Inge Hannemann spricht 2017 auf der Landesvertreterversammlung der Partei die Linke in Hamburg (Archivbild).
  • Inge Hannemann spricht 2017 auf der Landesvertreterversammlung der Partei die Linke in Hamburg (Archivbild).
  • Foto: Markus Scholz

Zu viele Gender- und Rassismus-Themen: Hartz-IV-Kritikerin verlässt die Linkspartei

Als „Hartz-IV-Rebellin“ wurde Inge Hannemann (52) deutschlandweit bekannt. Die ehemalige Mitarbeiterin des Jobcenters Altona hatte sich geweigert, Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose zu verhängen. Später engagierte sie sich auch politisch gegen das „System Hartz IV“ und zog für die Linkspartei in die Bürgerschaft ein. Doch jetzt verlässt sie die Linke, denn das Thema spiele für die Partei keine große Rolle mehr.

Im Interview mit der „taz“ sagt Inge Hannemann zu den Gründen: „Mein Eindruck ist, dass die Partei das Thema (Hartz IV Anm. d. Red.) nicht mehr wirklich anfassen will. Man hat eine Reihe von Themen wie Anti-Rassismus-Arbeit, Gender oder Mieten groß gespielt.“ Diese Themen seien laut Hannemann ebenso wichtig, dürften aber nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Hartz-IV-Rebellin Hannemann verlässt die Linke

Hartz IV und Menschen, die aus verschiedenen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stünden, würden „leider keine zentrale Rolle“ mehr spielen. „Und ich denke, das ist auch so gewollt“, so Hannemann zur „taz“.

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Ihrer Ansicht nach wolle die Nachfolgerin der scheidenden Parteichefin Katja Kipping, Susanne Henning-Wellsow, ein „Rot-Rot-Grün um jeden Preis“. So einige sich die Linke lieber auf „schlechte Kompromisse“, um einen Streit mit der SPD zu vermeiden. Erwerbslose würden die Linke inzwischen mit Skepsis betrachten und sie weniger wählen, dies sei ein „Alarmsignal“.

Inge Hannemann: Ihr Kampf gegen das „System Hartz IV“

Der Kampf von Inge Hannemann gegen das „System Hartz IV“, dass sie damals als „menschenunwürdig“ beschrieb, begann 2013. Sie wurde suspendiert, nachdem sie sich als Jobcenter-Mitarbeiterin geweigert hatte, Langzeitarbeitslose finanziell zu sanktionieren.

Hannemann kämpfte um ihren Job, es folgte ein Arbeitsgerichtsverfahren. Schließlich wurde sie in die Sozialbehörde versetzt. 2015 zog sie für die Linken in die Bürgerschaft ein, wollte etwas verändern. 2017 musste Inge Hannemann ihr Mandat aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. (mp)

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