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Infektionsmediziner fordert: Öffnet die Schulen komplett – noch vor den Ferien!

Kiel –

Sollten Schulen ohne Abstandsregeln geöffnet werden? Ja! Zumindest, wenn es nach dem Kieler Infektionsmediziner Helmut Fickenscher geht. Er hält es für vertretbar, Schulen noch vor den Sommerferien wieder vollständig zu öffnen, auch um Erfahrungen mit möglichen Corona-Ausbrüchen zu sammeln.

„Die bisher erfolgreiche Eindämmung des Virus macht dies vertretbar und man kann in den wenigen Wochen bis zu den Ferien Erfahrungen sammeln, bei Gefahrensituationen gegensteuern und hat die langen Ferien als zeitlichen Sicherheitspuffer“, so Fickenscher. Er ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

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 Virologe Helmut Fickenscher

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Eine baldige Öffnung der Schulen sei „besser, als nach den Ferien ohne eine solche Erprobungsphase ins neue Schuljahr ohne Abstandsregeln zu starten und dann möglicherweise in schwierige Situationen zu kommen.“ Außerdem könnten die kleinen Klassengruppen gut voneinander getrennt werden.

Normaler Unterricht in drei Bundesländern geplant

In Schleswig-Holstein sollen vom 8. Juni an alle Grundschüler wieder in ihren Klassen ohne Abstandsregeln unterrichtet werden. Ältere Schüler aller Schularten sollen noch vor den am 29. Juni beginnenden Sommerferien zumindest tageweise zusammen kommen. Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler einen Betrieb in voller Klassenstärke an. In Baden-Württemberg ist das ab Ende Juni geplant.

Trotz Drosten-Studie: Risiko durch Kinder unklar

Zwar sei seit der Studie eines Berliner Kollegen Christian Drosten klar, dass auch Kinder vom Corona-Virus betroffen sind, aber es gebe nur wenige dokumentierte Anhaltspunkte, dass von Kindern eine größere Ansteckungsgefahr ausgehe. Es sei daher schwierig zu beurteilen, welche Risiken genau bei Kontakten von Kindern mit alten Menschen oder anderen Risikopersonen bestünden.

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Zu Beginn der sich rasch ausbreitenden Pandemie sei es richtig gewesen, „so vorsichtig wie möglich zu sein“, sagte der Experte. Aber angesichts der aktuellen Situation sei es etwa in Schleswig-Holstein mit den niedrigen Zahlen an Neuinfektionen nicht mehr so einfach anwendbar. Es gehe jetzt um die Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Einschränkungen und Risiken. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine ganze Menge an Lockerungen erlebt und sind damit bisher überraschend gut gefahren.“

Coronavirus begleitet uns auch im Sommer

Zugleich warnte Fickenscher vor der Illusion, das Virus werde im Sommer verschwinden. Das Grassieren der Corona-Pandemie beispielsweise in Brasilien zeige, dass hohe Temperaturen und Sonnenlicht das Virus nicht verschwinden lassen. Richtig sei allerdings, dass das Virus bei Bestrahlung mit UV-Licht inaktiv werde, also nicht mehr ansteckend sei. 

„Aber es gibt viel Schatten und geschlossene Räume. Aus meiner Sicht ist nicht zu erwarten, dass wir im Sommer – wie bei der saisonalen Influenza – eine Viruspause bekommen“, sagte der Wissenschaftler und fügte hinzu: „Würden wir die Corona-Maßnahmen komplett aufheben, hätten wir wieder ein Aufflammen der Epidemie wie vor einigen Monaten.“ (dpa/lmr)

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