Stand Up Paddler und Boote auf der Alster
  • An schönen Tagen wird es voll: Stand-Up Boards, Kanus, Ruderboote und Segelboote auf der Alster unterwegs.
  • Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Warnung vor Unfällen: Ist die Alster schon gefährlich voll?

Lange war die Alster das Revier von Ruderern, Seglern und den Ausflugsdampfern – inzwischen strömt halb Hamburg aufs Wasser, mit Stand-Up-Paddelbrettern, Schlauchbooten und Kanus. An Sommerwochenenden herrscht Hochbetrieb, erste Stimmen warnen bereits vor gefährlichen Kollisionen. Wird das Gedränge auf der Alster lebensgefährlich?

So ein Ruderboot mit gut trainierten Sportlern, die nach Kräften pullen, wird schon mal 15 Stundenkilometer schnell – für einen Schwimmer kann das schon zu bedrohlichen Situationen führen. „Man sieht als Ruderer die Schwimmer kaum“, hat auch Markus Schreiber festgestellt, Ruderer, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, Ex-Bezirksamtschef von Mitte. Rudertrainer Christian Dahlke vom Ruderclub Allemania – Vizekanzler Olaf Scholz gehört zu seinen Schülern – formuliert es noch drastischer: „Wenn es so weitergeht, wird es bald Tote geben“, sagte er kürzlich im „Abendblatt“.

Mann im Ruderboot
Sorge vor Unfällen auf der Alster: Christian Dahlke, Trainer und Ruderer beim Ruderclub Allmania

Ist es so schlimm? „Ja, das klingt jetzt sehr dramatisch“, räumt Dahlke im Gespräch mit der MOPO ein, sagt dann aber: „Es ist eine Situation, die wir so noch nicht erlebt haben auf der Alster, auch mit den vielen Schwimmern, die Alster ist ja zum Badesee geworden. Und wenn ein Ruderblatt in voller Fahrt einen Schwimmer am Kopf oder im Genick trifft, dann sprechen wir natürlich von einer lebensgefährlichen Situation.“

Unfälle auf der Alster drohen

Bei der Umweltbehörde stößt die düstere Prognose auf Unverständnis: „Das hat uns sehr überrascht“, sagt Behördensprecher Björn Marzahn zur MOPO: „Nach unserem Eindruck haben die Ruder- und Segelvereine sich sehr gut auf die neue Situation eingestellt und trainieren vorrangig in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden.“ Die Behörde sehe noch keinen Anlass einzugreifen. Bisherige Maßnahme: eine Plakatkampagne, die alle Besucher der Alster zu Rücksichtnahme aufruft.


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Christian Dahlke hingegen wünscht sich einen mit einer Bojekette abgetrennten Bereich am Westufer der Alster, an dem ambitionierte Ruderer sorglos volle Fahrt aufnehmen können: „So wie es im Freibad auch Bahnen für die schnellen Schwimmer gibt.“ „Das unterstützen wir überhaupt nicht“, kontert Behördensprecher Marzahn auf MOPO-Nachfrage sofort: „Dann wird es für alle anderen ja noch enger.“

Sommer-Wetter Hamburg
An Sommerwochenenden wird es eng: Stand-Up-Paddling im Goldbekkanal

Die bisherigen Maßnahmen reichen jedenfalls nicht, hat Ruderer Dahlke festgestellt, „auch wenn es nur ungefähr 20 Tage im Jahr sind, an denen es es so megavoll ist.“ So wiesen etwa die Bootsverleiher ihre Massen von Kunden nicht ausreichend auf die Regeln auf der Alster hin. Die Neulinge sind dann mit Paddel-oder Tretboot unterwegs, fahren kreuz- und quer und als Geisterfahrer auf der falschen Seite unter den Brücken hindurch.

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„Das könnte man doch nett und freundlich machen“, sagt Dahlke: „Fahrt rechts, haltet die Mitte der Kanäle frei, denkt daran, dass Ruderer hinten keine Augen haben. Und nun viel Spaß.“ Unter den Brücken könnten Pfeile die richtige Richtung weisen: „Das ist doch kein Hexenwerk!“

Tatsächlich gab es bisher nur wenige Kollisionen, und wenn, kamen glücklicherweise nur Bootsrümpfe und keine Menschen zu Schaden. Dennoch hat die Wasserschutzpolizei auf der Alster alle Hände voll zu tun, mahnt unermüdlich Jugendliche, nicht von den Brücken zu springen, erinnert Cliquen auf Schlauchbooten daran, dass Ankern verboten ist, weist Party-Paddler und angeschickerte Tretboot-Kapitäne immer wieder darauf hin, dass auch auf der Alster eine Grenze von 0,5 Promille gilt – und dass man rechts fahren muss, wie auf jeder Straße.

In einem sind sich Behörde und Ruderer Dahlke allerdings einig: Die Alster ist für alle da, niemand soll vertrieben werden.

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