Erzieherin Meike Rottstedt hat sich mit einem Brandbrief an die Hamburger Sozialbehörde gewandt. 
  • Erzieherin Meike Rottstedt hat sich mit einem Brandbrief an die Hamburger Sozialbehörde gewandt. 
  • Foto: Patrick Sun

„Wie können wir uns schützen?“: Hamburger Erzieherin schreibt Corona-Brandbrief

Strikte Maßnahmen sollen dafür sorgen, die Corona-Infektionszahlen endlich in den Griff zu bekommen. Doch eine Gruppe fühlt sich dabei außen vor gelassen: die Kita-Angestellten. Während überall umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen werden, gehen Erzieherinnen mit Sorgen und Ängsten an ihren Arbeitsplatz. Braucht es auch in öffentlichen Betreuungsstätten striktere Vorgaben? Viele Kitas finden: ja. Eine Hamburger Erzieherin hat sich nun mit einem Brandbrief an Hamburgs Sozialbehörde gewandt. 

In Hamburg gilt der Appell, dass Kinder möglichst nicht in die Kita geschickt werden sollen – Vorgaben hat der Senat aber nicht erlassen. Lediglich die Betreuungszeit wurde auf 8 bis 15 Uhr verkürzt. „Wir haben ein sehr unterschiedliches Bild über die Stadtteile verteilt“, sagte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) im Interview mit NDR Info. Bei der Mehrheit der Hamburger Kitas würden weniger als 40 Prozent der Kinder betreut. An einigen nicht erwarteten „Schwerpunkten“ seien es aber mehr – hier sollen Gespräche mit Kita-Trägern helfen. 

Hamburger Erzieherin schreibt Corona-Brandbrief 

All das hilft den Beschäftigten in den Kitas allerdings wenig. In einem Brandbrief schreibt die Erzieherin Meike Rottstedt aus Hamburg: „Viele Menschen sind im Home-Office, hinter Plexiglasscheiben, durch Schließungen und die geltende Maskenpflicht vor dem Coronavirus geschützt. Doch wir Erzieherinnen sind das nicht.“ Sie sei in ihrer Kita täglich mit 35 verschiedenen Haushalten unter einem Dach – ohne Maskenpflicht und ohne Plexiglas, denn die Kinder brauchen den Körperkontakt. „Wir Erzieherinnen arbeiten weiter wie immer, wie vor Corona – nur mit Ängsten und Sorgen.“

Doch Meike Rottstedt ist nicht nur Erzieherin – sondern auch Mutter von zwei Grundschulkindern. „Ich lasse meine Kinder zuhause, so wie es gewünscht ist. Doch da sitze ich nun in der Kita, während meine Kinder zuhause alleine sind und betreue Kinder, die alle ein Recht auf Betreuung haben“, heißt es weiter. Dabei werde nicht unterschieden, ob Eltern in wichtigen Bereichen arbeiten oder zuhause sind und nicht arbeiten müssen. 

Hamburgs Kitas fordern Corona-Schutzmaßnahmen

Die Hamburgerin kritisiert in ihrem Brandbrief auch, dass zwischen Schulen, in denen es nur noch Notbetreuung gibt, und Kitas ein Unterschied gemacht wird. „Auch kleine Kinder übertragen das Virus. Das wissen wir doch mittlerweile“, schreibt Rottstedt. Als Kita-Leiterin würde sie ihrem Team, das sich jeden Tag in Gefahr begebe, gerne ihre Sorgen nehmen. „Aber ich kann es nicht, denn ich selber stelle mir täglich diese Fragen: Was kann man tun? Wie können wir uns schützen? Was ist denn eigentlich mit uns?“

Mit ihren Gedanken ist Erzieherin Meike Rottstedt nicht allein. Auch der Alternative Wohlfahrtsverband SOAL e.V. wendet sich in einem Offenen Brief an den Senat. Die jetzigen Regelungen zur Eindämmung der Pandemie würden nicht ausreichen – in den Kitas seien einfach zu viele Kinder. „Hier braucht es wirksame Schutzmaßnahmen“, heißt es. 

Bei Lockdown-Verlängerung: Gibt es bald den Kita-Notbetrieb?

Mehr als 80 Einrichtungen haben die Forderungen des Vereins unterschrieben. Dazu zählen unter anderem regelmäßige Testmöglichkeiten für Erzieherinnen und Kinder, die Aufhebung der Kontaktbeschränkungen für Kinder sowie Kitapausen für Kinder mit Krankheitssymptomen oder Verdachtsfällen im eigenen Haushalt.

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Laut Leonard sei es schwierig irgendwo eine Grenze zu ziehen, wer sein Kind in die Kita bringen kann und wer nicht. Bei der Kitabetreuung gehe es schließlich darum, den Eltern Möglichkeiten zu eröffnen, die zurzeit stark belastet sind. Falls die Lockdown-Maßnahmen verlängert werden, könne es allerdings in Hamburgs Kitas dazu kommen, „dass wir in einen Notbetrieb gehen müssen“, so Leonard. Eine MOPO-Anfrage an die Hamburger Sozialbehörde blieb bis Freitagabend unbeantwortet.

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