Schülerprotest in Schulbehörde
  • Mit Plakaten setzen die Schülerinnen und Schüler sich für die Familie Nimonaj-Stefan ein.
  • Foto: bsb

Emotional: Hamburger Schüler kämpfen für Mutter und fünf Kinder

Mit flammenden Appellen an die Politik kämpfen Schülerinnen und Schüler dreier Wilhelmsburger Schulen für die Familie Nimonaj-Stefan: Fünf Kinder unter 14 Jahren sollen zusammen mit ihrer Mutter in den Kosovo abgeschoben werden. Ein Video verbreitet sich in den sozialen Medien und ruft viele Unterstützer auf den Plan. Am Dienstag wurden in der Schulbehörde rund 3700 Unterschriften überreicht.

Es ist ein emotionales Video, das Schüler und Lehrkräfte ins Netz gestellt haben und das sich rasend schnell in den sozialen Medien verbreitet. Nach wenigen Tagen hat der Film bereits fast 10.500 Aufrufe (Stand Dienstagnachmittag). Inhalt: Lehrerinnen schildern die Wissbegier und das Engagement der Kinder, die alle in Deutschland geboren sind.

Screenshot aus dem Video
Für das Video halten Schüler Plakate in die Höhe.

Die drei älteren Kinder besuchen die Nelson-Mandela-Schule, die Elbinsel-Schule und das Helmut-Schmidt-Gymnasium, die beiden jüngsten sind im Kita-Alter. „Wir geben euch nicht her“, steht auf Schildern, die ihre Mitschüler in dem Video hochhalten. Auch in die Schulbehörde haben die Jugendlichen die Plakate mitgenommen: „Ihr gehört zu uns!“, steht auf einem.

Wilhelmsburger Schüler kämpfen für Familie Nimonaj

Den dicken Packen mit Unterschriftenlisten nahm Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack stellvertretend für Schulsenator Ties Rabe (SPD) entgegen. „Schulsenator Rabe setzt sich sehr gerne für von Abschiebung bedrohte Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien ein, wenn diese hier gut integriert sind und Hamburg faktisch ihre Heimat – und oft einzige Heimat– ist“, heißt es aus der Schulbehörde, um gleich darauf hinzuweisen, dass das letzte Wort die Härtefallkommission hat.

Unterschriften Schulbehörde
Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack nimmt die Unterschriftenlisten in der Schulbehörde entgegen.

Nachdem in mehreren Gerichtsverfahren festgestellt wurde, dass es keine Bleibemöglichkeit für die Mutter und ihre fünf Kinder gibt, ist diese Kommission die letzte Hoffnung. Hier prüfen Vertreter aller Fraktionen, ob es jenseits der juristischen Entscheidungen Gründe gibt, die eine Abschiebung ausnahmsweise verhindern. Geschaut wird etwa, ob Eltern eine berufliche Perspektive in Deutschland haben.


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Gute Schulleistungen jüngerer Kinder reichen zumeist nicht aus, um eine Familie vor der Abschiebung zu bewahren. Erst ab 14 Jahren und mit sechs Jahren Schulbesuch in Deutschland, können gute Noten mit einem eigenen Aufenthaltsrecht zu Ausbildungszwecken belohnt werden, das dann bis zur Volljährigkeit des Kindes auch für die Eltern gilt.

Unterschriftenlisten für Mutter und fünf Kinder

Der Fall der Familie Nimonaj-Stefan beschäftigt die Politik bereits seit August 2020, als kurz nach Ablehnung der Aufenthaltserlaubnis durch das Bezirksamt eine Eingabe beim Eingabenausschuss der Bürgerschaft eingereicht wurde. Dieser hat die Sache geprüft und an die Härtefallkommission weitergereicht – eine Hürde, die beileibe nicht jeder eingereichte Fall nimmt.

Immerhin: Aus der Schulbehörde wird Wohlwollen für das Anliegen der Wilhelmsburger Kinder und Lehrkräfte signalisiert. „Die Schulbehörde wird die Petition und die Unterschriften umgehend der Härtefallkommission übermitteln, in der Hoffnung dass diese Voten dort entsprechend in die Entscheidung einbezogen werden“, heißt es gegenüber der MOPO. Bis zu einer endgültigen Entscheidung der Kommission kann die Familie nicht abgeschoben werden.

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