Emily Weede, Bürgermeisterin von Seevetal
  • Emily Weede (60), Bürgermeisterin von Seevetal, will keine neue Bahntrasse durch die Gemeinde.
  • Foto: hfr

paidKämpferische Bürgermeisterin droht: Das gibt Proteste wie beim Atomtransport

Gelbe Kreuze waren in den 80er Jahren das Symbol des Widerstands gegen Atomtransporte im Wendland. Heute säumen rote und gelbe Kreuze viele Straßen im Landkreis Harburg, denn die Deutsche Bahn plant eine neue Trasse zwischen Hamburg und Hannover, die Ortschaften und Natur brutal zerschneiden würde. Teils mit hohen Dämmen. Besonders betroffen ist die Gemeinde Seevetal. Ihre kampfbereite Bürgermeisterin Emily Weede kündigt an: „Der Bund kann sich auf Proteste wie im Wendland einstellen.“ Dabei war eigentlich alles anders geplant.

„Sie schlagen mit voller Brutalität eine Schneise durch unsere Orte, ohne Rücksicht auf Moore, alte Höfe und Schutzgebiete. Die Krönung ist ein 25 Meter hoher Bahndamm in unserer Gemeinde. Das ist verheerend für Seevetal.“ Wenn Emily Weede (60) darüber spricht, was ihrer Heimat droht, dann wird sie richtig wütend. Ursache sind aktuelle Planungen der Deutschen Bahn für eine neue Bahntrasse, die quer durch die Gemeinde verlaufen soll. „Und dort werden vor allem Güterzüge fahren“, ist sie überzeugt.

Projektbeirat Alpha-E In den Landkreisen Harburg und Heidekreis protestieren viele Menschen gegen die geplante neue Bahnstrecke.
Protest gegen neue Bahntrasse
In den Landkreisen Harburg und Heidekreis protestieren viele Menschen gegen die geplante neue Bahnstrecke.

Die Bahnpläne haben die Gemeinden Seevetal und Hanstedt und auch das Land Niedersachsen kalt erwischt. Man war dort von einer ganz anderen Lösung ausgegangen. Nach monatelangen schwierigen Verhandlungen, bei denen die Bahn, Politik, Initiativen und Verbände zusammensaßen, war 2015 ein tragfähiger Kompromiss erarbeitet worden. Er befriedete die massiven Bürgerproteste in der Region und sah vor, dass der Schienenverkehr auf den bestehenden Trassen ausgebaut wird (Alpha-E), statt eine Trasse komplett neu zu bauen.

Neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover: DB plant, Niedersachsen dagegen

Dass das Thema überhaupt neu aufgerollt wird, haben die Gemeinden im Süden Hamburgs überraschend erfahren, als die DB offenbar schon eine ganze Weile an neuen Planungen saß. Lange liefen diese laut Weede im Geheimen. Im August platzte die Bombe, als ​​​​​​​der neue Trassenverlauf bekannt wurde, der über Meckelfeld, Glüsingen und Fleestedt verläuft, bis er auf die A7 stößt und später die Lüneburger Heide zerschneidet. „Hier soll ganz viel Natur und Lebensqualität zerstört werden“, so Weede. „Und die Bahn wischt einen demokratischen Prozess einfach so vom Tisch. Das fördert Politikverdrossenheit.“

Dass sie es ernst meint mit dem Protest, hat Weede bereits bewiesen: Die DB hatte über eine Agentur nach Leitungsverläufen für Abwasser, Gas und Elektrizität in der Gemeinde gefragt. „Die werden sie nicht bekommen“, so Weede entschlossen. Und sie ist noch einen Schritt weitergegangen: DB-Fachleute, die für die nötige Flora- und Fauna-Erkundung nach Seevetal geschickt wurden, konnten gleich wieder abreisen. „Bahnmitarbeitern haben wir ein Betretungsverbot für unsere Flächen erteilt.“

DB: Alpha-E-Variante ist nicht wirtschaftlich

Gegenüber der MOPO sagt DB-Sprecher Peter Mantik, es würden große Kapazitäten für Güter-, Fern- und Regionalverkehr gebraucht. Insbesondere auch für den Deutschlandtakt, der Hamburg und Hannover in einer Stunde verbinden soll. „Eine Entscheidung, welche Trasse die Bahn als Vorzugsvariante beim Eisenbahnbundesamt einreichen wird, ist noch nicht gefallen“, betont er. Lässt aber durchblicken, dass aus Sicht der DB die ursprüngliche Alpha-E-Variante unwirtschaftlich ist. Die Pläne für die Höhe des Bahndamms haben sich laut DB auf 15 Meter in der derzeitigen Planung reduziert.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte zuletzt betont, dass nichts gegen den Willen der Region entschieden werden solle. Der Dialog mit den Beteiligten werde fortgeführt. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat ​​​​​​​eine klare Meinung: „Das Land will den Ausbau der bestehenden Strecke, die Alpha-E-Lösung.“ Das sei das Votum der meisten Betroffenen gewesen. „Dieses Ergebnis muss auch die Bahn respektieren, sonst fühlen sich die Menschen nach vielen Diskussionen nicht ernst genommen.“

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Die Kapazitäten auf der Strecke Hamburg-Hannover würden dringend gebraucht – das spreche für den Ausbau. Kritiker rechnen damit, dass die Neubauplanung Jahrzehnte dauern werde. Sieben Jahre sind seit dem Kompromiss bereits tatenlos verstrichen. Laut DB-Sprecher werden die Pläne noch in diesem Jahr eingereicht, eine Entscheidung über die Trassenwahl trifft dann der Bund.

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