Haie Tierpark Hagenbeck
  • Ein Riffhai (l) und ein Zebrahai (r) schwimmen im großen Hai-Atoll im Tropen-Aquarium im Tierpark Hagenbeck.
  • Foto: dpa | Marcus Brandt

Imposante Raubtiere: Wie Hagenbecks Pfleger die Haie bändigen

Hollywood hat Haien ein negatives Image verliehen. Doch die imposanten Meerestiere sind selten gefährlich für Menschen. Im Tierpark Hagenbeck erleben drei Frauen das Tag für Tag. Sie streicheln die grauen Tiere und schwimmen sogar mit ihnen.

Zielsicher und zutraulich schnappt Zebrahai Harry nach einem Stück Tintenfisch, das Pflegerin Annika Höffner mit einer stabartigen Zange in das Becken hält. Ein kurzes Lächeln gleitet ihr über die Lippen, als das markante Meerestier zubeißt. „Solange die Tiere ihren Freiraum haben, machen sie nichts“, sagt sie. Die 31-Jährige steht auf einem Holzsteg in einem dunklen Korridor. Unter den hölzernen Leisten ist ein riesiges schwarzes Becken. Das grelle Licht der wenigen Neonleuchten spiegelt sich im Wasser, durch das die Haie blitzschnell schwimmen.

Rochen und Haie im Hai-Atoll

Höffner ist eine von drei Pflegerinnen, die sich im Tierpark Hagenbeck im Aquarium um die dort lebenden Meeresbewohner kümmern. Im Hai-Atoll leben sieben Haie – zwei Zebrahaie, zwei Graue Riffhaie und drei Schwarzspitzen-Riffhaie. Gesellschaft bekommen sie von vier Adlerrochen, zwei Amerikanischen Stechrochen und zwei Schwarzkinn-Geigenrochen. Das Hagenbecker Aquarium gilt mit seinem 1,8 Millionen Liter Wasser fassenden Becken als eines der größten in Deutschland. Allein die Haie fressen zehn Kilogramm Fisch in der Woche.

Tierpflegerin bei Hai-Fütterung
Tierpflegerin Annika Höffner bei der Hai-Fütterung.

Was nach einem gemütlichen Traumjob klingt, ist jedoch „knallharte körperliche Arbeit“, so Höffner. Neben einer dreijährigen Ausbildung müssen Tierpfleger in der Aquaristik noch weitere Qualifikationen mitbringen. „Ich habe einen Tauchschein und mache viele Arbeiten unter Wasser“, sagt die Tierliebhaberin. Das Becken sei acht Meter tief, daher müsse man oft tauchen und aufräumen. Zudem müsse die große Scheibe, vor der sich Zoobesucher tummeln, von Hand geputzt werden. „Außerdem gärtnere ich viel im Becken, um Nährstoffe für die Pflanzen in den Boden zu bringen.“ Neben sportlichem Talent sollte man also auch einen grünen Daumen mitbringen.

Spannender Beruf mit exotischen Tieren

Seit ihrer Kindheit ist Höffner von Haustieren umgeben. „Deshalb war mein Berufswunsch, Tierpflegerin zu sein, für mich immer klar.“ Nur die Tiere wurden exotischer, so die 31-Jährige. Ihr Umfeld reagiere meist positiv und neugierig. „Die meisten Leute finden es spannend, da es kein gewöhnlicher Beruf ist.“

Hai im Becken
Ein Hai schwimmt durch das Becken im Hai-Atoll des Tierparks Hagenbeck.

Viele Menschen hätten eher Angst vor den Meerestieren, da sie Haie mit Horrorfilmen in Verbindung bringen. Der Konstanzer Zoologe Axel Meyer bestätigt, dass der schlechte Ruf den Meerestieren vorauseile. Der Film „Der weiße Hai“ und sonstige blutrünstige Filme haben dem Image von Haien nicht geholfen. Statistisch gesehen ist die Chance, von einem Hai angegriffen zu werden, extrem gering“, sagt Meyer dazu. Gefährliche Vorfälle habe es mit den Haien im Aquarium auch noch nicht gegeben, berichtet die Tierpflegerin. Zebrahai Harry tanze ab und an aus der Reihe und suche mehr Körperkontakt als gewöhnlich. Während der Paarungszeit habe er sich etwa an die Flosse ihrer Tauchermontur geschmiegt, da er sie vermutlich mit der Haifischdame Sally verwechselt habe, so Höffner. Die Tierpflegerin blieb souverän, da sie Harrys verspieltes Naturell gewohnt sei. Außerdem seien die Tiere friedlich, sofern sie satt seien.

Vorurteile gegen friedliche Scharfzähne

„Zebrahaie sind dafür bekannt, überhaupt nicht aggressiv zu sein und daher sehr gut in menschlicher Obhut in Aquarien zu halten“, erklärt Hai-Expertin Heike Zidowitz der dpa. Sie arbeitet bei der weltweit agierenden Umweltschutz-Organisation WWF, die nach eigenen Angaben den Einklang von Mensch und Natur unterstützt. Da der Mensch nicht im Meer lebe, sei er kein natürlicher Feind für Haie. Auch ein Aufeinandertreffen von Mensch und Hai resultiere nicht zwangsläufig in einem Angriff. „Gerade im Internet verbreitete Drohnen-Aufnahmen von Weißen Haien und Kajakfahrern und Surfern an der kalifornischen Küste zeigen dies deutlich.“

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Dass mit Höffner und ihrer Kollegin sowie der Auszubildenden mittlerweile drei Frauen die Chefinnen über das Tropenaquarium sind, sei mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, sagt die 31-Jährige. Als sie vor zwölf Jahren ihren Job anfing, war die Zahl der Pflegerinnen dagegen noch überschaubar.

An ihrem ersten Ausbildungstag sei ein Kollege verwundert gewesen, dass außer ihr eine weitere Auszubildende angefangen habe. „Für die älteren Männer war es schon eine Umstellung, dass das Team immer weiblicher wurde. Aber mittlerweile ist das ganz normal und keiner macht sich darüber noch Gedanken“, sagt Höffner lächelnd. (dpa/mp)

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