c45caf24fec74c4a35f6649f681923c1_am-16-09-2020-debattierte-die-hamburger-buergerschaft-unter-anderem-ueber-die-aufnahme-gefluechteter-aus-moria
  • Foto: picture alliance/dpa

Streit um Moria: Der flammende Appell der geflüchteten Grünen-Politikerin

Am Mittwoch debattierte die Hamburger Bürgerschaft unter anderem über die Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria. Die AfD meldete als Beitrag an: „Moria: Altparteien setzen falsches Signal für Migranten und Schleuser.“ Maryam Blumenthal, stellvertretende Fraktionschefin, konterte mit einer emotionalen Rede – sie kam selbst als Asylbewerberin nach Hamburg.

Maryam Blumenthal (34) wurde im Iran geboren, floh als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland und wuchs in Steilshoop auf. In ihrer Rede riss sie auch ihre eigene Geschichte an, erzählt, welch‘ ein Tabuthema die Flucht in ihrer eigenen Familie sei – „in einer Familie in der es kaum Tabuthemen gab. Dabei mussten wir nicht einmal durch Moria. Ein einfaches ‚Asylheim‘ – nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.“

Hamburg: Maryam Blumenthal kontert AfD im Rathaus

Beim Anblick der Bilder aus Moria denke sie: „Wie kann es sein, dass ich heute hier stehe – und die dort. Wie sehr das Leben doch von Glück abhängt. Von Zufall. Ob man jetzt oder vor 32 Jahren flüchtet, führt offenbar dazu, dass man hier steht oder auf den Straßen auf Lesbos verkümmert.“

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„Und ich denke: Hier geboren zu sein und hier zu leben ist ein verdammtes Privileg. Und dieses Privileg bringt große Verantwortung mit sich – für alle anderen Menschen! Die Kinder aus Moria haben genauso das Recht, in eine Kita und die Schule zu gehen, einen Beruf zu erlernen und glücklich zu sein.“

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Die Position der AfD („Damit macht man sich erpressbar“) kritisierte Blumenthal: „Wie muss man eigentlich drauf sein, um angesichts der Bilder aus Moria an etwas anderes zu denken als an humanitäre Hilfe, an Menschlichkeit, an Solidarität?“ Die AfD-Mitglieder täten ihr leid, da sie so sehr in ihrem Menschenhass gefangen seien.

Blumenthal äußerte sogar Verständnis für die mutmaßlichen Feuerteufel. Sie könne nicht ausschließen, dass sie in der dortigen Situation selbst aus Verzweiflung zur Brandstifterin geworden wäre. 

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Moria sei nicht erst seit dem Brand ein Schandfleck Europas. Für sie stehe fest: „Wir wissen: Unsere gesellschaftlichen – ja auch europäischen – Werte müssen wir an genau diesem Thema messen lassen! Und dazu sind wir bereit! Ohne Sie!“ (hns)

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