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Zermürbung und Überdruss?: Was wirklich gegen den Corona-Blues hilft

Schluss mit Lockdown light, es wird wieder ernst, das öffentliche Leben wird heruntergefahren, Weihnachten hin oder her. Und nun? Erschöpfung, Zermürbung, Überdruss – nicht mal das norddeutsche „Nützt ja nix“ kann uns vollständig vor diesen Gemütszuständen bewahren. Es gibt aber doch ein paar Tipps, die nützlich sein können, wenn der Corona-Blues zuzuschlagen droht.

Corona: Finger weg vom Lockdown-Snack!

Lockdwon macht dick – das ist leider erwiesen. Wissenschaftler der TU München und der medizinischen Fakultät der Uni München haben im September 2020 1000 Menschen zu ihrem Ernährungsverhalten während der Corona-Pandemie befragt. Ergebnis: Mehr als ein Viertel der Erwachsenen haben Gewicht zugelegt. Besonders besorgniserregend: Fast jeder dritte Junge unter den Zehn- bis Zwölfjährigen hat während des Lockdowns zugenommen.

Zermürbung und Überdruss?: Was gegen den Corona-Blues hilft

Doch wie können wir es schaffen, die Finger von Naschkram und Pausensnack zu lassen? Coach Christoph Lauterbach (elbe-coaching-hamburg.de) rät von allzugroßer Strenge ab: „Man darf sich ruhig was gönnen, sollte aber auf den Ausgleich achten. Also: Schokolade ja, und dann raus zum Spaziergang.“

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Lecker! Aber leider macht die Adventszeit im Coronajahr noch moppeliger als sonst.

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dpa

Darüber hinaus gilt: Nicht nur Fertiggerichte auf den Tisch bringen, sich nur maßvoll mit Süßigkeiten trösten (Mandarinen und Nüsse sind auch lecker) und: Kochen sollte kein zusätzlicher Stress werden. „Als wichtigste Zutat für alle Rezepte empfehle ich Gelassenheit“, sagt Dr. Kiran Virmani, Geschäftsführerin der deutschen Gesellschaft für Ernährung: „Jeden Tag eine warme Mahlzeit ist zwar wünschenswert, aber nicht zwingend nötig, um sich ausgewogen zu ernähren.“ 

Corona: Alkohol ist auch in der Pandemie leider keine Lösung

Die Pandemie, auch das ist leider erwiesen, entpuppt sich zunehmend zum Suchttreiber: Bei einer repräsentative Online-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) unter 1.005 Menschen im Alter zwischen 16 und 69 Jahren gab jeder Vierte an, seit Beginn der Pandemie im März öfter zum Glas zu greifen, teils aus Langeweile, teils, um sich von Sorgen abzulenken. 

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Auch die sinkende soziale Kontrolle im Homeoffice lässt manchen öfter zum Glas greifen.

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picture alliance / Frank May

„Während eines Lockdowns fallen viele Gründe weg, nicht zu trinken“, sagte Peter Strate, Chefarzt der Asklepios Klinik Nord für Abhängigkeitserkrankungen in Ochsenzoll, zuletzt gegenüber der „Welt“. Wer nicht zu einer bestimmten Zeit im Büro erscheinen und einen fitten Eindruck machen müsse, schenke sich am Vorabend gern noch mal nach. Kurzum: Es fehlt die soziale Kontrolle.

Corona und Alkohol

Was also tun? Man muss sich nicht streng jedes Glas Wein verkneifen, aber kurz mal fragen, warum man gerade (schon wieder) Lust auf Alkohol hat, sollte drin sein. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat einen Fragenkatalog zusammengestellt, der Aufschluss darüber geben soll, ob das eigene Trinkverhalten schon gefährlich ist: Kreisen Ihre Gedanken häufig um Alkohol? Trinken Sie öfters, um Sorgen und Probleme zu vergessen? Leiden Sie unter Einschlafstörungen, wenn Sie nichts getrunken haben? (Alle Fragen gibt es hier: www.kenn-dein-limit.de). Werden zu viele Fragen mit ja beantwortet, heißt es: Hilfe holen bei der Suchtberatung der BZgA: Tel (01805 313031).

Alkohol in der Pandemie

Die Experten geben dabei auch gleich noch vier einfache Tipps, um der Alkohol-Falle zu entgehen: 1. Soziale Kontakte pflegen – auch übers Telefon. 2. Frische Luft! 3. Dinge tun, die Spaß machen und nicht high machen – und wenn es das Puzzle ist oder die Strickliesl. 4. Den Tag strukturieren. Zum Beispiel hilft es, morgens den Arbeitsweg mit einem kleinen Spaziergang um den Block zu simulieren.

Bewegung im Lockdown

Kein Weg zur U-Bahn, kein Treppensteigen im Bürogebäude, Fitness-Center dicht: Wegen der fehlenden Bewegung verbrennt ein Erwachsener derzeit im Durchschnitt bis zu 400 Kilokalorien weniger am Tag, zitiert die „Tagesschau“ die Ernährungswissenschaftlerin Jennifer Aubert. Da hilft nur: Runter von der Couch.

