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Geologe Rolf Reinicke, zeigt ein Plakat mit Funden der Kreideküste.
  • Geologe Rolf Reinicke zeigt ein Plakat mit Funden der Kreideküste.
  • Foto: picture alliance / dpa/Stefan Sauer

Bernstein & Co.: Diese Schätze können Urlauber an Ostseestränden finden

Die Ostseeküste ist nicht nur für ihre malerischen Landschaften bekannt, sondern auch für die vielfältigen Schätze, die ihre Strände und Kliffs beherbergen. Geologen wie Rolf Reinicke dokumentieren die Faszination dieser Küstenregion. „Die Ostseeküste ist ein wahrer Schatz für Geologen und Sammler“, sagt der 1943 geborene Pensionär.

In seinem Wohnzimmer stehen viele Bücher über Geologie, verschiedene Steine schmücken die Umgebung. Schon seit Kindheitstagen ist der Landschaftsfotograf und Publizist passionierter Steinsammler und hat sein Leben den Funden der Ostsee gewidmet. „Steine haben eine gewisse Magie“, schwärmt er. Neben ihm ragen Stapel der 40 Bücher in die Höhe, die er als Autor geschrieben hat – etwa über Steine am Ostseestrand, aber auch zu Fossilien und Bernstein. Sein erstes Buch habe er vor über 40 Jahren veröffentlicht, viele davon wurden Bestseller.

Bernstein zählt zu bekanntesten Funden

Reinicke kann gar nicht mehr zählen, wie viele Steine er schon gefunden und eingeordnet hat. Unzählige spannende Schätze gebe es auf Rügen zu entdecken. Bernstein, das sogenannte „Gold des Nordens“, zähle zu den bekanntesten, aber seltenen Funden an den Stränden. Der fossile Harz, der vor etwa 40 Millionen Jahren entstand, wird durch die Erosion der Kliffs freigesetzt und an den Stränden angespült. „Der Fund eines Bernsteins ist immer ein besonderes Erlebnis“, erklärt Reinicke. „Vor allem nach Stürmen lohnt sich die Suche, da dann besonders viele Stücke an Land gespült werden.“ Die schönsten Steine seien die mit eingeschlossenen Insekten. Bernstein finde man aber nur am Sandstrand.

Viel häufiger könne man an der Ostseeküste aber Feuerstein finden. Diese oft schwarzgrauen Steine entstanden vor etwa 60 Millionen Jahren und wurden durch geologische Prozesse an die Oberfläche befördert. Ein sogenannter Hühnergott etwa – ein Feuerstein mit einem Loch in der Mitte – sei ein beliebtes Sammelobjekt. „Jeder Hühnergott hat eine andere Form, eine andere Größe und auch das Loch hat eine andere Form“, so Reinicke. 

Belemniten (Donnerkeile) und ein Kronen-Seeigel von der Kreideküste der Insel Rügen picture alliance / dpa/Stefan Sauer
Belemniten (Donnerkeile) und ein Kronen-Seeigel von der Kreideküste der Insel Rügen
Belemniten (Donnerkeile) und ein Kronen-Seeigel von der Kreideküste der Insel Rügen

Es gibt aber eine Vielzahl weiterer interessanter Steine und Fossilien – besonders am Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund. Dazu zählen unter anderem fossile Seeigel, Muscheln und Schnecken, die in den Kreidefelsen Rügens eingebettet sind. „Die Vielfalt der Funde ist beeindruckend“, sagt Reinicke. Aufgrund der Kreideabtragung wandle sich der Felsen immer weiter, sodass immer wieder Neues entdeckt werden könne. 

Reinickes ältester Fund auf Rügen? Ein etwa 500 Millionen Jahre alter Trilobit, sagt er stolz. Trilobiten sind gepanzerte, käferartige Gliederfüßer, die zu den ersten Lebewesen mit einem hartschaligen Körperbau gehören. 

Viele seiner besonderen Stücke seien nun im Meeresmuseum Stralsund und im Natureum Darßer Ort zu sehen. Dort hat der gebürtige Sachse seit 1978 bis zur Rente gearbeitet. „Ich war als Geologe eingestellt und hatte neben der Meereskunde und Fischerei auch die Geologie als Schwerpunkt.“ 

Engagement der Privatsammler wichtig für Wissenschaft

Marco Schade vom zoologischen Institut der Universität Greifswald freut sich über das Engagement von Privatsammlern. Die Wissenschaft in dem Feld sei häufig auf deren Unterstützung angewiesen, um bedeutende Funde zu bergen und zu archivieren. Denn für Ausgrabungen und Forschung fehle oft das Geld. „Wäre dieser Einsatz nicht vorhanden, würde so manches Fossil der Erosion anheimfallen“, sagt er. Auf Rügen seien in der Vergangenheit viele Teile verschiedener Tiere gefunden worden, die in der Kreidezeit im Meer gelebt hatten. Etwa Teile ausgestorbener Kopffüßer, Verwandte heutiger Kraken. Auch Wirbeltierreste seien gefunden worden – Zähne von Fischen und gigantischen Meeresreptilien, wie den Mosasauriern.

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Reinicke ist sich sicher: Jeder Stein erzählt eine Geschichte aus vergangenen Zeiten. „Die Ostseeküste ist ein lebendiges Museum.“ Mit seiner Arbeit und seinen ausgestellten Steinen möchte er dazu beitragen, das Bewusstsein für die geologischen Schätze der Region zu schärfen und deren Bedeutung für die Wissenschaft zu zeigen. „Auch im Geröll kann man Schätze finden“, sagt er. Steine verkauft habe er nie, nur getauscht. Den Wert eines Steins zu bemessen sei schwierig.

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