Die Verkehrsminister habne den Weg frei gemacht für ein 49-Euro-Ticket. (Symbolbild)
  • Fahrgäste steigen in eine S-Bahn.
  • Foto: dpa

paidTjarks spricht über Start vom 49-Euro-Ticket – große Änderung bei ProfiCard

„Sowas hat es in Deutschland noch nie gegeben, das ist die größte Veränderung des ÖPNV seit vielen Jahrzehnten.“ Mit diesen Worten kommentierte Verkehrssenator Anjes Tjarks am Freitag das 49-Euro-Ticket, das als Nachfolger des 9-Euro-Tickets beschlossen wurde. Allerdings lässt diese große Veränderung doch noch länger auf sich warten. Zudem kündigte der Grünen-Politiker eine weitreichende Neuerung für die beliebte ProfiCard an.

„Ich erwarte keinen Starttermin zum 1. Januar“, sagte der Senator deutlich. Die Gründe dafür lägen allerdings nicht beim HVV, sondern im Bund. „Der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages muss noch zwei Gesetze beschließen. Zum einem die zugesagte Finanzierung des 49-Euro-Tickets über 1,5 Milliarden Euro und die 1 Milliarde Euro an Regionalisierungsmitteln.“ Regionalisierungsmittel können von den Ländern für den Ausbau und Unterhalt des Nahverkehrs verwendet werden.

49-Euro-Ticket: Start voraussichtlich nicht im Januar

Der 1. Januar 2023 als Startpunkt wurde im Oktober zuerst von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) angekündigt. Von Anfang an galt dieses Datum allerdings als Wunschtermin. Auch HVV-Geschäftsführerin Anna-Theresa Korbutt hatte bereits Zweifel geäußert, ob die Branche das so schnell gestemmt bekomme. Beim HVV sei das zum Glück kein Problem. „Ginge es nach uns, könnten wir am 1. Januar loslegen. Aber das können wir nicht alleine entscheiden“, sagte sie am Freitag. Wann es jetzt losgehen soll, ist noch unklar – voraussichtlich aber in den ersten Monaten des nächsten Jahres.

Wenn es soweit ist, wird das vor allem für Nutzer der ProfiCard eine Veränderung bedeuten. Bislang müssen mindestens 20 Mitarbeiter eines Unternehmens dieses Angebot nutzen, damit das Unternehmen überhaupt teilnehmen kann. Das soll künftig entfallen. „Wir setzen uns dafür ein, dass alle Arbeitnehmer in Hamburg die ProfiCard nutzen können“, so Tjarks. „Der Arbeitgeber wird wie vorher auch einen selbstgewählten Zuschuss zahlen.“ 

Das sind die Veränderungen für ProfiCard-Nutzer

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: An den Wochenenden und Feiertagen kann keine zusätzliche Person mehr kostenlos mitfahren. „Das liegt daran, dass das bundesweit gültige 49-Euro-Ticket nicht übertragbar ist“, erklärte der Senator.  

Nach wie vor ist der HVV der einzige Verkehrsverbund in Deutschland, bei dem das 49-Euro-Ticket vorbestellt werden kann. „Das haben bereits mehr als 1000 Personen getan“, freut sich Korbutt. Sie erhofft sich durch den Wegfall des Tarifdschungels viele Neukunden. „70 Ticketsorten werden einfach abgeschafft. Es bleiben nur sechs Abo-Sorten übrig, die günstiger als 49 Euro sind, zum Beispiel ein Azubi-Ticket für zwei Zonen.“

Wer profitiert besonders vom künftigen 49-Euro-Ticket?

Von dem Deutschlandticket werden vor allem Pendler aus dem Umland profitieren: Wer vorher ein monatlich 214,80 Euro teures Abo für das HVV-Gesamtnetz gezahlt hat, spart künftig 77 Prozent – aufs Jahr gerechnet sind das ungefähr 1990 Euro. Aber auch Hamburger mit Abo für den AB-Bereich müssen dann 49 Prozent weniger blechen, eine jährliche Ersparnis von 575 Euro. Der Sozialrabatt von ab Januar 24,80 Euro wird ebenfalls auf das 49-Euro-Ticket angerechnet, sodass Sozialleistungsempfänger 24,20 Euro bezahlen müssen. „Im neuen Bürgergeld-Regelsatz ist 40 Euro für Verkehrsmittel vorgesehen“, so Tjarks.

Am Freitag wird der Verkehrsausschuss allerdings voraussichtlich erst einmal die Erhöhung der HVV-Ticketpreise um durchschnittlich 3,2 Prozent beschließen. Das wird dann vor allem die Einzel- und Tageskarten betreffen sowie die verbliebenen Abo-Modelle. Die Gründe dafür sind die steigenden Energiekosten sowie weiterhin coronabedingte Fahrgastausfälle.

Tjarks rechnet damit, dass das 49-Euro-Ticket die Stadt Hamburg 103 Millionen pro Jahr kosten wird, dazu kommen die Einnahmeverluste der vergangenen Jahre, sodass 2023 insgesamt 240 Millionen Euro fehlen werden. Diese sollen durch Bund und Land zu gleichen Hälften ausgeglichen werden. „Wir sind aber sicher, dass sich das 49-Euro-Ticket stemmen lässt“, sagt er. „Denn es bedeutet eine große finanzielle Entlastung für die Menschen.“

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