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Wichtiger Schritt in Hamburger Corona-Forschung: UKE-Forscher: Covid-19 ähnelt Malaria

Überall auf der Welt erforschen Wissenschaftler das Coronavirus, auch am UKE in Hamburg. Julian Schulze zu Wiesch und sein Team fanden nun heraus, dass Corona Ähnlichkeiten mit Malaria aufweist. Der Arzt erzählt, wie es zu der Entdeckung kam, was bei einer Infektion im Körper passiert und ob das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin nicht doch zur Behandlung von Covid-19 infrage kommt.

Der Infektiologe und Virushepatologe berichtet, dass zeitgleich mit dem Ausbruch von Covid-19  junge Hamburger Doktoranden an der Immunreaktion des Körpers auf den Malariaerreger forschten. „Zu dem Zeitpunkt wusste keiner, wie die Immunität bei Covid-19 aussieht“, sagt der Arzt.

Schulze zur Wiesch und sein Team vermuteten, dass die T-Zellen, die der Immunabwehr dienen und sonst Infektionen bekämpfen, bei Covid-19 – anders als bei Malaria – nicht wie gewohnt funktionieren und zu einer Überreaktion des Immunsystems führen. Um das zu verstehen, muss man etwas in die Welt der Moleküle eintauchen.

Wichtige Erkenntnisse über Corona aus, dem UKE

Der Kampf der Zellen gegen das Virus liest sich wie ein Schachzug aus „Die Kunst des Krieges“, es sind jedoch übliche Prozesse in unseren Körpern.

Wenn der Covid-19-Erreger in den Körper gelangt, beginnt die Kriegsführung und das Immunsystem fährt alle Geschütze auf, um den Erreger loszuwerden. „Der Körper setzt entzündungsfördernde Moleküle frei – wobei eine Entzündung etwas Gutes ist!“, so Schulze zur Wiesch. Die Moleküle helfen den Abwehrzellen, wie den T-Zellen, Entzündungsstoffe, die Zytokine, auszusenden. „Sie sind der Alarm für alle anderen Zellen“, erläutert der Forscher.

Die T-Zellen gehen ihrer Arbeit nach und regulieren sich mit der Zeit herunter, wie bei einer Malaria-Erkrankung. So signalisieren sie den Zytokinen, dass sie nicht mehr Alarm schlagen müssen und die Entzündung abflachen kann. Genau das tun die T-Zellen auch bei Corona, dennoch kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems. Die Zytokine schlagen immer wieder Alarm und die vorerst kontrollierte Entzündung gerät außer Kontrolle – ein Zytokinen-Sturm entsteht. Hohes Fieber, Atemnot und Lungenentzündungen, die sogar zum Tode führen können, sind die Folge.

Gegenmittelsuche: Hamburger Forscher geben nicht auf

Die T-Zellen machen also genau das, was sie tun sollen – warum kommt es also dennoch zu so einem Zytokinen-Sturm?

Der Arzt und Forscher möchte genau das gemeinsam mit seinem Team herausfinden. „Die T-Zellen können wir ausschließen, nun forschen wir nach anderen Ursachen“. Er betont, dass Forschung auch nach dem Ausschlussprinzip funktioniert, denn so kommt man Schritt für Schritt der Entwicklung eines Gegenmittels näher. Sie nehmen sich jetzt die nächsten Zellen vor und forschen so lange weiter, bis sie die Ursache finden.

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Die Doktorandinnen Sophia Schulte (l.) und Marissa Herrmann (r.)

Foto:

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Auch wenn die Immunität wie bei Malaria abläuft, ist das von Donald Trump angepriesene Malaria-Medikament Hydroxychloroquin jedoch nicht geeignet, sogar gefährlich. „Dieses Medikament wirkt nicht auf das Immunsystem, sondern gegen die Parasiten, die von Stechmücken ins Blut übertragen werden – Covid-19 ist jedoch keine parasitäre Infektion“, Schulze zur Wiesch merkt zudem an, dass das Medikament starke Nebenwirkungen hat. Erkrankten drohen nicht nur Übelkeit, sondern auch Herzrhythmusstörungen – fatal, wenn der Körper bereits stark angeschlagen ist.

Corona-Leugner spielen mit den Leben von Menschen

Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, etwa Cortison, funktionieren für einige Patienten gut, bei anderen hingegen weniger. Schulze zur Wiesch ist es wichtig, dass kontrollierte Studien durchgeführt werden, bevor Medikamente als Heilmittel deklariert werden.  Für den Arzt und Forscher ist das, was in Amerika mit Hydroxychloroquin praktiziert wird, nichts anderes als Russisches Roulette.

Deswegen appelliert der Arzt an die Menschen: „Es wäre schön, wenn die Corona-Leugner mit ihren Herzen denken würden und sich an Hygienemaßnahmen hielten. Ich behandle Corona-Erkrankte und das, was ich da gesehen habe, wünsche ich niemandem!“

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