Frachter von Hapag Llloyd
  • Reibach: Hamburg könnte seine Hapag Lloyd-Aktien derzeit mit Milliardengewinn verkaufen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Daniel Reinhardt

Warum verkauft die Stadt ihre Hapag-Lloyd-Aktien nicht?

Hapag-Lloyd mit Rückenwind an der Börse: Seit die Stadt im Jahr 2009 bei der Reederei eingestiegen ist, haben die Aktien um 3,5 Milliarden Euro an Wert zugelegt, wie das „Abendblatt“ berichtet. Erste Stimmen von FDP und CDU fordern nun, die Anteile zu verkaufen und den märchenhaften Gewinn für den Haushalt der Stadt einzustreichen. Aber: Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) schüttelt den Kopf.

Hapag-Lloyd zählt mit mehr als 250 Schiffen, die rund 1,8 Millionen Standardcontainer transportieren können, zu den weltweit wichtigsten Containerreedereien. Insgesamt hat die Reederei rund 2,8 Millionen der typisch orangefarbenen Container im Bestand, 1700 Jobs hängen an dem Standort Hamburg, dem Unternehmen geht es glänzend – das war nicht immer so. Im Jahr 2009 lag die Schifffahrtsbranche am Boden, es waren immer weniger Container auf den Weltmeeren unterwegs, die Frachtraten waren im Sinkflug. Hapag-Lloyd drohte der Verkauf an ausländische Investoren. Die Stadt, damals CDU-geführt unter Bürgermeister Ole von Beust, eilte zur Rettung und erwarb zusammen mit einem Konsortium Anteile an dem Hamburger Traditionsunternehmen. Nach Zukäufen gehören Hamburg nun 13,9 Prozent der Reederei.

Hapag-Lloyd-Aktien könnten Hamburg Milliarden bringen

Besonders im vergangenen Jahr stieg der Kurs steil nach oben. Die Anteile der Stadt, vor Jahren gekauft für 1,15 Milliarden Euro, sind inzwischen 4,7 Milliarden wert. Michael Kruse, Hamburger FDP-Bundestagskandidat fordert im „Abendblatt“: „Der Senat sollte die aktuellen Marktbedingungen nutzen und einen Ausstieg bei Hapag-Lloyd vornehmen. Die Zeit ist reif dafür.“ Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Götz Wiese, plädiert für einen Ausstieg: „Für uns als CDU war immer klar: Sobald es die Rahmenbedingungen erlauben, muss die Beteiligung wieder verkauft werden.“

Finanzsenator Andreas Dressel (SPD)
Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) will die Aktien des Traditionsunternehmens für die Stadt halten.

Warum verkauft die Stadt nicht und investiert den Reibach in Schulen, Straßen, Schuldenabbau, wie es CDU und FDP fordern? Finanzsenator Dressel (SPD) winkt auf MOPO-Nachfrage ab: „Für uns, anders als für CDU und FDP, sind die Anteile an Hapag Lloyd kein Spekulationsobjekt. Unsere Beteiligung ist unabhängig von kurzfristigen wirtschaftlichen Spekulationen.“ Man könnte darin einen kleinen Seitenhieb auf eine im Nachhinein fatale wirtschaftliche Entscheidung des CDU-Senats unter Ole von Beust sehen: Zwischen 2006 und 2008, kurz vor dem lukrativen Einstieg in den taumelnde Reederei, verkaufte der Senat mehr als 130 städtische Gebäude an private Investoren, um sie dann, wie etwa die Finanzbehörde, zurück zu mieten.

Finanzsenator will Hapag-Lloyd-Anteile nicht verkaufen

Kurzfristig spülte das „Projekt Immobilienmobilisierung“ damals jede Menge Geld in die Kassen – aber inzwischen sind die Gebäude, wie alle Immobilien in Städten, massiv im Wert gestiegen, wovon die Stadt nichts mehr hat. Stattdessen sieht sie sich höheren Mietforderungen für Ämter- und Behördenbüros ausgesetzt.

Container mit Aufschrift „Hapag Lloyd“
Das Unternehmen musste gerade 75.000 Container in China nachbestellen.

„Wir beteiligen uns an Hapag Llyod aus standort- und wirtschaftspolitischen Gründen, um auf dieser Grundlage Arbeitsplätze, Ladungskapazitäten und Steuereinnahmen für Stadt und Hafen langfristig zu sichern“, erklärt Dressel. Hamburg profitiere durch die jährlichen Ausschüttungen vom wirtschaftlichen Erfolg der Cotainerreederei, so Dressel. Auch wenn die Opposition das anders sieht: „Aktuell bestehen seitens der Hansestadt keine Überlegungen für eine Veräußerung von Aktien von Hapag-Lloyd“, heißt es seitens der Finanzbehörde.

Aktuell teilt Hapag-Lloyd mit, dass die Reederei erneut 75.000 neue Container in China bestellt hat. Seit 2020 hat Hapag-Lloyd seinen Bestand damit um 625.000 Standardcontainer aufgestockt. Ein Auftragsboom? Eher Zeichen von gestörten Lieferketten und ausgebuchten Terminals, wie Vorstandschef Rolf Habben erklärt: „Normalerweise sind unsere Container 50 Tage unterwegs bis wir sie wieder beladen können. Aufgrund der massiven Überlastungen von Häfen und Terminals weltweit benötigen wir derzeit bis zu 60 Tage und mehr. Es kommt zu Verzögerungen, Container sind oft nicht dort verfügbar, wo sie gebraucht werden.“

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