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  • Foto: Florian Quandt

Super Ideen im Lockdown: So halten sich Hamburgs Gastronomen jetzt über Wasser

Hamburgs Gastronomen müssen den Löffel flachhalten. Wegen der Corona-Pandemie dürfen sie zur Zeit keine Gäste empfangen – für die Betriebe eine Katastrophe. Doch einige haben pfiffige Ideen entwickelt, wie sie der Krise trotzen wollen. So wie Osteria-Betreiber Sascha Basler – der nun Tiefkühlpizzen für Supermärkte herstellt.  

Der Gastronom betreibt in Tangstedt an der Grenze zu Hamburg das Restaurant „Don Basili“ mit 18 Plätzen. „Zu Beginn des ersten Lockdowns hatte ich keine Ahnung, wie wir da durchkommen sollten“, sagt er im Gespräch mit der MOPO.

Als sein Blick in einem nahgelegenen Supermarkt in eine leere Pizza-Kühltruhe fiel, hatte er plötzlich eine Idee. „Tiefkühlpizza, das kann ich auch – und zwar besser als die Industrie!“, dachte er sich. 

Gastronomie im Lockdown: Osteria macht jetzt TK-Pizza

Mit seinem letzten Geld kaufte er Schockfroster und Verpackungsmaschine, tüftelte vier Wochen lang an der perfekten Rezeptur für den Teig und legte los. Und die Kunden kamen. Auf die Schlange vor seiner Tür wurde auch ein Supermarkt aufmerksam – und nahm die Teiglinge sein Programm.

Pizza Hawaii

So sieht die tiefgefrorene Pizza Hawaii von „Don Basili“ aus. 

Foto:

Florian Quandt

Sascha Basler verkauft seine Pizzen mittlerweile in mehreren Supermärkten in der Umgebung. Auch in Hamburg sind sie erhältlich, unter anderem im Hobenköök im Oberhafen und bei Edeka in Winterhude und St. Georg. 

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Bis zu 250 Pizzen schafft er am Tag. „Die werden uns aus den Händen gerissen. Ohne die Idee würde es uns jetzt wohl nicht mehr geben“, sagt er nicht ohne Stolz. Günstig sind die Happen nicht – sie kosten zwischen 7,49 und 7,90 Euro.

Die Umsätze, die er jetzt macht, kommen nicht an die Summe heran, die er vor der Pandemie erwirtschaftet hat. Aber es ist ein Lichtblick. Zum 1. Januar gründet er ein weiteres Unternehmen, das dann nur noch Tiefkühl-Pizza herstellt. 

Gastronomie in Hamburg: Café ist jetzt Feinkostladen

Auch Jost Westerburg aus Eppendorf geht neue Wege. Anfang des Jahres übernahm der Gastro-Neuling mit seinem Vater Georg ein Lokal in der Hegestraße 68 und machte das „Blomquist Bistro“ daraus – ein Wohnzimmer im Schweden-Look, das auf Nachhaltigkeit und Regionalität setzt.

Der erste Lockdown war schon schwierig, der Sommer lief gut. Nun der zweite Lockdown. „Ich wollte meine Mitarbeiter unbedingt halten können“, sagt er. 

Jost Westerburg von Blomquist Feinkost-Boutique

Jost Westerburg hat aus seinem Bistro in Eppendorf innerhalb von sieben Tagen ein Feinkostgeschäft gemacht. 

Foto:

Florian Quandt

Die Idee: Wir werden zum Laden! In nur sieben Tagen baute er das Bistro um. Aus dem „Blomquist Bistro“ wurde „Blomquist Pop-up – die Feinkost-Boutique” mit neuen Regalen und Apfelkisten, in dem die Ware präsentiert wird.

Seit Mitte November verkauft der junge Chef hier 350 unterschiedliche Leckereien wie Pasta, Pesto, Kaffee und vieles mehr. „Die Herausforderung in der Krise besteht darin, diese anzunehmen und sich anzupassen“, sagt er. Die Resonanz auf den neuen Laden sei gut. „Wir werden hier sehr toll angenommen“, sagt er. Ein Online-Shop ist in Vorbereitung. 

Gastronomen im Lockdown: Hier gibt es jetzt TK-Suppen

Mit einer eiskalten Idee möchte es Katrin Voith durch die Krise schaffen. Sie betreibt die Suppen-Läden „Souperia“ an der Bartelsstraße (Sternschanze) und an der Friedensallee (Ottensen). Viele ihrer Kunden arbeiten derzeit im Homeoffice. „Man muss sich als Betrieb jetzt irgendwie bewegen“, sagt sie. 

Kartin Voith von der Souperia

Katrin Voith bietet in ihrer „Souperia“ nun auch tiefgefrorene Suppen für zu Hause an. 

