Am Donnerstag soll gegen den 58 Jahre alten Angeklagten das Urteil gefällt werden.
  • Am Donnerstag soll gegen den 58 Jahre alten Angeklagten das Urteil gefällt werden.
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Hinterrücks – tödliche Schüsse in leerer Villa: Haft oder Bewährung?

Im Prozess um die tödlichen Schüsse in einer vermeintlich leer stehenden Villa in Lübeck soll am Donnerstag das Urteil verkündet werden – nach nur zwölf Verhandlungstagen. Dem Angeklagten (58) wird vorgeworfen, Ende Dezember vergangenen Jahres einen mutmaßlichen Einbrecher (38) hinterrücks erschossen zu haben.

Der 58-Jährige, ein pensionierter Berufssoldat und aktiver Sportschütze, bei dem im Haus mehrere Waffen und eine nicht scharfe Handgranate gefunden worden war, hatte im Prozess zugegeben, insgesamt drei Schüsse in Richtung des flüchtenden Opfers und dessen Begleiter abgefeuert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten in ihren Plädoyers gefordert, den Mann wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von neun Jahren und drei Monaten zu verurteilen. Seine Verteidigung hatte dagegen aber eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung beantragt.

Lübeck: Tödliche Schüsse in leerer Villa – Urteil erwartet

Das geschah laut Polizei und Staatsanwaltschaft am 30. Dezember 2020: Zwei Männer dringen in eine vermeintlich leere Villa ein, offenbar treibt sie eigenen Angaben nach eine Faszination für verlassene Orte, in der Szene nur „Lost Places“ genannt, an – das gibt der die Schüsse Überlebende später gegenüber Ermittlern der Polizei zu Protokoll.

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Von Diebstahl wertvoller Gegenstände sei nie die Rede und niemals ihre Intention gewesen, sagte der Mann aus. Die Ermittler halten seine Aussagen für nachvollziehbar. Außerdem sind sie übereinstimmend mit dem, was die Arbeit an dem Tatort ergab.


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Der Schütze wird am Abend der Tat im Dachboden der Villa festgenommen. Neben ihm liegt eine Pistole, er sitzt alleine und schweigt zunächst zu den Vorwürfen. Für alle Waffen und Munition, die Polizisten in dem Haus finden, hat der Mann die erforderlichen Scheine.

Viele Menschen nahmen Anteil an dem Tod des Mannes.
Viele Menschen nahmen Anteil an dem Tod des Mannes.

Die Tage darauf werden Kerzen, Briefe, Kränze und ein Foto vor der Villa aufgestellt, viele Menschen trauern um das Schicksal des Toten. Der soll als Reinigungskraft gearbeitet haben. Er hinterlässt eine achtjährige Tochter. (dg)

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