Im Mai 2021 sicherten Beamt:innen den Tatort in Dänischenhagen.
Im Mai 2021 sicherten Beamt:innen den Tatort in Dänischenhagen.
  • Am 19. Mai 2021 sicherten Beamt:innen den Tatort in Dänischenhagen, nachdem zwei Tote gefunden wurden.
  • Foto: Axel Heimken/dpa

Dreifach-Mord im Norden: Jetzt spricht die Schwester des Opfers

Der Dreifach-Mord an der Ostsee in Dänischenhagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Kiel schockte im Mai 2021 ganz Deutschland. Die 43-jährige Hanna F. war von ihrem Ehemann, Zahnarzt Hartmut F. (47),ermordet worden. Außerdem tötete er den neuen Freund seiner Frau und einen weiteren Bekannten. Jetzt spricht erstmals die Schwester von Hanna F. über die schreckliche Tat und erhebt Vorwürfe gegen die Eltern des Täters.

Was war geschehen? Am 19. Mai 2021 tötete Zahnarzt Hartmut F. seine Ehefrau Hanna F. (43), Mutter von vier Kindern, und ihren neuen Bekannten mit einer Maschinenpistole in Dänischenhagen bei Kiel. Etwa eine halbe Stunde später erschoss der Zahnarzt auch einen gemeinsamen Bekannten in Kiel, den er für das Scheitern seiner Ehe verantwortlich machte. Im April dieses Jahres verurteilte das Landgericht Kiel Hartmut F. zu lebenslanger Haft.

Charlott A. erfuhr alles von einem Nachbarn

„Wir waren uns so nah“, sagt die Schwester von Hanna F. jetzt im Interview mit der „shz”. Charlott A. (47) erfuhr noch am Abend der Tat von einem Nachbarn ihrer Schwester, dass sie getötet wurde. Zuvor habe Hartmut F. seine Ehefrau immer wieder geschlagen und bedroht.

Einmal soll Hanna F. ihrer Schwester gesagt haben: „Wenn ich eines Morgens tot auf der Weide liegen sollte, dann weißt du, es war Hartmut.” Die Polizei in Kiel habe Charlott A. den Tod ihrer Schwester bestätigt und gesagt, dass die Kinder in Sicherheit gebracht worden seien. Am nächsten Tag erfuhr sie, dass die Kinder bei der Mutter von Hartmut F. untergebracht worden waren.

Die zwei Gesichter von Hartmut F.

Hanna und Hartmut F. hätten sich im Zahnmedizinstudium an der Uni kennengelernt. Hanna war verwitwet und sei die Beziehung zu Hartmut F. zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes eingegangen. „Sie wirkte sehr glücklich”, sagt ihre Schwester im Interview. Gemeinsam hätten Hanna und Hartmut F. einen heruntergekommenen Resthof gekauft.

Doch bald schon soll sich Hartmut F. auch von einer anderen Seite gezeigt haben. Charlott A. erzählt, dass er Affären hatte und schnell ausrastete. Oft soll er aus Wut Möbel zerschlagen haben und einmal mit einer Axt den Fernseher, als die Kinder nicht schnell genug die Fernbedienung fanden.

Das Ende einer Horror-Ehe

Als sich Hanna F. für eine Scheidung entschied, soll er ihr einmal sogar die Nase gebrochen und sie mit einem Messer bedroht haben. Nach Angaben einer Zeugin im Prozess war der Grund ein Zettel am Schlafzimmerspiegel mit der Aufschrift „Hannas Checkliste für die Scheidung”.

Am Sonntag vor dem Tod von Hanna F. sollen die beiden Schwestern noch zusammen spazieren gewesen sein. Charlott A. beschreibt sie als „glücklich und entspannt”. Hartmut F. kam offensichtlich nicht mit dem Ende der Ehe klar. Kurz darauf waren drei Menschen tot.

Zwei Kinder leben bei den Eltern des Täters

Charlott A. sagt im Interview, dass sie nicht zum Prozess gegangen sei. Sie wolle Hartmut F. „nie wieder sehen”. In der Trauer um ihre Schwester geben ihr die Arbeit als Ergotherapeutin, ihr Mann und die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit Kraft.

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Die beiden jüngsten Kinder von Hanna F. leben weiter bei den Eltern von Hartmut F. Ein Umstand, mit dem Charlott A. zu kämpfen hat. Angeblich verweigern die Großeltern ihnen psychologische Hilfe. Sie würde die beiden nun gern bei sich auf ihrem Hof in Dänemark aufnehmen. (mp)

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