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Florian Quandt

Ihre Strategie: Die frischen Suppen gibt es nun abgepackt im 0,5-Liter-Becher für den heimischen Kühlschrank – und, ganz neu, tiefgefroren im Ein-Liter-Beutel (ab 6,95 Euro). „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt sie. Für einen kleinen Aufpreis werden die Heißmacher sogar per Fahrrad direkt ins Homeoffice gebracht. 

Gastronomie in der Pandemie: Crêpe-Laden macht Naschkiste

Erst vor zwei Jahren hat Jean Brard (32) an der Erzbergerstraße (Ottensen) sein kleines Restaurant „La Crème de la Crêpe“ aufgemacht. Im ersten Lockdown machte er seinen Laden zu einem französischen Spezialitätengeschäft mit Weinen, Cidre, Lebensmitteln. 

Creme de la Crepe

Jean Brard (32) von „La Crème de la Crêpe“ bietet eine Apéritif-Kiste an. 

Foto:

Florian Quandt

Nun hat er etwas Neues, ein Kumpel hat ihn auf die Idee gebracht. „Ein Freund fragte mich, warum ich eigentlich keine Apéritif-Kisten anbieten würde“, sagt Jean Brard. Das war Ende Oktober. Ja, warum eigentlich nicht?

Vier Wochen lang tüftelte der Franzose an einem Konzept, besorgte Kartons, Spezialitäten aus Frankreich. Und voilà, nun ist sie da: Eine Kiste mit Leckereien für zwei Personen mit Käse, Wurst, Schinken, Baguette und vielem mehr. Preis: 24,95 Euro. „Es läuft immer besser und hilft in der jetzigen Situation ein bisschen“, sagt er. 

„Kitchen Guerilla“ macht Catering in Hamburg fürs Büro

Auch die Crew von „Kitchen Guerilla“, die sonst auf Events und in den Kantinen von hippen Firmen kocht, sucht Alternativen zum herkömmlichen Geschäftsmodell. „Wir haben überlegt: Wie überleben wir die Zeit?“, sagt Gründer Koral Elci zur MOPO.

Schon vor einiger Zeit hat das Team Suppen kreiert, die bei Budni erhältlich sind. Im erneuten Lockdown gehen die Küchenkünstler nun in Richtung Catering – und haben die Lunch-Box erfunden.

Kitchen Guerilla

Koral Elci (r.) und Stephen Bennet von „Kitchen Guerilla“ zeigen ihr neues Produkt. 

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hfr

Damit sollen Firmen beliefert werden. Die Idee: Schon ab zehn Portionen kommt in einer biologisch abbaubaren Verpackung ein leckeres, frisch zubereitetes Essen ins Büro, das nur noch erhitzt werden muss.

Bei einem Monats-Abo gibt es ab 50 Portionen wöchentlich Rabatt. „Viele Kantinen sind zu, weil Mitarbeiter im Homeoffice sind. Mit unserer Lunch-Box kann die verbliebene Belegschaft glücklich gemacht werden“, sagt Koral Elci. 

Räucherfisch aus Hamburg kommt jetzt per Post

Zur „Inselklause“ im Stadtteil Neuland gehen die Hamburger, weil es dort einen fantastischen Blick auf die Elbe gibt, lecker Fisch und Bratkartoffeln und den Schnack von Köni, dem Wirt.

Das Lokal liegt etwas versteckt mitten im Grünen und ist für Hungrige, die schnell was zum Mitnehmen haben wollen, nicht optimal erreichbar. Wenn die Kunden nicht zum Fisch kommen, kommt der Fisch nun eben zu den Kunden, hat Andreas Koenecke, der Wirt beschlossen. Seine Räucherware verschickt er jetzt per Post!

Andreas Koenecke von der Inselklause mit Fisch.

Gut verpackt und laminiert: Andreas Koenecke von der „Inselklause“ verschickt seinen Fisch jetzt per Post.

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Florian Quandt

„Ich habe eine funky-freshe Art zu kochen“, sagt Wirt Köni. Normalerweise rennen sie ihm wegen seines Fisches die Bude ein, sagt er. Er räuchert nämlich mit einem Gasofen und legt Forelle & Co. vorher lange in Kräuter ein. Deshalb riechen sie auch nicht so streng. Aber da in diesen Zeiten nichts normal ist, hat er sich das mit dem Räucherfischversand überlegt. Die Ware wird vakuumiert und verschickt.

Und die rohen und fertig geschnippelten Bratkartoffeln liefert er auf Wunsch gleich mit – inklusive Anleitung, wie man sie richtig brät. Das können nämlich 80 Prozent der Leute nicht richtig, meint Köni. Wer keinen Fisch mag und die „Inselklause“ trotzdem unterstützen will, kann auch Inselklausel-Retter werden. Wer 20 Euro zahlt, bekommt 20 Prozent Rabatt auf die Speisen in Biergarten und Restaurant. Einlösbar bis 31. Dezember 2021. Bis dahin läuft alles wieder normal, hofft er.

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