Klaus Stöhr in einem Fernsehstudio
Klaus Stöhr in einem Fernsehstudio
  • Klaus Stöhr ist Epidemiologe und war lange Zeit bei der Weltgesundheitsorganisation tätig.
  • Foto: imago images/teutopress

Zu kritisch?: Corona-Gipfel: Kanzleramt schließt Tschentschers Wunsch-Experten aus

Vor dem Corona-Gipfel hat am Montagabend eine Expertenrunde die Kanzlerin und Minister zur Corona-Lage beraten. Im Vorfeld konnten die Länderchefs Experten vorschlagen – über die Einladungen entschied am Ende das Kanzleramt. Auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) brachte zwei Experten ins Gespräch. Nur warum wurde am Ende lediglich einer von ihnen eingeladen?

Tschentscher sprach sich für den Epidemiologen Gérard Krause vom Helmholtz-Institut und den Epidemiologen Klaus Stöhr, ehemaliger SARS-Forschungskoordinator der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus. Der Hamburger Bürgermeister habe damit die Bandbreite der wissenschaftlichen Expertise erweitern wollen, heißt es aus dem Senat. 

Beide Experten stehen einigen Maßnahmen der Regierung kritisch gegenüber und fordern ein gezielteres Vorgehen. Eingeladen wurde am Ende nur Krause. Er kritisierte früh den festgelegten Schwellenwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Krause plädierte dafür, auch andere Indikatoren wie die Altersverteilung der Infizierten in die Bewertung der Lage einzubeziehen.

Ehemaliger WHO-Experte Klaus Stöhr nicht eingeladen

Experte Klaus Stöhr wurde nicht vom Kanzleramt eingeladen. Er sieht einen scharfen Lockdown sehr kritisch. Man müsse versuchen, ohne Extrem-Maßnahmen durch den Winter zu kommen, auf einem Niveau, dass für Wirtschaft, Gesundheit und freiheitliche Rechte vertretbar sei, so Stöhr im „Deutschlandfunk“. 

„Mit stärkeren Maßnahmen kann man Verhaltensänderungen herbeiführen, aber Einstellungsveränderungen – dafür braucht man eine Strategie, die die Köpfe der Menschen mitnimmt“, sagte Stöhr dem Sender. Dafür sei es wichtig auch andere Wissenschaftsdisziplinen wie Soziologen und Psychologen einzubinden. Eine Inzidenz von 50 oder darunter halte er im Winter für illusorisch, so Stöhr zur „Bild“. 

Das war die Expertenrunde vor dem Corona-Gipfel

Tschentscher war übrigens nicht der einzige SPD-Landeschef, der sich für Stöhr aussprach. Warum er letztendlich nicht eingeladen wurde, wisse der Hamburger Senat nicht.

Allerdings sieht es so aus als hätten vor allem Wissenschaftler einen Platz in der Expertenrunde erhalten, die den Kurs der Bundesregierung in Richtung eines härteren Lockdowns befürworten. Mit dabei waren am Ende diese acht Experten:  RKI-Chef Lothar Wieler, Charité-Chefvirologe Christian Drosten, Virologin Melanie Brinkmann, Epidemiologe Gérard Krause, Physiker Michael Meyer-Hermann, Psychologin Cornelia Betsch, Biochemiker Rolf Apweiler und Physiker Kai Nagel. (abu)

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