Der Hamburger Mikrobiologe und Hygieniker Johannes Knoblauch erklärte der MOPO, welche Corona-Regeln auch unter freiem Himmel unbedingt eingehalten werden sollten.
  • Der Hamburger Mikrobiologe und Hygieniker Johannes Knoblauch erklärte der MOPO, welche Corona-Regeln auch unter freiem Himmel unbedingt eingehalten werden sollten.
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Vor Großdemo in Berlin: Wie hoch ist das Corona-Infektionsrisiko unter freiem Himmel?

Eppendorf –

Fußballspiele, Demonstrationen, Versammlungen auf öffentlichen Plätzen: Wie hoch ist das Infektionsrisiko im Freien und was muss man beachten? In Berlin ist am Sonnabend eine Großdemonstration gegen die Corona-Beschränkungen angekündigt, die MOPO hat im Vorfeld mit einem Experten vom UKE über das Infektionsrisiko unter freiem Himmel gesprochen. 

Nachdem die berüchtigte Großdemonstration gegen Corona-Auflagen in Berlin am 1. August vorzeitig aufgelöst werden musste, wurden mehrere für dieses Wochenende geplante Veranstaltungen schon im Vorhinein verboten. Das von der Senatsverwaltung für Inneres mit zu erwartenden Verstößen gegen die Corona-Auflagen begründet. Die Versammlungen vom 1. August hätten gezeigt, „dass die Teilnehmenden sich bewusst über bestehende Hygieneregeln und entsprechende Auflagen hinweggesetzt haben.“

Inzwischen ist das Verbot vom Gericht gekippt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigte am frühen Samstagmorgen in zweiter Instanz, dass das Verbot der Berliner Polizei keinen Bestand hat. Die Sorge vor der Demonstration als Infektionsherd für Corona bleibt. Aber: Wie groß ist das Ansteckungsrisiko im Freien überhaupt und welche Regeln sollten auch draußen unbedingt eingehalten werden? Die MOPO hat mit dem Mikrobiologen und Hygieniker Johannes Knobloch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gesprochen.

Hamburger Mikrobiologe: Corona-Ansteckungsrisiko im Freien sehr gering

Laut dem Hamburger Experten ist das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Freien verschwindend gering und das Tragen einer Maske nicht nötig – wenn wir uns an gewisse Regeln halten.

„Die zwei großen Träger von Viren sind Tröpfchen und Aerosole. Vor einer Ansteckung mit Aerosolen sind wir draußen grundsätzlich gut geschützt, denn die permanente Frischluft verdünnt deren Konzentration in der Luft so stark, dass kaum noch eine Gefahr von ihnen ausgeht. Vor Aerosolen würde eine Maske auch nur bedingt schützen.“

Masken können laut UKE-Experte auch im Freien sinnvoll sein

Vor einer Tröpfcheninfektion kann eine Maske jedoch schützen. „Sobald der Mindestabstand nicht mehr eingehalten werden kann, sollte ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden“, so Knobloch.

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Aus diesem Grund sieht der Mikrobiologe Demonstrationszüge – sofern die Teilnehmer die Distanz wahren oder alternativ eine Maske tragen – eher nicht als potentielle Corona-Hotspots. Auch Fußballspiele im Freien, bei denen zwischen den Zuschauern Abstand besteht, seien kein sehr großes Risiko. „Gefährlich wird es nur, wenn sich die Gäste an den Ein- und Ausgängen zu nahe kommen. Genauso ist es bei den Kundgebungen nach Demonstrationen – auch hier wird das Distanzhalten schnell mal vergessen.“

Wie viel Sinn ergibt eine Maskenpflicht unter freiem Himmel?

Trotz der vergleichsweise geringen Gefahr im Freien gibt es einige Länder in Europa, die auch draußen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung vorschreiben – zum Beispiel Frankreich, Belgien, Italien und Spanien, zumindest in einigen Teilen. Ist das denn überhaupt sinnvoll?

„In anderen Ländern liegen auch andere Lebensweisen vor und es gibt Gebiete, in denen große Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen zum Alltag gehören oder wo die Stadtbilder von engen Gassen geprägt sind“, erklärt Knobloch. „Dort kann der Mindestabstand oft nicht eingehalten werden und ein Mundschutz wird sinnvoll. Von Bedeutung sind die lokalen Umstände: Eine enge Gasse in einer spanischen Kleinstadt können wir nicht mit der Mönckebergstraße vergleichen.“

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Insofern ist die Sorge vor der Demonstrationen in Berlin berechtigt, haben die Teilnehmer auf der letzten Veranstaltung doch bewiesen, dass sie wenig bis keine Rücksicht auf das Abstandhalten oder alternativ das Maskentragen legen und sich und andere so in Gefahr bringen – auch, wenn Demonstrationen unter freiem Himmel stattfinden.

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