Mann mit Buddelschiff
  • Jürgen Landmann ist Besitzer eines der ältesten privat geführten Buddelschiffmuseen.
  • Foto: (c) dpa

Altes Privat-Museum im Norden vor dem Aus?

Von der Bark bis zum U-Boot: Seit 50 Jahren lassen sich im Buddelschiffmuseum im ostfriesischen Neuharlingersiel kleine Kunstwerke unter Glas bestaunen. Doch nun denkt Besitzer Jürgen Landmann aus Bochum ans Aufhören. Droht dem kleinen Museum das Aus?

Nur wenige Schritte von den bunten Kuttern im Hafen des ostfriesischen Ortes Neuharlingersiel entfernt liegt eine zweite Schiffsflotte vor Anker – und zwar unter Glas. Im Buddelschiffmuseum, untergebracht im „Hotel Janssen“, lässt sich eine kleine maritime Modellwelt entdecken: von Segelschiffen, über Fregatten bis zum U-Boot. Alles in feinster Handwerkskunst gefertigt. In einer Buddel ist sogar der Untergang der „Titanic” nachgestellt. „Da ist richtig viel los in der Flasche“, berichtet Jürgen Landmann.

Der 66-Jährige aus Bochum ist Besitzer des kleinen Museums. Die Leidenschaft für die Schiffe in der Flasche hat er von seinem Vater. „Er hat immer geträumt, nach der Schule zur See zu fahren“, berichtet Landmann. Doch sein Vater musste den elterlichen Betrieb übernehmen, ein Eisenwarengeschäft. Aus dem Traum wurde ein Hobby: das Sammeln von Buddelschiffen.

Buddelschiffmuseum gehört zu den ältesten privat geführten Museen

1971 eröffnete Landmanns Vater das Museum. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn die Ausstellung, die jedes Jahr rund 20.000 Besucher sehen. Neben 83 Buddelschiffen sind auch noch jede Menge Fotos, Modelle und Kapitänsbilder ausgestellt. Das Buddelschiffmuseum gehört zu den ältesten privat geführten Museen Ostfrieslands. Doch schon bald könnte es das kleine Museum am Hafen nicht mehr geben.

Kein neuer Nachfolger in Sicht

Das 50. Jubiläum in diesem Jahr habe er noch vollmachen wollen, berichtet Landmann. Doch nach der aktuellen Saison soll Schluss sein. „Das ist ein richtig schöner Lebensabschnitt gewesen, der geht nun zu Ende.” Was Landmann zu seinem Ruhestand noch fehlt, ist ein Nachfolger für sein kleines Museum. Aber ein neuer Eigentümer ist bislang noch nicht in Sicht. Droht der Ausstellung nun das Aus?

Museum Buddelschiffe
Trotz schwieriger Nachfolgersuche gibt Landmann die Hoffnung für sein Museum nicht auf.

Dass es das Buddelschiffmuseum in Neuharlingersiel überhaupt gibt, ist eng verbunden mit der Lebensgeschichte von Johnny Reinert, einem ehemaligen Bergmann aus Herne. Er gilt seit jeher als der „König der Buddelschiffe“. Die meisten Modelle in Landmanns Sammlung stammen von ihm. Reinert, so erzählt es Landmann, sei die Bergarbeit schwer gefallen. Stattdessen habe es ihn ins Hamburger Rotlichtviertel gezogen. Dort geriet er mit dem Gesetz in Konflikt und landete schließlich in der „Santa Fu“ genannten Haftanstalt Fuhlsbüttel. „Da hat er angefangen, Buddelschiffe zu bauen”, erzählt Landmann. Als er wieder draußen war, kam Reinert mit Landmanns Vater in Kontakt.