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Turnen im Wohnzimmer: Viele Sportvereine und Fitness-Center bieten Übungsvideos für Zuhause an.

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picture alliance/dpa

Viele Hamburger Sportvereine bieten ihren Mitgliedern Sportvideos an. Der Eimsbütteler Turnverband (ETV) etwa bietet live übertragene Kurse an: „Viele Menschen motivieren sich leichter, wenn sie einen festen Termin haben“, sagt Pressesprecherin Friederike van der Laan. Neumitglieder können für zehn Euro im Monat alle Videos nutzen. 

Corona: So bleibt man in Bewegung

Der AMTV aus Rahlstedt stellt seine Mediathek mit Sportvideos gar allen Interessierten gratis zur Verfügung: „Die Nachfrage ist enorm“, sagt Geschäftsführer Marcus Egin. 

Übungen, die auch im Homeoffice funktionieren:

Schulterkreisen, Schulterblätter zueinander ziehen (im Stehen oder in Bauchlage), im Vierfüßlerstand abwechselnd Katzenbuckel und Hohlkreuz machen, Plank (Unterarmstütz).

Psychische Belastungen im Lockdown

Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse belastet 80 Prozent der Befragten der fehlende Kontakt zu Familie und Freunden. Am zweithäufigsten wurde als Belastungsfaktor die Angst vor einer Corona-Erkrankung der Angehörigen genannt (57 Prozent), ebenso die Angst vor einem Zusammenbruch der Wirtschaft (50 Prozent). 22 Prozent leiden unter Einsamkeit und Langeweile.

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Business-Coach Christoph Lauterbach

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hfr

Was hilft? Coach Christoph Lauterbach: „Ganz wichtig: Es ist okay, auch mal schlecht drauf zu sein. Das ist eine normale Reaktion auf eine Krise.“

Seine Tipps gegen Lockdown-Frust:

1. Sich fragen: Was ist gut an dieser Situation? Durch die Pandemie muss an diesem Weihnachten niemand ein perfekter Gastgeber sein. Es entfallen lange Fahrten quer durchs Land, diese verordnete Situation kann man bei allem Bedauern auch als Entlastung empfinden.

2. Rituale schaffen: Der halbstündige Spaziergang, die zwei Folgen jeden Abend von der Lieblingsserie, egal, solange es gut tut.

3. Sich morgens schon eine Kleinigkeit überlegen, auf die man sich freut. Und wenn es die Kaffeepause per Video mit der Kollegin ist.

4. Die „kleinen Werftarbeiter im Kopf“ mit Arbeit versorgen: Schach lernen, oder Gitarre, oder mal ein Buch lesen über ein Thema, mit dem man sich noch befasst hat – Hauptsache: die Eintönigkeit durchbrechen.

5. Listen machen und abhaken (und wenn man nur sein Auto ausgesaugt hat), um sich vor Augen zu führen, was man alles schafft.

6. In der Familie: Sich und anderen ohne Groll Auszeiten genehmigen, und wenn man sich nur mal eine halbe Stunde mit Kopfhörern aufs Bett legt.

7. Gezielt Kontakte einplanen, sich zum telefonieren oder Skypen verabreden.

8. Nicht vergessen: Auch mal Dinge stoisch hinnehmen. Gilt auch für Macken der Familienmitglieder, es ist gerade für niemanden leicht. 

Zwei Ergänzende Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

9. Sich bewusst informieren. Wenn man die ständigen Corona-Meldungen als belastend empfindet, feste Zeiten einplanen und ansonsten „abschalten“.

9. Sich Hilfe von außen holen, wenn man sie braucht. Die Telefonseelsorge etwa ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar: 08001110111 oder 08001110222.

Corona: So kommen Kinder durch die Krise

26 Tage ohne Schule, ohne Sportverein, ohne Reise zu Oma und Opa und ohne Verabredungen – für Kinder ist der Lockdown eine harte Zeit. Tipps, um die Wohnung zum Abenteuerspielplatz zu machen:

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Dem Virus die Vampirzähne zeigen: Verkleiden vertreibt die Zeit im Lockdown.

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picture alliance / Susann Prautsch/dpa

1. Höhlen bauen und festlich beleuchten (die Lichterketten hängen ja eh gerade)

2. Verkleiden. Wer sich an seine Kindheit erinnert weiß: Der Kleiderschrank von Mama und Papa ist ein super Fundus. Ein Umhang aus einem Bettbezug, ein Strohhut aus dem letzten Urlaub, fertig ist die feine Dame.

3. Sich ein Theaterstück ausdenken (wahlweise einen Film mit Tablet oder Handy drehen)

4. Der Deutsche Fußballbund bietet kleine Videos mit Übungen für Kinder, die auch zuhause durchgeführt werden können.

Das Bundesfamilienministerium unterstützt das Elterntelefon, das sich an Müttern und Vätern konkrete Tipps gibt: 0800 111 0550, zu erreichen montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr und dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr. 

  

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