Leiterin Doris Firlus im neuen Tierzentrum Neu Wilmstorf. Aus dem ehemaligen Horror-Labor vor Hamburg wird nun ein Tierheim.
  • Leiterin Doris Firlus im neuen Tierzentrum Neu Wilmstorf. Aus dem ehemaligen Horror-Labor vor Hamburg wird nun ein Tierheim.
  • Foto: picture alliance/dpa

Nach schockierenden Versuchen: Horror-Labor bei Hamburg wird Tierheim

Wo früher Experimente an Affen und Hunde durchgeführt wurden, bekommen Vierbeiner nun ein neues Zuhause. Aus dem geschlossenen Versuchslabor in Mienenbüttel wird ein Heim für vernachlässigte Tiere.

Es ist noch nicht lange her, da protestierte Peggy Harfmann gegen das umstrittene Tierversuchslabor im Neu Wulmstorfer Stadtteil Mienenbüttel (Landkreis Harburg). Neuerdings arbeitet sie ehrenamtlich in dem gerade eröffneten Zentrum für vernachlässigte Tiere mit.

Aber: „Manche Tierschützer können einfach nicht unterscheiden“, erzählt die 35-Jährige, die für das neue Projekt in alten Räumen Feuer und Flamme ist. Es gebe immer noch kritische Stimmen gegen die Umgestaltung des so belasteten Areals.

Aus Horror-Labor bei Hamburg wird Tierheim

Auf dem Gelände des früheren Labors LPT hat Doris Firlus ein Heim für Hunde, Katzen und Wildtiere aufgebaut. Zusammen mit ihrem Mann steckte sie nach eigenen Angaben eine sechsstellige Summe in die Umbauten. Das dreieinhalb Hektar große Gelände ist von dem in Provivo Biosciences umbenannten Unternehmen gepachtet.

„Wenn ich gewusst hätte, wie viel Hass und Wut einem entgegenschlägt, hätte ich das nicht gemacht“, erzählt Firlus beim Rundgang durch das frühere Labor. Sie war 20 Jahre im Hamburger Bezirksamt Mitte zuständig für die Umsetzung des Hundegesetzes, musste manchen gefährlichen Hund ins Tierheim verweisen.


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„Ich musste so viele Tiere sicherstellen, jetzt will ich etwas zurückgeben“, begründet die Tierheilpraktikerin ihr Engagement. Auf Facebook habe sie davon gelesen, dass das Labor zu vermieten sei und sich gegen andere Bewerber durchgesetzt.

„Ich bin natürlich mit gemischten Gefühlen gekommen, die schrecklichen Bilder gingen ja um die ganze Welt“, sagt sie. „Da ist etwas Furchtbares passiert, das geht überhaupt nicht“. Tierschützer hatten 2019 über die Misshandlung von Hunden und Affen in dem Versuchslabor berichtet, der Landkreis entzog der Firma die Erlaubnis.

Ex-Versuchslabor: „Das Positive überwiegt hier“

Firlus ging offen mit den Geschehnissen um und lud die Tierschützer in die neuen Räume ein. „Es gibt immer noch Leute, die das hier nicht verstehen. Aber Doris ist mit dem Ganzen total transparent umgegangen“, erzählt Harfmann, die zu einem Dutzend Freiwilligen gehört, die ihre Freizeit opfern. „Das Positive überwiegt hier, es wird großartig“, sagt Harfmann. Die Helfer haben sich namentlich auf den Wänden verewigt.

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Wo jahrelang die für Experimente benutzten Beagles nur einen Zwinger mit einem Meter Breite hatten, herrscht nun Bewegungsfreiheit mit kleinen Klappen ins Freie. Die meisten gefliesten Boxen sind noch frei, zwei bissige französische Bulldoggen haben ihr Zuhause in dem weitläufigen Bau bereits gefunden. Es ist alles vorbereitet für die erste große Lieferung von etwa 50 Hunden, die aus einem Tierheim in Kiew kommen sollen. „Wir bekamen einen Anruf, ob wir welche aus der Ukraine aufnehmen können“, berichtet Firlus. Vier davon sind mittlerweile eingetroffen.

Investoren und Spender für Tierheim gesucht

Erst einmal werden die Vierbeiner untersucht, die früheren Laborbedingungen sind ideal. Für die Zukunft sind eine Hundeschule, eine Physiotherapie-Praxis, eine Klinik und eine Futterhandlung geplant. Damit der Betrieb finanziert werden kann. Derzeit werden noch Investoren und Spender gesucht.

Wo früher Affen gequält wurden, will Doris Firlus Tieren ein neues Zuhause geben.
Wo früher Affen gequält wurden, will Doris Firlus Tieren ein neues Zuhause geben.

Eine zweite Chance habe das Areal auf jeden Fall verdient, findet Knut Sierk, Sprecher der Landesforsten. „Die Räumlichkeiten sind ideal, man sollte es nicht verurteilen“, findet Sierk. (dpa/se)

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