• Carolin Stüdemann, Geschäftsführerin von Viva con Agua.
  • Foto: Quandt

Viva con Agua: Helfer brauchen Hilfe: „Hamburger, vergesst uns nicht!“

Sie sammeln Pfandbecher auf Festivals, ihre Mineralwasserflaschen stehen in angesagten Restaurants auf den Tischen – doch Corona lässt die Spendenquellen für die Wasser-Aktivisten von Viva con Agua versiegen. In der MOPO erzählt Geschäftsführerin Carolin Stüdemann (30), was die Pandemie für die Hilfsprojekte bedeutet – und wie die Hamburger helfen können.

Frau Stüdemann, welchen Einfluss hat Corona auf Viva con Agua und die Wasserprojekte?

Die Pandemie gefährdet die Fortschritte in Bezug auf die Wasserversorgung in unseren Projektgebieten und weltweit. Die Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser und Sanitäranlagen ist massiv gefährdet. Dabei ist Wasser und Hygiene wichtiger denn je, um die Pandemie einzudämmen und um auch zukünftig die Gesundheit der Menschen und das Gesundheitssystem zu schützen. Sauberes Wasser und gute hygienische Bedingungen sind ein wirksamer Schutz für die Menschen. In Ländern wie Uganda, Äthiopien, Südafrika steigt die Zahl der Corona-Infizierten weiterhin stark an. Nicht nur die lokalen Gesundheitssysteme stehen vor schwierigen Aufgaben, sondern auch die Wirtschaft bricht massiv ein. Voraussichtlich wird die Pandemie auch langfristige Folgen haben. Darum ist jetzt die Zeit zu handeln.

Nun leiden viele Organisationen unter Spendeneinbrüchen, aber Viva Con Agua hat es besonders hart getroffen – woran liegt das?

Das Besondere an uns ist ja, dass wir stark Eventbezogen unsere Spenden sammeln. Wir sind im Jahr alleine auf 150 Festivals in ganz Deutschland vertreten, sammeln die Pfandbecher ein. Viele Künstler unterstützen das, rufen sogar von der Bühne dazu auf, uns das Pfand zu spenden. „Die Ärzte“, zum Beispiel, haben mal dazu aufgerufen, die Pfandbecher auf die Bühne zu werfen, das war unvorstellbar, wie die zugeschmissen wurden.

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Ehrenamtliche Pfandbechersammlerinnen für Viva con Agua.

Foto:

Markus Schwer

Was bringt so ein großes Festival im Schnitt an Spenden?

Nur ein Beispiel: Das Hurricane-Festival hat uns im vergangenen Jahr über 25.000 Euro Spenden eingebracht. Es ist eins der ganz großen Festivals, trotzdem kann man sich vorstellen, was die Absage aller Festivals für die Finanzierung unserer Wasserprojekte bedeutet.

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Pfandbecher bitte hier her! Carolin Stüdemann auf dem Pangea Festival.

Foto:

Melrin Seifert

Aber es gibt doch noch das Viva con Agua Mineralwasser als finanzielles Standbein?

Ja, unser Wasser wird in vielen Restaurants und Cafés vertrieben, und das ist das nächste Problem: Durch die Einschränkungen ist unsere Sichtbarkeit plötzlich weggefallen: Wir waren nicht mehr zu sehen, weder in der Gastronomie, noch auf Konzerten und Festivals, und es ist ein bisschen so, als wären wir vom Radar der Hamburger verschwunden.

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So kann Spendensammeln auch aussehen: Viva-con-Agua-Mitgründer Micha Fritz in einem Schlauchboot voller Pfandbecher auf dem Southside Festival.

Foto:

Markus Schwer

Und das Klopapier von „Goldeimer“, das ja auch Wasser- und Sanitär-Projekte von Viva con Agua unterstützt? Haben Sie da nicht profitiert von dem Riesen-Run?

Doch, klar, kurzzeitig kam die Produktion gar nicht hinterher und das Klopapier musste ohne die markanten Aufdrucke gedruckt werden, aber man merkt, dass jetzt dafür weniger gekauft wird, weil die Leute noch genug zuhause haben und natürlich nicht öfter auf die Toilette gehen.

Wie stark sind die Spenden zurückgegangen?

In den letzten Monaten hatten wir einen Rückgang von rund 70 Prozent. Aber das Jahr ist ja noch nicht vorbei, ich bleibe zuversichtlich.

Was bedeutet dieser massive Einbruch konkret für die Viva con Agua-Projekte?

Nur ein Beispiel: Wir wollen in diesem Jahr 50 Schulen in Südafrika, in der Provinz Eastern Cape, mit einem Zugang zu sauberem Trinkwasser versorgen, Handwaschmöglichkeiten und Toilettenblocks bauen. Außerdem wollen wir durch Workshops im Viva con Agua-Stil das Verständnis für Hygiene fördern.

Was sind denn Workshops im Viva con Agua-Stil?

Das ist ein Konzept, das bereits in Uganda erfolgreich eingesetzt wird. Wir arbeiten mit Sport, Musik und Kunst, lassen die Kinder etwa Wandbilder erstellen, um sie freudvoll an die Themen Wasser und Hygiene heranzuführen.

Hilferuf der Helfer: Viva con Agua – „Hamburger, vergesst uns nicht!“

Und dieses Projekt ist nun gefährdet?

Naja, wir wünschen uns pro Schule eine Patenschaft von 10.000 Euro, aber wir haben bisher erst drei vergeben. Wenn wir das Geld nicht aufbringen können, muss das Projekt verschoben werden. Dabei ist das Thema Hygiene zu Coronazeiten noch wichtiger als sonst. Insgesamt würden 20.000 Menschen profitieren.

Ihr Wunsch an die Hamburger?

Liebe Hamburger, vergesst uns nicht, wir Aktivisten brauchen eure Unterstützung! Toll wäre es, wenn sich Menschen oder Unternehmen fänden, die eine Patenschaft für eine Schule übernehmen. Auch kleine Beiträge sind wichtig. Es waren immer die vielen kleinen Beiträge, wie das Becherpfand bei den Festivals, die die in der Summe einen großen Unterschied gemacht haben. Wir sind optimistisch, dass wir als Hamburger Initiative es schaffen, gemeinsam mit den Hamburgern die so wichtigen Projekte umzusetzen.

Link zum SPENDENKONTO
Empfänger: Viva con Agua
IBAN: DE58200505501268135181
BIC: HASPDEHHXXX
BETREFF: Mopo-Leser helfen

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