Auf dem Deck des Öltankers soll Gemüse angebaut werden.
  • Auf dem Deck des Öltankers soll Gemüse angebaut werden.
  • Foto: privat/hfr

Tolle Aktion!: Darum will ein Hamburger Spitzenkoch jetzt einen Öltanker kaufen

Was kann man eigentlich mit einem alten Öltanker machen? Einiges! Denkt sich zumindest der Gastronom Fabio Haebel. Während die Restaurants in der Stadt zwangsgeschlossen sind und viele ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, will Haebel einen alten Tanker kaufen und zum Schulschiff umbauen. 

Ein altes Schiff wieder flottmachen? Da schrillen spätestens seit dem von Netflix verfilmten Hausboot-Projekt von Fynn Kliemann und Olli Schulz die Alarmglocken. Die Musiker hatten sich das alte Hausboot von Gunter Gabriel gekauft und standen zwischenzeitlich vor dem wirtschaftlichen Totalschaden.

Doch so kopflos wie die beiden will es Fabio Haebel, Inhaber der Restaurants „Haebel“ und „XO Seafood Bar“, nicht angehen. „Die Idee, den Öltanker zu kaufen und daraus ein Schulschiff zu machen, ist schon ein bisschen länger in meinem Kopf“, sagt er im Gespräch mit der MOPO.

Hamburg: Aus diesem Öltanker soll ein Schulschiff werden

Kürzlich hat er seinen Plan auf Facebook publik gemacht. „Aus einem alten 32 Meter langen Öltanker soll ein grünes Klassenzimmer werden“, schrieb er dort. Zu dem Zwecke soll diese Woche ein Verein gegründet werden, über den das Projekt dann läuft.

In Planung ist, dass „Jette“, wie der Öltanker heißt, komplett umfunktioniert wird. An Bord soll Gemüseanbau betrieben, Hühner gehalten und Kompost angelegt werden. Wenn alles gut läuft, könnten auch Pilze im Schiffsbauch gezüchtet werden, wo früher die Öltanks waren.

Der bekannte Gastronom Fabio Haebel will aus einem alten Öltanker ein Schulschiff machen.

Der bekannte Gastronom Fabio Haebel will aus einem alten Öltanker ein Schulschiff machen.

Foto:

Wim Jansen

„Der Tanker soll ein Ort der Inklusion sein. En Ort für alle. Auszubildende, Kinder, Jugendliche und Menschen, die Bock haben, einen grünen Ort im Hamburger-Hafen zu schaffen“, so Haebel. Er habe zum Beispiel in der Vergangenheit gemerkt, dass in der Ausbildung seiner Köche etwas nachgeholt werden müsse.

„Neben der Zusammenarbeit mit Inklusions-Klassen und Kindergärten, liegt unser Fokus auf der zusätzlichen Ausbildung von Köch:innen in Hamburg“, erklärt er die angestrebte Nutzung des Tankers.

Auch Hühner sind an Bord geplant

An Bord sollen Hochbeete eingerichtet werden, um damit Gemüse anzubauen. Denkbar sind Kräuter, Chilis, Tomaten, Zucchini und weitere kleine Gemüsearten. „Erstes Ziel ist es, Jugendlichen und Schüler:innen Anbau zu zeigen. Zum Beispiel, wie befülle ich ein Hochbeet, was ist ein Kompost und so weiter.“

Zusätzlich werde es ein einen Hühnerstall geben und ein Gewächshaus, in dem fermentiert werden soll. Vor allem Nachhaltigkeit ist das alles bestimmende Planungsthema. Dabei kann sich Haebel auf fachkundige Unterstützung verlassen.

Seine Assistentin Gesche Thörl, die sich schon um Nachhaltigkeit bei seinen Gastrobetrieben kümmert und gerade ihren Master in dem Bereich macht, erarbeitet auch das Konzept für den Öltanker mit. Ziel ist es, das Schiff sich selbst versorgen zu lassen – so soll es Solarzellen, eine Wasserfilteranlage und einen Elektromotor geben. Dadurch würden dann auch kaum laufende Kosten entstehen.

Traum vom Schulboot auf der 180 Quadratmetern 

„Wir sind seit Monaten regelmäßig auf dem Boot“, sagt Haebel, der sich alles schon ganz genau überlegt hat. Man habe alles bereits ausgemessen und die Planungen auf der 180 Quadratmeter großen Fläche konkretisiert. Nun ginge es darum den Traum vom Schulboot zu realisieren – mit Sach- und Arbeitsspenden.

„Mir ist bewusst, dass es eigentlich der falsche Moment ist, um lohnbefreite Arbeit anzufragen, aber bis das Projekt sich selber trägt, durch den Verkauf von gezüchteten Pilzen, fermentierten Saucen und Miso dauert es eine Weile“, sagt Haebel. Seit er den Aufruf gestartet hat, sind aber schon über 100 Zuschriften von Handwerker:innen, Werftbetreiber:innen, Fotograf:innen oder auch Elektriker:innen eingetrudelt. „Wir freuen uns wahnsinnig darüber so ein großes Feedback zu bekommen. Eigentlich fehlt fast nichts mehr.“

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Jetzt soll ein Crowdfunding gestartet werden. Mit rund 100.000 Euro Investitionen inklusive Kaufs des Öltankers rechnet Haebel. Und noch etwas fehlt derzeit: Holz für den geplanten 150 Quadratmeter Terrassenaufbau an Bord. Wer was über hat, darf sich gern bei ihm per Mail (tanker@haebel.hamburg.) melden.

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