Pinguin-Cartoon
  • Frauenfeindlich? Dieser Pinguin-Cartoon sorgt in Stade für Diskussionen
  • Foto: hfr

Wegen Pinguin-Cartoon: Anti-Sexismus-Demo in Stade

Rund 30 Menschen haben am Sonntag im Stadthafen von Stade gegen Cartoons des „Stern“-Zeichners Tetsche demonstriert. Grund: Vier Motive, die seit Juni als Teil einer Open-Air-Ausstellung des Künstlers präsentiert werden, seien sexistisch und sollen verschwinden. Inzwischen formiert sich Widerstand der Tetsche-Fans gegen die Aktivistinnen.

Altmänner-Humor? Reaktionärer Witz? Frauenverachtende Kalauer? Oder: Alle mal locker machen? In Stade schlagen die Wellen hoch. Im Zentrum: Eine kleine Pinguindame mit Perlenkette und Brüsten, die von einer Schneewehe auf Pinguinmänner herabblickt. „Noch nie was von Frauen in Spitzenpositionen gehört?“ so der Spruch zu der Gruppe der flugunfähigen (aber Hut tragenden) Seevögel. Eine „extrem taffe, vor Selbstbewusstsein strotzende Pinguinfrau“ sei das, erklärt Künstler Tetsche gegenüber der MOPO, die den „blöd guckenden Pinguinmännern“ weit überlegen sei. Wenn, dann sei das eher ein Angriff auf Männer.

Cartoon mit Schnepfe
Die „Schnepfe“ steht unter Sexismusverdacht.

Stade: Streit um Tetsche-Cartoons

Die Demonstranten vom Wochenende sehen das ganz anders. „Weg damit“, „Nein zu Sexismus“ und „niveaulos“ stand auf den Schildern. „Wir fühlen uns angegriffen und empfinden die Ausstellung als sexistisch“, erklärt Andrea Breimeier, Lehrerin aus dem Stader Umland und Mit-Initiatorin der Demo. Das Pinguin-Motiv sei herabwürdigend und die „Verballhornung einer Frauenkarriere.“ Der Cartoon soll aus dem öffentlichen Raum verschwinden, ebenso drei weitere Tetsche-Kalauer (darunter eine Frau, die einen Mann fraget: „Bis du immer noch mit dieser Schnepfe zusammen?“, während der Mann neben einer Schnepfe, dem Vogel, steht).

Cartoon an Mauer
Auch dieses Tetsche-Motiv sei sexistisch, so die Kritikerinnen.

Tetsche, der im Alten Land bei Stade lebt, hat bis 2018 als „Meister des gehobenen Blödsinns“ für den Stern gezeichnet, Markenzeichen: Spiegelei und Pümpel. Das harsche Urteil der Gegnerinnen hingegen: „Tetsche betrachten wir als ein Relikt aus der Vergangenheit, dessen Zenit überschritten ist“, so Andrea Breimeier. Er sei „ein alter weißer Mann“. Ihre Online-Petition „Stader Fischmarkt: Frauenverachtende Cartoons unverzüglich entfernen“ hat inzwischen mehr als 210 Unterschriften gesammelt.

Tetsche-Cartoons in Stade: Fans starten Petition

Nun machen auch die Fans der Ausstellung mobil, darunter zahlreiche Stader Geschäftsfrauen, die sich als „Frauen in Spitzenpositionen“ mit der Pinguindame auf ihrer Schneewehe solidarisieren. In den sozialen Medien werden die Aktivistinnen als „humorlos“ bezeichnet, wahlweise „verbittert“ oder „verkrampft“. Viele äußern sich belustigt über die Cartoons oder verweisen auf die Kunstfreiheit. Die Petition „Stader Fischmarkt: Die Tetsche-Cartoons müssen bleiben“ haben binnen kurzer Zeit gut 380 Menschen unterzeichnet.

Die Tetsche-Ausstellung an den Hafenmauern wurde gerade bis Ende November verlängert, wegen des großen Erfolges. Stades Gleichstellungsbeauftragte will das Thema im Herbst im Rat auf die Tagesordnung setzen. Sie hätte sich eine Ausstellung in einem Kunsthaus gewünscht, wie die Kreiszeitung Wochenblatt berichtet.

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