Polizisten vor Absperrband eines Tatorts in Dänischenhagen
  • Die Anklage wirft dem 48-jährigen Zahnarzt dreifachen Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor.
  • Foto: picture alliance/dpa | Axel Heimken

„Alle wussten, dass er Waffen hat“ – Dreifachmord bahnte sich offenbar lange an

Er soll gewalttätig und extrem eifersüchtig gewesen sein, Bekannte fühlten sich bedroht und fürchteten um ihr Leben. Die Gefahr, die vom Zahnarzt Hartmut F. ausging, war offenbar vielen bekannt – der mutmaßliche Dreifachmord im Mai 2021 hätte sich laut Zeugenaussagen regelrecht angebahnt.

Im Prozess gegen einen Zahnarzt aus Westensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) haben am Montag Freundinnen der getöteten Ehefrau ausgesagt, dass sich die Taten offenbar lange anbahnten. Genau wie schon andere Zeugen zuvor berichteten die drei Frauen vor dem Kieler Landgericht über die gescheiterte Ehe, über Affären und über die Gewalttätigkeit des Angeklagten, was letztlich zur endgültigen Trennung geführt habe.

Der Angeklagte Hartmut F. im Landgericht Kiel, bewacht von drei Justizbeamten.
Der Angeklagte Hartmut F. im Landgericht Kiel, bewacht von drei Justizbeamten. Das Urteil im Prozess wird am 30. März erwartet.

Der Angeklagte habe das aber nie akzeptieren und die 43-Jährige mit ihren vier Kindern zurückhaben wollen, sagte eine der Zeuginnen. Die Ehefrau und ein ebenfalls ermordeter gemeinsamer Bekannter des Ehepaares hätten sich massiv von dem 48-Jährigen bedroht gefühlt und um ihr Leben gefürchtet. Der Angeklagte sei extrem eifersüchtig gewesen, obwohl er selbst auch wiederholt mit fremden Frauen gesehen wurde. Dabei habe er sich stets als Opfer inszeniert. Die Zeugin hatte den Angeklagten mehrfach aufgefordert, mit dem Stalking seiner Frau aufzuhören und den vier minderjährigen Kindern ein verlässlicher Vater zu sein.

„Was macht ihr, wenn der Irre mit ’ner Wumme auftaucht?“

Als sich die Ehefrau auf einem Dating-Portal anmeldete, kam das Fass zum Überlaufen. Die Zeugin sagte aus, er Angeklagte habe seine Frau bedroht, „Hund, Pferde, Kinder, sie und sich selbst zu erschießen.“ „Er war sehr aufgeregt und ich hatte Angst, dass er durchdreht“, sagte die Zeugin vor Gericht. „Alle haben gewusst, dass er Waffen hat.“ Vor einem geplanten Osterfeuer habe ein Bekannter gefragt: „Was macht ihr, wenn der Irre mit ’ner Wumme auftaucht?“

Der 52-jährige Bekannte habe ihr außerdem erzählt, dass der Angeklagte ihn verdächtige, der neue Liebhaber zu sein. Der Angeklagte habe ihn wüst beschimpft: „Jetzt hast Du endlich, was Du willst.“ Bedroht habe er ihn auch: „Ich mach Dich fertig und Geld kriegst du von mir auch nicht.“ Der vermeintiche Liebhaber hatte die Praxisräume des Angeklagten elektrifiziert. Die Rechnung dazu war Zeugenaussagen zufolge noch offen. Insgesamt soll der Zahnarzt hochverschuldet gewesen sein. Er habe aber seine Praxis nicht verkaufen wollen, auch weil er den Erlös mit seiner Frau hätte teilen müssen.


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Am 19. Mai 2021 soll der Angeklagte zuerst seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und deren neuen Bekannten in Dänischenhagen und danach in Kiel den Elektriker erschossen haben. Mit einer der Tatwaffen stellte er sich am Abend in Hamburg der Polizei. Die Staatsanwaltschaft stuft alle Taten als Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen ein.

Zeugin im Dreifachmord-Prozess: „Es lag einfach in der Luft“

Als eine der Zeuginnen am Tattag in Kiel von den Morden hörte, kam für sie nur einer als Täter in Frage: „Ich wusste sofort, dass er es ist. Es lag einfach in der Luft“, sagte die Frau vor Gericht.

Damals schloss man in ersten Meldungen über die Taten einen Amoklauf nicht aus, ein ganzes Viertel von Kiel wurde deshalb zeitweise von einem Großaufgebot der Polizei abgeriegelt.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll auch der Scheidungsanwalt der Ehefrau gehört werden. Auch er fühlte sich nach eigenen Angaben von dem Angeklagten bedroht und fürchtete um seine Mandantin, für die er gerade die Gewaltschutzanordnung gegen ihren Mann verlängert hatte. Das Urteil wird am 30. März erwartet. (dpa/mp)

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