• Immobilien-Profi Dieter Becken in seinem Büro am Berliner Tor.
  • Foto: Florian Quandt

Trotz Rekordpreisen – Hamburger Bau-Löwe empfiehlt: Kaufen!

Vor genau 40 Jahren hat der gelernte Maurer bei null angefangen und sich selbstständig gemacht. Ein schlichtes Doppelhaus in Eidelstedt war sein erstes Mini-Projekt. Heute ist Dieter Becken (70) der wohl profilierteste Hamburger Immobilien-Profi und Projektentwickler. Wer, wenn nicht er, kann die Frage beantworten, ob es aktuell noch zu empfehlen ist, bei den hohen Preisen in der Hansestadt eine Immobilie zu erwerben. Beckens Antwort: „Ja, absolut!“

Der Eigentümer des Familienunternehmens im denkmalgeschützten Finnlandhaus an der Esplanade begründet die klare Kaufempfehlung so: „Durch die extrem niedrigen Zinsen bietet sich eine historische Chance.“ Dann nennt der Bau-Profi ein Beispiel.

Jemand, der vielleicht aktuell eine 80-Quadratmeter-Wohnung bewohnt und dort 1200 Euro kalt an Miete zahlt, sollte folgende Rechnung aufmachen: Immobilienkredit über 420.000 Euro. Vielleicht 80.000 Euro Eigenkapital. Bei drei Prozent Zins und Tilgung macht das dann jeden Monat 1050 Euro Belastung. Das ist weniger als die Miete!

„Historisch niedrige Zinsen sind ein süßes Gift”

Becken räumt allerdings ein: „Die historisch niedrigen Zinsen sind auch ein süßes Gift.“ Extrem wichtig sei es deswegen, bei so einem Kredit die Festschreibung des niedrigen Zinses für mindestens 15 Jahre zu vereinbaren. Grundsätzlich geht Becken davon aus, dass die Zinsen niedrig bleiben.

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Bei den extrem hohen Preisen für Eigentumswohnungen in Hamburg reichen die 500.000 Euro allerdings aktuell vielleicht für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Harburg, Horn oder Steilshoop. Stellingen, Barmbek, Eimsbüttel oder gar Winterhude dagegen sind dafür nicht drin, hier kostet eine 100-Quadratmeter große Eigentumswohnungen schnell 700.000 bis 800.000 Euro.

Auf diese starken Unterschiede angesprochen sagt Becken trocken: „Es gibt nun mal kein Recht, in einem der angesagten Stadtteile in Alsternähe zu wohnen.“

Immobilienpreise bald auf Münchener Niveau

Langfristig sieht Becken das Immobilienpreisniveau in Hamburg „mit ganz, ganz großen Schritten“ auf Münchner Niveau steigen. „Wer etwas anderes erwartet, der ist naiv“, so Becken. In München kosten Eigentumswohnungen nochmals etwa 50 Prozent mehr als in Hamburg. Mehr noch: Becken meint, dass wir irgendwann zwischen Alster und Elbe sogar eine Entwicklung erleben, die der von Paris oder London gleicht. Weil Grundstücke in Hamburg extrem knapp sind, dürfte die Verteuerung hier rasant weitergehen.

Eigentlich ja gut für Projektentwickler und Bauherren wie Dieter Becken, oder?

Becken widerspricht: „Ich wehr’ mich an dieser Stelle einmal deutlich gegen dieses schiefe Bild vom bösen Immobilienunternehmer, der die Leute bis auf den letzten Tropfen Blut aussaugt.“ Klar gibt es in unserer Branche schwarze Schafe, aber die gibt es bei Politikern und Journalisten auch.


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Aktuell sei Bauen in Deutschland eine extrem teure Sache geworden und Preistreiber seien eben auch die Städte, die ihre Grundstücke fast nur zum Höchstgebotsverfahren veräußern, so der Unternehmer.

Wie aktuell beim Areal der ehemaligen Holsten-Brauerei in Altona zu sehen ist, führt das dann oft zu einer irrwitzigen Spekulationsspirale mit der Folge, dass die Grundstücke brach liegen und nicht bebaut werden.

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