. Aber das in der Corona-Pandemie zu bekommen, ist alles andere als einfach.

„Praktikumsplätze konnten sowohl betrieblich als auch schulisch während Corona nicht umgesetzt werden“, so das nüchterne Fazit von Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen. „Damit ist ein wesentliches Instrument zur Nachwuchsgewinnung und bei der Entscheidung über einen Ausbildungsplatz an vielen Stellen praktisch weggefallen.“

Corona-Pandemie machte Pratika nahezu unmöglich – mit Folgen

Sie betonte, dass die Praktika virtuell kaum zu ersetzen seien. „Ein effektives Praktikum lebt vom persönlichen Kontakt“, erklärte sie. Dies helfe jungen Menschen bei ihrer Entscheidung, ob sie sich in Beruf und Betrieb wohlfühlen. „Und ein realistisches Bild über Beruf und Betrieb trägt dazu bei, Fehlentscheidungen beim Berufseinstieg zu vermeiden.“


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All das sei derzeit schwer möglich: „Alle sind durch die Corona-Regeln in ihren Möglichkeiten, in der Realität zu erforschen, was sie anspricht, recht beschränkt. Darunter leidet sicher die Qualität der Berufsentscheidung.“ In einer IHKN-Umfrage von 2021 sei mangelnde Berufsorientierung aus der Sicht der Betriebe das Haupthemmnis gewesen, junge Leute anzusprechen. Bielfeldt betonte: „Nach unserem Beratungsgeschäft zu urteilen, müssen wir davon ausgehen, dass sich die Lage noch einmal zugespitzt hat.“ Auch von großen Unternehmen sei zu hören, dass die „Bewerberzahlen sehr, sehr deutlich zurückgegangen sind“.

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Auch Für Kathrin Langel, Vize des Landeselternrates Niedersachsen, ist die Lage unbefriedigend: Jugendliche bekämen „keinen Zugang zur Arbeitswelt“. Virtuelle Angebote zwar besser als gar nichts. Nur: Wie solle virtuell das Streichen von Wänden vermittelt werden, wie sollten Kinder und Jugendliche „ohne Kontakt zu Mensch und Materie“ begreifen, welcher Beruf für sie richtig ist? Wenig sinnvoll seien Online-Praktika in Pflegeberufen oder im Handwerk. Gleichzeitig sei die Neugier der Schüler groß, Einblick in Berufe zu bekommen – selbst nach der Absage eines vereinbarten Praktikums versuchten viele, einen neuen Platz zu finden. Sie forderte die Politik auf, nicht nur über die Verschiebung von Klassenfahrten, sondern auch über Berufsorientierung nachzudenken.

Justus Scheper: Berufsbildung laufe an allgemeinbildenden Schulen schleppend

Auch Justus Scheper, der Vorsitzende des Landesschülerrates, erklärte, das Pflichtpraktikum in der Oberstufe sei 2021 nicht möglich gewesen. Damit fehle ein Einblick in das „Leben nach der Schule“, viele Schüler könnten sich nicht orientieren – „ein großes Manko“. Aber auch unabhängig davon fehle an allgemeinbildenden Schulen die Praxis, die Berufsbildung laufe „eher schleppend“, Unterrichtsbesuche und Exkursionen fielen weg, bemängelte er.

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Online-Angebote seien in der aktuellen Lage trotz allem das Mittel der Wahl, auch wenn vereinbarte Praktika pandemiebedingt abgesagt würden, erklärte Bielfeldt. Von Absagen betroffene Schüler hätten zwar gegenüber anderen Absolventen keine Nachteile: „Klar ist aber, dass frühere Jahrgänge sicherlich die Chance hatten – und diese auch genutzt haben – ein Praktikum zu machen.“ Damit hätten sie eine fundiertere Entscheidung treffen können. Es gebe aber noch keine Anhaltspunkte dafür, dass sich Vertragsaufhebungen in der Probezeit vermehrt hätten, weil junge Leute ihre Entscheidungen häufiger als sonst hätten revidieren müssen. (dpa/ncd)

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