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  • Foto: Florian Quandt

Trauer um gute Seele: Der Engel der Hamburger Obdachlosen ist tot

Rahlstedt –

Viele Berufe hat sie gehabt. Sie war Barfrau auf dem Kiez, Schneiderin für die Stars von St. Pauli und Süßwarenverkäuferin. Aber ihre Berufung, das waren die Obdachlosen dieser Stadt. Mehr als 50 Jahre hat sich Ursula Graetsch aus Rahlstedt ehrenamtlich um die Ärmsten der Armen gekümmert. Nun ist sie im Alter von 81 Jahren verstorben.

Die kleine grauhaarige Frau mit den blitzenden braunen Augen wurde „Engel der Obdachlosen“ genannt. Sie versorgte Hilfsbedürftige in der ganzen Stadt mit warmen Klamotten, Möbeln, Süßigkeiten, die sie von Spendern bekam. Ganz ehrenamtlich und ohne Bezahlung. Nur ihr Mann Hans-Werner half ihr.

Hamburg: Ursula Graetsch, Engel der Obdachlosen ist tot 

„Mir geht es gut, aber vielen Menschen geht es dreckig. Man muss versuchen zu helfen, egal wie“, sagte Ursula Graetsch der MOPO vor ein paar Jahren. Und weil sie sehr knopfäugig gucken konnte, wusste man auch, warum große Firmen gerne spenden. „Sie ist so süß. Man muss ihr einfach helfen“, hat mal ein Autoverleiher gesagt, dem sie mal für ein Jahr einen Wagen für ihre Transporte aus dem Ärmel leierte.

In der Sendung „Wahre Helden“ über-reichte Schauspieler Heiner Lauterbach ihr 2001 den „Ring der Menschlichkeit“.

In der Sendung „Wahre Helden“ über-reichte Schauspieler Heiner Lauterbach ihr 2001 den „Ring der Menschlichkeit“.

Foto:

dpa

Los ging es in den 60er-Jahren auf St. Pauli. Die junge Ursula war Chefin in einer Kneipe namens „Mambo Schänke“ an der Talstraße. Jeden Abend brachte sie Essensreste zu den Männern, die hungrig vor dem Gebäude der „Heilsarmee“ saßen. Bald hieß es: „Uschi, kannst du mal eine warme Hose besorgen?“, „Uschi, kannst du mir einen dicken Pulli besorgen?“. Und Uschi machte sich auf.

Ursula Graetsch kümmerte sich um Obdachlose in Hamburg

Im Jahr 2014 zog sie sich ins Private zurück. Vieles hat sie in den mehr als 50 Jahren als „Engel der Obdachlosen“ erlebt. Sie hat unbändige Freude über neue Schuhe gesehen, die Hochzeit von zwei Obdachlosen organisiert und Mobiliar aufgetrieben. So auch für „meinen Fritz“, wie sie ihn nannte. Sie kaufte sich ein neues Wohnzimmer, damit er ihr altes haben konnte. Aber zwei Monate später zog es ihn zurück auf die Straße. „Ich war erstaunt“, sagte sie.

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Für ihr Engagement ist sie mehrfach ausgezeichnet worden, 2012 bekam sie sogar das Bundesverdienstkreuz. Wie die „Bild“ berichtet, ist sie nun nach kurzer schwerer Krankheit zu Hause verstorben. 

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