Ottensener Claas B. (53) kritisiert die massiven Straßensperrungen für neue Velorouten
  • Ottensener Claas B. (53) kritisiert die massiven Straßensperrungen für neue Velorouten
  • Foto: Patrick Sun

Veloroute killt Parkplätze: Ottensen dicht: Anwohner fürchten „wahnsinniges Chaos“

Ottensen –

„Ich sehe ein wahnsinniges Chaos auf uns zukommen“, sagt Claas B. (52). Grund: Um die Veloroute 1 durch Ottensen zu führen, werden wichtige Verbindungen im Quartier voll gesperrt, bis Weihnachten fallen hunderte Parkplätze weg. Erst fünf Tage vor Beginn des Riesenbauvorhabens hat das Bezirksamt Altona die Anwohner informiert.

Die Kepler- und die Eulenstraße sind schmale Straßen, andere gibt es in Ottensen kaum, und sie sind, ebenfalls wie die meisten, pickepacke voll mit parkenden Autos. Wo jetzt Stoßstange an Stoßstange steht, sollen ab der kommenden Woche breite Radstreifen entstehen, als Teil der Veloroute 1 vom Rathausmarkt nach Rissen. Der „Fahrrad-Highway“ killt viele der Parkplätze.

Ottensen: Anwohner fürchten „wahnsinniges Chaos“

Für die massiven Bauarbeiten werden die beiden Parallelstraßen bis Weihnachten voll gesperrt. Auch der Hohenzollernring ist für den Ausbau der Veloroute gesperrt. Ottensen, so fürchten viele Anwohner, wird zur Mausefalle, zumal auch auf den Ausweichstraßen gebaut wird: „Wer sich im Quartier nicht auskennt, ist rettungslos verloren“, fürchtet Claas B., der seit seiner Kindheit im Viertel lebt. Er ist ein Fan der Veloroute, aber: „Das muss doch auch gehen, ohne die Anwohner in den Wahnsinn zu treiben.“

Ottensen: Veloroute 1 seit Jahren geplant

Dass die Veloroute kommt, wissen die Ottenser seit 2018. Den konkreten Termin jedoch gab das Bezirksamt fünf Tage vor Beginn der Vollsperrungen bekannt, durch Aushänge an den Haustüren. Claas B. ist fassungslos: „Fünf Tage vorher teilen die uns mit: ,Übrigens, wir machen euer Viertel dicht bis Weihnachten!'“ 

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Veloroute: Ottensen verliert viele Parkplätze

Von den derzeit 313 Parkplätzen in Eulen- und Keplerstraße werden durch die Radstreifen 107 dauerhaft wegfallen – jeder dritte. Wohin die Anwohner mit ihren Hunderten Autos während der Bauphase mit null Parkplätzen ausweichen sollen? Und danach? „Dann hagelt es Tickets“, schreibt eine Anwohnerin auf Facebook:  „Wie jetzt auch werden einige Anwohner nachts im Halteverbot stehen, nachdem sie 30 Minuten im Kreis gefahren sind.“

Ottensen: Das sagt das Bezirksamt

Und was sagt das Bezirksamt Altona? Das empfiehlt den Ottensern durch die Blume die Abschaffung des Autos: „Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Autoparken im öffentlichen Raum, insofern kann auch kein Ersatz während der Bauzeit und danach bereitgestellt werden“, erklärt ein Sprecher auf MOPO-Nachfrage:  „In einem dicht bebauten und besiedelten innerstädtischen Bereich wie diesem muss das auch jedem Anlieger eigentlich klar sein.“

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Altonas Bezirksamtschefin Stefanie von Berg (Grüne) spricht von ersten Ideen für das autoarme Ottensen.

Foto:

dpa

Altonas Chefin Stefanie von Berg wirbt um Verständnis

Altonas Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) wirbt in einer Anwohnergruppe auf  Facebook um Verständnis: „Wenn die Mobilitätswende sichtbar werden soll, werden wir leider vor dem Hintergrund der ambitionierten politischen Bauprogramme nicht allen Interessen gerecht werden können.“

Die Kritik an der kurzen Vorlaufzeit wird im Bezirksamt zerknirscht zur Kenntnis genommen: „Für die kurzfristige Benachrichtigung bittet das Bezirksamt alle Anwohner*innen um Entschuldigung. Idealerweise soll eine solche Information deutlich frühzeitiger erfolgen“, so der Sprecher zur MOPO. Die Vorbereitungszeit sei knapp gewesen.

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