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„Die Hemmschwelle sinkt“: Brandanschlag auf Polizeirevier – Beamte in Sorge

Greifswald –

Auf das sich im Bau befindliche Polizeihauptrevier Greifswald ist ein Brandanschlag verübt worden. Vermutlich mit Molotowcocktails ist die Fassade des Gebäudes zwischen Freitagmittag und Montagfrüh beschädigt worden, der Schaden sei noch nicht bezifferbar, so die Polizei. Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung aufgenommen.

Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Anschlag im Zusammenhang mit dem weltweiten Aktionstag gegen Polizeigewalt und Rassismus am Wochenende steht. Nach dem Tod von George Floyd durch einen US-Polizisten gab es auch in Mecklenburg-Vorpommern Proteste, etwa in Rostock, Neubrandenburg und Stralsund. Sie seien alle störungsfrei verlaufen, hieß es.

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Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch macht deutlich, dass die Ereignisse in Amerika um den Tod von George Floyd entsetzlich seien und „der uneingeschränkten Aufklärung“ bedürfen. Gleichzeitig betont er aber: „In keinem Fall rechtfertigt Gewalt und Rassismus einen Angriff auf ein Polizeigebäude.“ Die Polizeien in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern zeigten täglich bei unzähligen Einsätzen, dass pauschale Beschuldigungen nicht gerechtfertigt seien.

Immer mehr Anschläge: Nach brennenden Dienstwagen war das Polizeirevier dran

Die Gewerkschaft der Polizei reagierte besorgt auf den Anschlag. „Die Hemmschwelle sinkt“, sagte der Landesvorsitzende Christian Schumacher. „Waren es vor kurzem Privat- und Dienstautos in Stralsund, die brannten, so war dieses Mal der Polizeineubau in Greifswald das Ziel eines Anschlags.“

Es scheine immer leichter zu werden, den Schritt von verbalen Beleidigungen wie „Scheißbulle“ oder „Polizistenschlampe“ über massive körperliche Gewalt zu Brandanschlägen zu gehen. „Auch wenn die Täter noch nicht ermittelt worden sind, entsteht der Eindruck, dass Gewalt gegen die Polizei immer mehr als legitimes Protestmittel verstanden wird“, meinte Schumacher.

Landesvorsitzender fordert Rückhalt für die Polizei

Er forderte mehr Rückhalt für die Polizei in Politik und Bevölkerung. Häufig sei es aber so, dass der Polizei der schwarze Peter zugeschoben werde. „Wird nicht lieber von Polizeigewalt gesprochen, als dass man über die Gewalt spricht, die die Polizei tagtäglich erfährt?“, fragte Schumacher.

Video: Zu viele Teilnehmer – Polizei löste „George Floyd Demo“ auf

Die sicherheitspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Ann Christin von Allwörden, verurteilte den Zwischenfall scharf. „Mutmaßliche Linksextremisten haben versucht, ein Polizeigebäude zu beschädigen, sehr wahrscheinlich im Kontext der Proteste gegen Rassismus in den USA“, sagte sie.

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Der Vorsitzende der CDU Vorpommern-Greifswald, Franz-Robert Liskow, kritisiert das aggressive Vorgehen gegen die Polizei. „So traurig der Fall in Minneapolis ist, darf er nicht dazu genutzt werden, die Polizei pauschal zu diffamieren“, mahnte Liskow. „Unsere Polizisten halten tagtäglich ihren Kopf für uns hin, weshalb sie unsere Unterstützung benötigen.“ (dpa/se)

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