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Etliche Millionen veruntreut?: Ex-Casio-Finanzmanager gesteht vor Gericht

Kiel/Norderstedt –

Ein früherer Finanzmanager aus der Europazentrale des Elektronik-Konzerns Casio mit Sitz in Norderstedt (Schleswig-Holstein) soll rund drei Millionen Euro veruntreut haben – mindestens. Vor dem Landgericht in Kiel gestand der 61-Jährige jetzt.

Ein Ex-Finanzmanager der Europazentrale des Elektronik-Konzerns Casio hat am Montag gestanden, mehrere Millionen Euro von Firmenkonten abgezweigt zu haben. Die Anklage lautet auf gewerbsmäßige Untreue in mehr als 300 Fällen. Nach Angaben der Gerichtspressestelle drohen in jedem einzelnen Fall zwischen sechs Monaten und zehn Jahre Haft.

Staatsanwalt Felix Doege bezifferte den Vermögensschaden für das Unternehmen zu Prozessbeginn am Kieler Landgericht auf mindestens 2,8 Millionen Euro, die der Angeklagte von 2014 bis 2019 in die eigene Tasche fließen ließ.

Kiel: Ex-Finanzmanager von Casio vor Gericht

Die Pressestelle der Casio Europa GmbH mit Sitz in Norderstedt spricht sogar von sechs Millionen Euro Schaden. Diesen Betrag habe der Mann von 2004 an insgesamt beiseite geschafft, teilte das Unternehmen mit. Ein Teil der Fälle ist inzwischen aber offenbar verjährt. Harald Schröder, Chef der Marketingabteilung, wollte unter Hinweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Erklärungen abgeben.

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Nach Schilderungen des Angeklagten fand er Schwachstellen in der Buchhaltung, die er für sich ausnutzte. So habe es zahllose Beträge gegeben, die keinem Vorgang mehr zuzuordnen gewesen seien, die niemand vermisst habe und die er schließlich unbemerkt über fingierte Lieferantenkonten an sich selbst überwies. „Es gab keine Kontrollen, weder extern noch intern“, sagte er. Man habe es ihm leichtgemacht. Andernfalls hätte man „viel früher, vor vielen Jahren herausfinden können, was ich tat“.

Beiträge bis zu 10.000 Euro aufs eigene Konto überwiesen

Auch Wirtschaftsprüfern sei nicht aufgefallen, dass sich im System beispielsweise viele Beträge von nicht eingelösten Kunden-Gutschriften befanden, sagte der Angeklagte. Über Jahre hinweg habe er jeweils bis zu rund 10.000 Euro auf ein eigenes Konto überwiesen. „Ich fing mit ganz kleinen Beträgen an“, sagte er. Dann sei es bei ihm zur Sucht geworden.

Der in zweiter Ehe verheiratete Mann mit zwei Adoptivkindern ist nach eigenen Angaben schwer krank. Er habe bei Casio bis zu 16 Stunden täglich gearbeitet. Zuletzt habe sein monatliches Gehalt etwa 11.000 Euro betragen. Der 61-Jährige wurde nach Angaben der Pressestelle der Europazentrale im September 2019 fristlos entlassen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Wirtschaftsstrafkammer hat nur zwei Verhandlungstage anberaumt. Demnach könnte das Urteil bereits am 29. Juni fallen. (dpa/mp)

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