OTTO-Versandtüte-von-traceless_2022
  • In diesen Tüten aus Gras und Bio-Plastik verschickt Versandhändler Otto jetzt Kleidung.
  • Foto: Otto

paidVerrückt! Diese Biotüten von Otto dürfen nicht in den Biomüll

Kompostierbare Tüten aus Graspapier und Getreide-Abfällen – ganz ohne Kunststoff. Damit will der Otto-Konzern jetzt einen Teil seiner Bestellungen aus dem Online-Shop verschicken. Entwickelt wurde das Tüten-Material von „Traceless“, einem Hamburger Start-up, das gerade den Deutschen Gründerpreis bekommen hat. Doch die Sache hat einen Haken: Die Tüten dürfen in Hamburg auf keinen Fall in den Biomüll geworfen werden. Kompostierbar – aber nicht in die Biotonne? Was soll das?

Autofahren, heizen, kochen, dafür brauchen wir nach wie vor viel zu viel fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Gas. Was aber zu oft vergessen wird: Auch in allen Kunststoffen steckt Erdöl und darauf in Zukunft zu verzichten wird schwer werden. Das Hamburger Start-up „Traceless“ hat einen sogenannten Bio-Kunststoff entwickelt, der auf Basis von Graspapier und im Labor umgearbeitetem Getreideabfall basiert. Ganz ohne fossile Rohstoffe und dazu laut Unternehmen auch noch vollständig abbaubar.

Lufthansa und Otto zählen zu den ersten Industriekunden, die „Traceless“ testen, etwa als Catering-Verpackung oder Ersatz für Plastiktüten zum Versenden von Otto-Produkten aus dem Online-Shop. Die Testphase beim Versandhändler Otto beginnt jetzt. Nun soll sich herausstellen, ob die Tüten im Versand ausreichend wasserbeständig und reißfest sind. Zunächst bekommen nur 5000 Kunden und Kundinnen des Online-Shops die neuen Tüten und werden auch dazu befragt.

Otto: Tüten von „Traceless“ im Pilotprojekt

„Die Tüten sind vollständig kompostierbar und innerhalb von zwei Wochen biologisch abgebaut“, sagt Otto-Sprecherin Viktoria Rüpke. „Die Tüten können zu Hause in den Biomüll geworfen werden“, sagt sie auf Nachfrage der MOPO. Klingt wunderbar, Biotonne statt gelbe Wertstofftonne oder -sack. Kein energieintensives Recycling, keine Plastik-Verbrennung.

Traceless/hfr Johanna Baare (l.) und Anne Lamp haben das Start-up „Traceless“ gegründet. 
Johanna Baare (l.) und Anne Lamp haben das Start-up „Traceless“ gegründet. 
Johanna Baare (l.) und Anne Lamp haben das Start-up „Traceless“ gegründet. 

Doch die Stadtreinigung widerspricht vehement. Sprecher Kay Goetze: „Tüten aus Bioplastik oder ähnlichen Werkstoffen dürfen grundsätzlich nicht in den Bioabfall.“ Sie seien für Kompostierungsverfahren nicht geeignet, denn statt abgebaut zu werden, würden sie sich nur zersetzen und gelangten in die Umwelt. „Der aus Bioabfall hergestellte Kompost würde damit verunreinigt und könnte nicht mehr zur Bodenverbesserung, Humusbildung und Düngung beziehungsweise als Torfersatz eingesetzt werden.“

Stadtreinigung Hamburg: Bio-Plastik nicht in die Biotonne

Ein Problem, dass auch schon bei anderen Tüten aus Bio-Plastik besteht, auf denen „kompostierbar“ steht. Wie etwa Tüten aus Zuckerrohr-Abfällen, in denen Obst und Gemüse beim Lebensmitteleinzelhandel (zum Beispiel Famila) verkauft werden.

Und selbst in der Gelben Tonne verursacht das Bio-Plastik bisher offenbar Probleme. Goetze: „Soweit uns bekannt ist, kann Bioplastik bedingt durch die Eigenschaften in der gelben Tonne zu Problemen beim Plastikrecycling führen. Ein Aussortieren geht nur mit speziellen technischen Sortierverfahren.“ Nur beim Verbrennen gibt es offenbar keine Probleme.

So bleibt für die Verbraucher die Frage: Wohin eigentlich mit den neuen Tüten aus Bio-Plastik? Offenbar sind sie derzeit nur für den Restmüll geeignet. Für alle eine unbefriedigende Lösung für ein Produkt, das doch Müll reduzieren soll. Ein großer posititiver Effekt bleibt: Bio-Plastik wie Traceless ist aus biologischen Resten und nicht aus Erdöl hergestellt.

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Otto-Sprecherin Rüpke zeigt sich optimistisch: „Bis wir vom Pilotprojekt zur regulären Nutzung von ,Traceless‘-Tüten übergehen, wird es noch Jahre dauern. Bis dahin kann sich viel ändern und wir leisten Überzeugungsarbeit bei den Entsorgungs-Unternehmen.“

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