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Immer mehr Todesfälle im Norden: Zweite Corona-Welle hat Pflegeheime erreicht

Neumünster –

Bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr war in Schleswig-Holstein etwa jedes zweite Todesopfer ein Heimbewohner. Jetzt hat die zweite Welle die Pflegeeinrichtungen erreicht, warnt die Präsidentin der Pflegeberufekammer. Eine Schlüsselrolle hat das Pflegepersonal.

Die zweite Corona-Welle hat nach Einschätzung der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein inzwischen auch die Pflegeeinrichtungen erreicht. Solche Einrichtungen seien immer häufiger von Ausbrüchen betroffen, sagte Kammerpräsidentin Patricia Drube. Das Heim Steertpooghof in Norderstedt mit mindestens 33 corona-infizierten Heimbewohnern und inzwischen zwölf Todesfällen nach Covid-19-Erkrankungen sei aber in dieser Dimension zum Glück ein Einzelfall.

Zweite Corona-Welle: Pflegeheime besser vorbereitet

Die Einrichtungen sind laut Drube wesentlich besser auf den Umgang mit dem Coronavirus vorbereitet als im Frühjahr. „Wir erwarten, dass durch den Einsatz von Schnelltests Infektionen schneller erkannt und Ausbrüche verhindert werden“, so Drube. Die ersten Einrichtungen beginnen laut der Präsidentin jetzt mit dem Einsatz der Schnelltests.

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Dabei gehe es um Prävention, also darum, frühzeitig infizierte Personen zu identifizieren, die keine Krankheitssymptome haben und somit das Virus unbewusst weiterverbreiten. „Hier liegt zunächst ein Schwerpunkt auf der Testung des Personals, aber auch die Testung von Bewohnern und Besuchern ist vorgesehen.“ Auch Gäste müssen solche Tests nicht selbst bezahlen.

Neumünster: Ausstattung der Pflegeheime sichergestellt

Die Ausstattung mit Schutzausrüstung in den Pflegeeinrichtungen sei laut Drube derzeit sichergestellt. Dies liege auch daran, dass die meisten Einrichtungen nach der ersten Corona-Welle Vorräte angelegt hätten. Allerdings sei bei Handschuhen derzeit wieder ein Preisanstieg zu verzeichnen und einige Lieferanten belieferten nur noch Bestandskunden. „Völlig entspannt sehe ich die Lage somit nicht“, sagte Drube.

Auf die Frage, was am nötigsten sei, um ein erneutes großes Sterben in den Alten- und Pflegheimen zu verhindern, antwortete Drube: „Das Wichtigste ist gut organisiertes und vor allem gesundes Personal“. Ausfälle von Pflegefachpersonen und ihren Assistenzkräften müssten so gut es gehe vermieden werden. Schon vor Corona sei die Arbeitsbelastung sehr hoch gewesen. „Wenn jetzt unter erschwerten Bedingungen und mit zusätzlichen Aufgaben – Eingangskontrollen, Bürokratie, Hygienemaßnahmen – Kräfte wegbrechen, kann es zum Kollaps kommen“, warnte die Kammerpräsidentin.

Pflegeberufekammer: Pflegende müssen verstärkt getestet werden

„Wir müssen alles tun, um für die Mitarbeitenden zu sorgen, sie mit ausreichend Schutzausrüstung in guter Qualität versorgen und sie regelmäßig testen.“ Außerdem müssten die PCR-Tests von Pflegenden mit Vorrang ausgewertet werden. „Innerhalb von 24 Stunden muss für diese Personen ein Ergebnis vorliegen“, forderte Drube. „Was aber vor allem wichtig ist: Die Verhinderung von Ausbrüchen in Pflegeeinrichtungen ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wenn es uns gelingt, die Infektionszahlen wieder zu reduzieren, schützen wir damit am wirkungsvollsten die Pflegeeinrichtungen.“ (dpa/se)

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