Ein Angeklagter sitzt zu Beginn eines Totschlagsprozesses im Landgericht Hildesheim. Dem Mann wird vorgeworfen, seinen etwa zwölf Wochen alten Sohn getötet zu haben, in dem er das Baby so stark schüttelte, dass der Säugling an den Folgen starb. (Archivfoto)
  • Der Angeklagte sitzt im Landgericht Hildesheim. Dem Mann wird vorgeworfen, seinen etwa zwölf Wochen alten Sohn getötet zu haben. (Archivfoto)
  • Foto: picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Baby totgeschüttelt: Vater bestreitet Tat – Urteil steht fest

Nach dem gewaltsamen Tod seines Babys ist ein 33-jähriger Vater zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen Totschlags verurteilt worden. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts Hildesheim am Freitag mit.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann aus Hildesheim seinen knapp drei Monate alten Sohn im März so stark schüttelte, dass das Kind massive Hirnblutungen erlitt und wenig später im Krankenhaus starb.

Baby totgeschüttelt: Angeklagter bestreitet die Tat

Der Angeklagte bestreitet die Tat, sein Verteidiger hatte einen Freispruch beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des 33-Jährigen kündigte nach der Verhandlung an, in Revision gehen zu wollen.


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Der Vater war zum Zeitpunkt der Tat allein mit dem Baby in der Wohnung und hatte selbst die Rettungskräfte gerufen. Am ersten Prozesstag im November war eine Aufzeichnung dieses neunminütigen Gesprächs im Gerichtssaal vorgespielt worden.

„Wir haben die Wahrheit herausgefunden“

Der Vater sagte, sein Sohn habe sich beim Milchtrinken verschluckt. „Der ist schon ganz blau.“ Weinend versuchte er, nach den telefonischen Anweisungen des Rettungssanitäters das Baby wiederzubeleben.

In dem langwierigen Prozess wurden insgesamt acht medizinische Sachverständige gehört. „Wir haben die Wahrheit herausgefunden“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Alle medizinischen Erkenntnisse sprechen demnach für massive Gewalteinwirkung und ein Schütteltrauma, kein Aspekt für eine andere Todesursache. Der Mann sei zwar kein „hartherziger Täter“, wie auch der Psychiater urteilte, habe aber den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen.

Baby starb an Hirnschaden

Zunächst hatte die Verteidigung die These aufgestellt, dass der kleine Jason an einem epileptischen Anfall oder allergischen Schock infolge seiner Mehrfachimpfung am Vortag gestorben sein könnte. Doch mehrere Sachverständige – darunter ein Pharmakologe und ein Immunologe – sahen keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen dem bei dem Baby diagnostizierten Hirnschaden und der Impfung.


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Später argumentierte die Verteidigung, der Mann habe das Kind womöglich in Panik geschüttelt, als es sich verschluckte, dies könne man nicht als Totschlag werten.

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Nach Schätzungen erleiden jedes Jahr in Deutschland 100 bis 200 Babys und Kleinkinder ein Schütteltrauma infolge von Misshandlungen. „Wenn Eltern für einen kurzen Moment die Kontrolle verlieren und ihr schreiendes Baby schütteln, können sie ihm schwere Schäden zufügen, die zu körperlicher und geistiger Behinderung führen können“, warnt das 2017 gegründete Bündnis gegen Schütteltrauma. 10 bis 20 Prozent der betroffenen Kinder sterben Experten zufolge an den Folgen. (dpa)

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