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Immer mehr Angriffe: Abscheuliche Aktionen gegen Polizisten nehmen zu

Bad Segeberg –

Alarmierender Trend: Die Gewalt gegen Polizisten liegt weiter auf einem hohen Niveau. 2019 zählte die Polizeidirektion Bad Segeberg, die für Segeberg und Pinneberg zuständig ist, 73 Fälle von Widerstand und tätlichen Angriffen. Durch Corona hat sich zudem ein abscheulicher Trend entwickelt.

Im Vergleich zu 2018 gab es im Jahr 2019 zwei Angriffe mehr auf Polizisten. 19 Beamte wurden dabei schwer verletzt. Daher hat die Polizeidirektion Bad Segeberg das Einsatztraining weiter intensiviert, sagt Kriminalrat Sven Pahl, Leiter des Stabsbereichs Einsatz und Recht. „Hierbei stehen neben einsatztaktischen auch Eigensicherungsaspekte auf der Tagesordnung.“ Außerdem habe die Polizei die Ermittlungsarbeit weiter professionalisiert, um eine beweissichere Strafverfolgung gewährleisten zu können, sagte Pahl.

Schleswig-Holstein: Im Jahr 2019 wurden 377 Polizisten verletzt

Landesweit ist die Zahl der Angriffe auf Polizisten mit 1254 registrierten Fällen im Jahr 2019 jedoch nahezu gleich geblieben. 377 Polizisten wurden dabei verletzt. Für Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) besorgniserregend: „Praktisch jeden Tag wird eine Beamtin oder ein Beamter im Dienst durch einen Übergriff verletzt, während sie oder er für die Sicherheit im Land sorgt.“

Das sei nicht akzeptabel und könne so nicht hingenommen werden. Daher wurde laut Ministerin in den vergangenen Jahren bereits viel in die Schutzausrüstung der Polizisten investiert und das Einsatztraining angepasst. Deeskalierendes Verhalten sei wichtiger Bestandteil der Aus- und Fortbildung, so Sütterlin-Waack.

Abscheulicher Trend: Polizisten werden absichtlich angehustet

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt sich besorgt und spricht angesichts der Fallzahlen von einem sehr hohen Niveau. Der Landesvorsitzende der GdP, Torsten Jäger, sagt: „Ich wünsche mir, dass die Gewalt gegen Polizei und Einsatzkräfte spürbar zurückgeht, dass wir endlich einen breiten gesellschaftlichen Konsens gegen diese Gewalt finden.“

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Zudem berichtet Jäger von einem „abscheulichen Trend“, Polizisten mit Absicht anzuhusten und zu behaupten, das Corona-Virus zu haben. „Ein solches Verhalten ist einfach perfide und menschenverachtend und kann auf keinen Fall geduldet werden“, sagt Jäger. Die GdP fordere eine deutlichere Unterstützung durch den Dienstherrn, also das Innenministerium, und appelliert an dessen Fürsorge. Die GdP beteilige sich an der Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit dem Titel „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch!“

Bundesweit deutlicher Zuwachs an Gewalt gegen Polizisten

„Ich möchte, dass meine Kolleginnen und Kollegen gesund in den Feierabend gehen können und Freunde und Familie keine Angst um ihre Lieben haben müssen“, sagt Jäger.

Bundesweit sind die Angriffe auf Polizisten im Jahr 2019 deutlich um 8,6 Prozent auf 36.126 Fälle gestiegen. Laut Bundeskriminalamt würden die Folgen der Taten dabei bis zu schwersten Verletzungen reichen. Immerhin: Die Aufklärungsquote für den Straftatbestand „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“ lag im vergangenen Jahr bei 98,5 Prozent. Der Gesetzgeber sieht Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren vor. (alu)

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