Der Ravensburger Verlag hat die Begleitbücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ aus dem Programm genommen.
  • Der Ravensburger Verlag hat die Begleitbücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ aus dem Programm genommen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Leonine

Hamburger Forscher: „Winnetou-Bücher zutiefst rassistisch“

Karl Mays „Winnetou“-Geschichten sind im Kern rassistisch – so sieht das Prof. Dr. Jürgen Zimmerer von der Universität Hamburg. Nachdem der Ravensburger-Verlag erst diese Woche nach massiver Kritik zwei Kinder- und Jugendbücher zurückzog, klärt der Geschichtsforscher zu den Hintergründen auf.

So würden Karl Mays Werke auf einer rassistischen und kolonialen Sichtweise basieren, die nicht so einfach geändert werden könnte: „Da gibt es ja immer die Debatten, ob man bei Pippi Langstrumpf ein Wort ändern kann. Das geht, dann funktioniert die Geschichte immer noch, aber im Kern der Wildwest- und Orientgeschichten von Karl May ist genau die weiße, deutsche Überlegenheit enthalten. Das kann man nicht adaptieren“, erklärt Jürgen Zimmerer im Bayerischen Rundfunk.

Hamburger Forscher klärt zu Kolonialismus in „Winnetou“-Büchern auf

Der 57 Jahre alte Geschichtswissenschaftler befasst sich an der Universität Hamburg mit globaler Geschichte und setzt sich intensiv mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinander. Er erklärt, dass Karl May mit den Geschichten, die ab etwa 1875 veröffentlicht wurden, ziemlich genau die Erwartungen der damaligen Gesellschaft traf. Beeinflusst habe er dann im 20. Jahrhundert damit die politische Rechte, auch weil „seine Geschichten zutiefst kolonial und rassistisch sind“, wie Zimmerer im „BR“ sagt.

Kolonialismusforscher Jürgen Zimmerer
Der Kolonialismusforscher Jürgen Zimmerer

„Es ist kein Zufall, dass Adolf Hitler und SS-Chef Himmler große Karl-May-Fans waren. Teile ihrer Ostbesatzungspolitik, die Vorstellung, wie dort deutsche Kolonialist*innen angesiedelt werden, orientiert sich an Vorstellungen von der ‚Eroberung des Wilden Westens‘, wie sie sie aus den Büchern Karl Mays entnommen haben.“ Dabei gehe es immer um die Vorstellung einer Landbesiedelung, während die dort wohnenden Menschen einfach verschwinden würden.

Jürgen Zimmerer hat sich auch an der Winnetou-Debatte in den sozialen Netzwerken aktiv beteiligt.

Verbieten würde Zimmerer die Bücher jedoch nicht. Lehrkräfte sollten sogar eher im Unterricht Passagen lesen und diese diskutieren. „Aber als Jugendbuch taugen die Geschichten nicht, das ist problematisch und geht nicht“, ergänzt der Geschichtsforscher.

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Er wundere sich darüber, dass Verlage und die Filmindustrie immer wieder alte Geschichten auflegten, anstatt sie an die moderne Zeit anzupassen: „Die Geschichte von Freundschaften über kulturelle Grenzen hinweg, das ist ja lohnend. Aber da braucht man keine stereotype Darstellung. Das könnte man ja aktualisieren. Die Geschichte zwischen einem Weißen, der ins Land kommt und jemandem, der dort geboren ist, hätte man doch nach Afghanistan verlegen können.“ (to)

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