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Begeistert von seiner Handwerkskunst, stellte der Vater Reinert Ende der 50er Jahre in seinem Eisenwarengeschäft als Lageristen ein – tatsächlich habe dieser aber als freischaffender Künstler gearbeitet, berichtet Landmann. Sein Vater beauftragte Reinert mit dem Bau einer ganzen Buddelschiff-Reihe mit dem Titel: „Vom Einbaum zum Atom-U-Boot – eine Schifffahrtsgeschichte in Flaschen”. Von da an habe Reinert knapp zehn Jahre nichts anderes gemacht als Buddelschiffe herzustellen. „In der Firma hat er sich nur blicken lassen, wenn er ein neues Schiff ablieferte“, erinnert sich Landmann mit einem Schmunzeln. Von den 71 Schiffen des Zyklus sind heute noch 58 im Museum zu sehen.

Sogar der spanische König erhielt eines der Buddelschiffe

Rund 800 Modelle soll es von Reinert insgesamt geben – angefangen von Modellen in kleinen Schnapsflaschen bis hin zu einer Walfangszene in einer 129-Liter-Flasche. Dieses größte Buddelschiff der Welt ist im Museum „Windstärke 10“ in Cuxhaven zu sehen. Auch für den spanischen König Juan Carlos und Fernsehmoderator Hans-Joachim Kulenkampff habe Reinert Buddelschiffe gebaut, berichtet Landmann. Mit seiner Arbeit habe dieser gutes Geld verdient, doch reich geworden sei Reinert nie.

Deutschlandweit gibt es 100 bis 150 Buddelschiffbauer

Zwischen 100 und 150 Buddelschiffbauer gebe es heute noch in Deutschland, schätzt Peter Hollander. Der 74-Jährige Hamburger ist Gründungsmitglied der Deutschen Buddelschiffergilde, einem lockeren Zusammenschluss von rund 50 Sammlern, Hobbybauern und Liebhabern von Buddelschiffen. Einmal im Jahr treffen sich die Gilde-Mitglieder. „Das ist fast ein Familientreffen“, sagt Hollander. Zudem gibt die Gilde vier Mal im Jahr die „Buddelnews“ heraus, eine Zeitschrift mit Bauberichten. „Es gibt so viele Möglichkeiten Buddelschiffe zu bauen“, berichtet Hollander, der seit 45 Jahren Buddelschiffe baut, von der Faszination für den Modellbau. „Es gibt so viele Tricks.“

Nachwuchs zu finden, sei für die Buddelschiffbauer wie für viele Modellbauer schwer, berichtet Hollander. „Wer hat heute noch in der Schule Werkunterricht?“ Viel mehr Spaß hätten junge Leute heute an Handys, Spielkonsolen und Computern. „Ich warte auf den Tag, wo der erste mit einem 3D-Drucker eine Flasche druckt und gleichzeitig ist das Schiff noch drin“, sagt Hollander mit einem Augenzwinkern.

Aussterben des Buddelschiffbaus: Hoffnung bleibt

Dass der Buddelschiffbau eines Tages ausstirbt, daran glaubt Hollander aber nicht. Dennoch sei es schade, wenn Museen wie das in Neuharlingersiel verschwinden, findet Hollander. „So ein Museum ist natürlich auch eine Einstiegsgelegenheit“. Vielleicht bekämen Besucher Lust, es selbst zu versuchen.

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Um bei Kindern das Interesse am Buddelschiffbau zu wecken, geben Landmann und seine beiden Mitarbeiter im Sommer regelmäßig Workshops und zeigen, wie das Schiff in die Flasche kommt. Ob es dieses Jahr die letzten Workshops sind? „Mein Wunsch wäre es wirklich, dass das Museum in dieser Form erhalten bleibt“, sagt Landmann. Am liebsten am selben Platz, im Hotel Janssen. Demnächst soll es Gespräche mit dem örtlichen Kurverein geben. Noch möchte sich der Kurverein auf Nachfrage nicht äußern, ob ein Übernahmeinteresse besteht. Landmann will so lange auch noch nach anderen Interessenten Ausschau halten – einige Bewerber hätten sich schon gemeldet. (len/dpa)

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