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Nächstes Fohlen tot!: Hunger oder Infektion? Mysteriöses Wildpferde-Sterben

Dithmarschen –

Eigentlich leben sie in paradiesischen Zuständen: Die Herde wilder Ponys der Rasse Konik im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch südlich von Büsum an der Nordsee hat eine riesige Fläche, auf der sie das ganze Jahr über frei laufen kann und wild lebt. Doch ausgerechnet in diesem milden Winter sind mittlerweile sieben Tiere gestorben. Wie der Nabu gegenüber der MOPO bestätigte, starb am Donnerstag noch ein Fohlen.

Damit sind mittlerweile drei Stuten und vier Fohlen tot. Die Tiere sind wahrscheinlich durch Hunger gestorben. Denn in der Herde sind etliche Pferde stark abgemagert. Deshalb werden die Tiere jetzt seit einigen Tagen mit Heu zugefüttert.

Konik Ernst Gloe

Sommer bei den Koniks im Kreis Dithmarschen.

Foto:

Ernst Gloe/Nabu

Erste Untersuchungen der toten Tiere ergaben, dass die vier Fohlen Fehlgeburten waren und eine Stute an akutem Kreislaufversagen starb. Das könnte durch mangelndes Futter passiert sein. Aber es könnte auch andere Gründe für die Todesfälle geben. Das letzte tote Fohlen wird jetzt im Landeslabor untersucht, falls es sich um eine Infektion handelt.

Koniks in Dithmarschen: Nabu Schuld am Hunger der Tiere?

Um herauszufinden, wie es den Tieren in der Herde geht, und ob die Pferde sich womöglich mit einer Krankheit angesteckt haben, sollen demnächst alle eingefangen werden. Sie werden dann auch gechippt. Und ein Drittel der Tiere wird herausgenommen und abgegeben, damit das Futter vor Ort auf jeden Fall reicht.

Koniks Ernst GLoe

Da ist die Welt noch in Ordnung: Ein Konik-Fohlen trinkt bei der Stute.

Foto:

Ernst Gloe/Nabu

Die Tiere waren durch den starken Regen der vergangenen Wochen offenbar von einem großen Weidegebiet abgeschlossen worden. Und das hat niemand bemerkt. Auf den nassen Flächen war zudem kaum Futter für die Pferde zu finden. Da sie auf der Fläche (460 Hektar) eingezäunt sind, konnten sie auch nicht abwandern.

Sieben Wildpferde starben – die anderen werden eingefangen

Die Wildpferde gehören ausgerechnet dem Nabu. Sie sollen dort im Speicherkoog das Gras und Schilf abfressen, um offene Flächen für Bodenbrüter zu erhalten. Für die rund 80 Wildpferde gibt es laut Nabu eigentlich mehrere beauftragte Schäfer. Denen war aber auf dem 460 Hektar großen Gelände offenbar nichts von der Lage aufgefallen.

Koniks Ernst Gloe

Im Sommer schätzen die Koniks das Wasser und kühlen sich ab.

Foto:

Ernst Gloe/Nabu

Dabei waren einige Tiere sehr mager, einige hinkten auch. Was schief gelaufen ist, wird derzeit besprochen. Namen will der Nabu nicht nennen, aus Angst, dass die Personen persönlich bedroht werden. Auf Facebook gibt es einen wahren Shitstorm gegen den Nabu.

Im Video: Frühjahrscheck bei Hagenbeck

NABU-Sprecher: Von den Wildpferden sterben immer einige

Anrufe von besorgten Beobachtern waren offenbar ignoriert worden. Ein Sprecher dazu: „Es gibt diese Anrufe jedes Jahr.“ Meist sei nichts daran. „Die Koniks leben wild, sie fressen sich im Herbst dick und werden dann durch den Winter immer dünner.“ Das sei normal und nicht weiter besorgniserregend. Nur in diesem Jahr war es offenbar anders.

Allerdings sagt der Sprecher auch: „Dort sterben jedes Jahr ein bis drei Tiere. Nur so viele wie diesmal eben noch nie.“ Mittlerweile soll es mehrere Strafanzeigen gegen den Nabu geben.

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