Filmemacher Julian Schöneich.
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„Theater Reeperbahn“: Hamburger Indie-Film will auf internationale Festival-Leinwände

St. Pauli –

Wer in diesen Tagen über den Hamburger Kiez streift, sieht leergefegte Straßen, geschlossene Theater und viele Menschen ohne ein Zuhause. Diese Kulisse diente dem Regisseur und Drehbuchautor Julian Schöneich als Inspiration, um den Indie-Film „Theater Reeperbahn“ zu drehen. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne will er erreichen, dass sein Low-Budget-Projekt auf den Leinwänden internationaler Filmfestivals und Heimkinos gezeigt wird.  

Seit über zehn Jahren lebt Filmemacher Julian Schöneich auf St. Pauli. Er kennt die Straßen, in denen er seinen neusten Film gedreht hat, nur allzu gut. „Seit März vergangenen Jahres sind der Tourismus und das Nachtleben auf einen Schlag beendet. Alle sind zu Hause – außer die, die keines haben“, so der 34-Jährige im Gespräch mit der MOPO.

Eine graue und triste Welt – für den Regisseur war klar, dass es ein Schwarz-Weiß-Film werden musste. „Die knallbunten Graffitis hätten nicht zu unserer Story gepasst.“ Einer der Hauptdrehorte ist das Imperial Theater auf der Reeperbahn gewesen, wo Darstellerin Elga Schütz schon für andere Rollen auf der Bühne stand.

Hamburger Indie-Film will auf internationale Festival-Leinwände

Mit dem Team entwickelten die beiden so einen lebensnahen Spielfilm, der sich mit der fragilen Lebenssituation von Kulturschaffenden befasst: Die Story dreht sich um die obdachlose und alkoholkranke Künstlerin Ewa (gespielt von Elga Schütz), die endlich wieder auf einer Bühne stehen will. Tagsüber sammelt sie Pfandflaschen, nachts schleicht sie sich in ihr ehemaliges Theater, um dort in Erinnerungen zu schwelgen – bis sie eine Begegnung hat, die ihr Leben nochmal in andere Bahnen lenken könnte.

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Den etwa 60-minütigen Streifen drehte das Kollektiv von „FilmFatal“ im August 2020 – unter Corona-Bedingungen keine leichte Aufgabe. „Wir haben versucht, alles auf möglichst wenige Drehtage zu verteilen. Zudem waren nie mehr als zehn Personen am Drehort, wie hatten keine Assistenten – das war schon aufwendig“, erklärt Schöneich. „Zum Glück mussten wir nicht unterbrechen und niemand ist krank geworden.“ Aktuell steckt der Film in den letzten Schritten der Postproduktion.

Indie-Film aus Hamburg: Team sammelt Spenden für Traum vom Filmfestival

Mit dem Geld, das Julian Schöneich und seine Filmcrew durch Crowdfunding sammeln, soll der Film promotet und bei internationalen Filmfestivals eingereicht werden. Seit dem 24. März sind bereits mehr als 1000 Euro zusammengekommen, bis Ende April läuft die Spendenkampagne noch. „Unser Mindestziel haben wir damit erreicht. Alles, was wir darüber hinaus einnehmen, wird weiter für das Projekt eingesetzt.“ Davon sollen Produktionskosten abgedeckt, Mitwirkende bezahlt und noch mehr Werbung finanziert werden. 

Wer mindestens 30 Euro spendet, bekommt nicht nur Poster und Postkarten zugeschickt, sondern kann auch beim exklusiven Team-Screening am 21. Juli im Imperial Theater dabei sein. „Das ist keine offizielle Veranstaltung, aber wir wollen einmal mit allen Mitwirkenden und Unterstützern den Film gemeinsam anschauen – sofern das dann möglich ist“, sagt Schöneich. Die Premiere will er sich für später aufheben – hoffentlich auf der Leinwand eines großen Filmfestivals.

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