„Abhörsicherer“ Gebäudeteil
  • Foto: Quandt

Villa in Hamburg: War dieses Haus Helmut Schmidts Hauptquartier?

Dass „Gorbi“ hier war, das ist verbürgt. Auch dass der SS-General Graf von Bassewitz-Behr dort im Zweiten Weltkrieg Quartier nahm. Die Rede ist vom Friedensinstitut am Falkenstein. Ehemalige Mitarbeiter dieser Blankeneser Einrichtung wollen sogar gehört haben, dass Helmut Schmidt von hier aus einige Tage lang bei der Jahrhundert-Flut 1962 den Einsatz bei der Katastrophe leitete. Nur ein Gerücht? Eines aber ist sicher: Die Villa auf einem traumhaften bewaldeten Areal ist ein Ort mit Geschichte. Jetzt bietet ein Makler für die SAGA die einzigartige Immobilie an. 

Die Straße Falkenstein schlängelt sich oberhalb vom Strand Wittenbergen durch waldreiches Gebiet. Einst besaß Verleger Axel Springer (1912-1985) hier mehrere große Grundstücke und er liebte die Abgeschiedenheit dieses Teils von Blankenese. Wer heute hier leben darf, genießt tatsächlich eine Ruhe, die es sonst in Blankenese, gar im Treppenviertel, niemals gibt. Namensschilder sucht man an den Türen der Landhäuser und Villen natürlich vergebens.

Hamburg: Einzigartiges Gebäude in Blankenese

Und dann steht man plötzlich vor einem Gitterzaun. Davor das Werbeschild eines Maklers: „Zu verkaufen. Denkmalgeschützes Ensemble auf 12.000 Quadratmeter großem Grundstück.“ Der Eingangsbereich mit einem großen Pförtnerhäuschen wirkt verfallen. Daneben finden sich Garagen mit verwitterten großen Holztoren.

Die alten Holztüren der Remise sind zugewuchert.

Eine lange Auffahrt führt zum Hauptgebäude. Das Bauwerk mit einer Nutzfläche von fast 1000 Quadratmetern ähnelt eher einer Hacienda, denn einer Blankeneser Villa. Alle Fenster und Türen im Erdgeschoss sind verrammelt, Fenster in der oberen Etage teilweise zertrümmert.

Vandalen haben bereits Fenster zertrümmert.

An den Wänden prangen Graffiti. Etwas düster wirkt hier alles. Auf dem Riesen-Grundstück befinden sich Hunderte alte Bäume.

Holländischer Kaufmann baute Hauptgebäude 1937

Diese hatte vermutlich noch Cesar Godeffroy (1813-1885) gepflanzt. Der Großkaufmann und Reeder besaß im 19. Jahrhundert große Ländereien in den Elbvororten. Godeffroy verkaufte das Areal am Falkenstein 1887 an drei Kaufleute. 1919 schließlich erwarb der jüdische Unternehmer Jacob Weisfelner die Immobilie.

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Kurz nach der Machtergreifung der Nazis 1933 starb der Eigentümer an einem Herzinfarkt. Seine Witwe war 1935 gezwungen, das Traumgrundstück für den Spottpreis von drei Reichsmark/Quadratmeter an einen holländischen Kaufmann zu veräußern. Er ließ vorhandene Gebäude abreißen und errichtete 1937 das heutige Hauptgebäude mit Remise.

Das Hauptgebäude wurde 1937 errichtet.

Bei Kriegsbeginn 1939 flüchtete der Niederländer nach Genf und die Nazis beschlagnahmten das repräsentative Anwesen. Der damalige SS-Oberführer und spätere SS-Gruppenführer sowie Generalleutnant der Polizei, Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr (1900-1949), zog ein. Der Massenmörder wurde nach dem Krieg von den Engländern an die Sowjetunion ausgeliefert und fand sein verdientes Ende in einem Arbeitslager in Sibirien.

Helmut Schmidt soll während Sturmflut eingezogen sein

Ziemlich viel Geschichte für ein einziges Haus. Doch es kommt noch besser: Zunächst fiel die Villa an die Stadt Hamburg. Ja, und dann hält sich eben hartnäckig das Gerücht, dass Helmut Schmidt hier während der Flut 1962 einzog. Aus einem halbrunden repräsentativen Raum, der angeblich „abhörsicher“ war, soll er seine Anweisungen gegeben haben. So erzählen es jedenfalls Mitarbeiter des „Instituts für Friedensforschung“ der Uni Hamburg, welches hier 1971 einzog.

Helmut Schmidt (1918-2015) während der Flutkatastrophe 1962.

Doch auf MOPO-Nachfrage bei der Helmut-Schmidt-Stiftung hatte dort niemand etwas davon gehört. Auch der Historiker Helmut Stubbe da Luz, der sich seit Jahren intensiv mit Schmidts Wirken bei der Sturmflut befasst, war ratlos. Also, nur eine Legende?

Hamburger SAGA schaltet Makler zum Verkauf ein

Gesichert ist, dass in dem Institut unter den Direktoren Wolf Graf von Baudissin und Egon Bahr zwischen 1971 und 1994 welthistorische Treffen stattfanden. Im März 1989, also noch vor der Wende, trafen hier erstmals Generäle der Bundeswehr mit „Kollegen“ der Nationalen Volksarmee der DDR zusammen. 1992 kam sogar der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow.

1992 traf Michail Gorbatschow am Falkenstein Instituts-Chef Egon Bahr.

2007 zog das Friedensinstitut ins alte Finanzamt am Schlump in Rotherbaum und die SAGA übernahm später die Immobilie von der Stadt. Doch Wohnungsbau war auf dem Areal wegen des alten Baumbestands nicht möglich. Deswegen bot das städtische Wohnungsbau-Unternehmen das Haus bereits 2017 für drei Millionen Euro an.

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Doch ein Käufer fand sich nicht. Nun ist von der SAGA ein Makler eingeschaltet worden. Die Preisforderung dürfte heute bei gut fünf Millionen Euro liegen. Über den genauen Preis hüllt sich die SAGA in Schweigen.

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