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Eine Frau demonstriert vor der Brennelementefabrik Lingen. (Archivbild)
  • Eine Frau demonstriert vor der Brennelementefabrik Lingen. (Archivbild)
  • Foto: dpa | Markus Hibbeler

Russland liefert Uran in den Norden – mehr Transporte möglich

Mehr als sechs Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird im Emsland eine Uranlieferung aus Russland erwartet. Weil es kein Embargo gebe, müsse das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) dies zulassen, sagt das zuständige Ministerium. Aktivist:innen rufen zu einer Demonstraton gegen den Transport auf.

Das BASE bestätigte aktuelle Transporte von Russland in die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen (Landkreis Emsland). Grundlage seien Genehmigungen aus dem Jahr 2021, sagte ein BASE-Sprecher. Die maximal zulässige Anzahl von Transporten sei bisher noch nicht ausgeschöpft. „Es sind also bezüglich dieser Genehmigungen weitere Transporte möglich“, sagte der Sprecher. Zuletzt wurde auf Grundlage dieser Genehmigungen am 18. Januar Uran aus Russland nach Lingen geliefert, also gut einen Monat vor Kriegsbeginn am 24. Februar.

Anti-Atom-Bündnis protestiert gegen Uran-Transport

Nach Angaben des Bündnisses Atomkraftgegner:innen im Emsland (AgiEL) befindet sich zurzeit ein Schiff mit angereichertem Uranhexafluorid von Russland auf dem Weg ins niederländische Rotterdam. Dort soll es am Sonntag ankommen, die Atomladung soll anschließend nach Lingen gebracht werden. Das BASE wollte sich am Donnerstag nicht genauer zum Transport äußern. „Zu Fragen von laufenden Transporten – auch bereits genehmigten – können wir aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen“, sagte der Sprecher.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte, wenn alles technisch in Ordnung sei, müsse das BASE die Transporte genehmigen. „Es gibt kein Uran-Embargo auf EU-Ebene“, betonte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. Hintergrund sei, dass der Versorgungskanal aus Russland für den Betrieb der europäischen Atomkraftwerke offen bleibe.

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In Lingen werden seit mehr als 40 Jahren Brennelemente für die nukleare Stromerzeugung in Europa hergestellt. Die Fabrik gehört dem französischen Unternehmen Framatome. Sie beliefert unter anderem Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Schweden und Finnland.

Das Bündnis AgiEL forderte den Stopp der Uranlieferungen aus Russland und ein Embargo für Atombrennstoffe. „Unsere Bundesregierung arbeitet angeblich an der Energie-Unabhängigkeit von Russland und predigt harte Sanktionen“, sagte Alexander Vent vom Bündnis. Es passiere aber das Gegenteil: „In Russland angereichertes Uran wird nach Deutschland gebracht und spült Putins Staatskonzern Rosatom weiter Geld in die Kriegskasse.“ Das Bündnis, das auch eine Stilllegung des Brennelementewerks im Emsland fordert, kündigte eine Demonstration für den 1. Oktober in Lingen an. (dpa/mp)

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