• Hausärzte in Hamburg bekommen den Ärger der Patienten ab (Symbolbild).
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Zu wenig Impfstoff: Patienten beschimpfen Hamburger Hausärzte

Hamburgs Impf-Turbo macht schlapp – es gibt zu wenig Vakzin. Nach dem Impfzentrum und Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) melden sich nun auch die Hausärzte besorgt zu Wort. Einige werden von frustrierten Patienten beschimpft, die noch schnell vor dem Urlaub ihren Corona-Schutz haben wollen.

„Wir bekommen wenig bis gar keinen Impfstoff für Erstimpfungen“, sagte die Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg, Jana Husemann. „Es gibt auch Praxen, die nicht einmal ausreichend Impfstoff für die anstehenden Zweitimpfungen bekommen haben.“

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Dr. Jana Husemann, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hamburg

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Gleichzeitig werde vom Bund eine Erwartungshaltung geschürt, „dass alle bald ein Impfangebot bekommen, was mit dieser geringen Menge an Impfstoff momentan sicher nicht eingehalten werden kann“, sagte Husemann. Zudem werde der Druck durch Urlaubsplanungen und die Wiedererlangung von Grundrechten für Geimpfte erhöht, was sich auch bei den Anfragen der Impfwilligen zeige, die „bestimmter“ würden.

Hamburger Hausärzte: Zu wenig Vakzin für Zweitimpfungen

Die Patienten „machen schon sehr deutlich, dass sie jetzt sehr bald geimpft werden wollen“, sagte die Ärztin. „Beschimpfungen sind zum Glück noch Einzelfälle, kommen aber leider auch vor.“ Dies alles bedeute eine immense Belastung der Praxisteams.

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Solche Erfahrungen macht auch Dr. Bastian Steinberg immer häufiger. „Viele Patienten werden fordernder“, berichtet der Allgemeinmediziner aus Rahlstedt im Gespräch mit der MOPO. „Manche haben die Aufhebung der Impfpriorität so verstanden, dass nun jeder sofort ein Anrecht auf eine Impfung hat.“  

Impfdrängler bezeichnet Hamburger Arzt als „menschenverachtend“ 

Manche fordern auch einen bestimmten Impfstoff und machen Druck, um noch vor dem Urlaub den vollen Schutz zu bekommen – „so nach dem Motto: Wenn ich jetzt noch schnell mit dem richtigen Vakzin geimpft werde, dann bekomme ich noch vor den Ferien die zweite Spritze und bin durch mit dem Thema“, sagt Steinberg.  

Viele hielten die notwendigen Fristen zwischen der ersten und der zweiten Spritze für willkürlich oder würden den Verdacht äußern, der Arzt würde seine Lieblings-Patienten bevorzugen. „Wir wurden auch schon als ,diskriminierend‘ und ,menschenverachtend‘ bezeichnet“, sagt Steinberg. 

Hamburger Impfzentrum: Keine neuen Erstimpfungen mehr

Zwar seien solche Ausfälle selten, sagt der Mediziner. Aber zehn bis 15 Prozent der Impfwilligen, schätzt er, würden mit Unverständnis darauf reagieren, dass sie auf ihre Spritze noch warten müssten: „Und es werden mehr.“

Auch im Zentralen Impfzentrum werden mit den verfügbaren Vakzinen inzwischen zum Großteil anstehende Zweitimpfungen bedient. Am Montag waren es nach Angaben der Gesundheitsbehörde 6415, dem standen nur 1072 Erstimpfungen entgegen.

Rund 55.000 Impfdosen seien in dieser Woche nach Hamburg gekommen, sagte Behördensprecher Martin Helfrich. Bis Ende Juni werde sich an der wöchentlichen Liefermenge im Großen und Ganzen nicht viel ändern.

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„Was zusätzlich für Unmut sorgt ist, dass die Impfung von Kindern und Jugendlichen schon fest eingeplant ist, obwohl es noch nicht einmal eine Zulassung beziehungsweise Einschätzung der (Europäischen Arzneimittelbehörde) EMA und (Ständigen Impfkommission) Stiko dazu gibt“, sagt Husemann.

Die dafür nötigen Impfstoffdosen würden inzwischen schon angespart und aus dem Impfstoffkontingent der Hausarztpraxen abgezogen. „Dies führt zu einer weiteren Verschärfung und Mangelverwaltung.“ (tst/dpa)

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