Der Leiter des Franziskus-Tierheims, Frank Weber, blickt mit großer Sorge auf den Winter.
  • Der Leiter des Franziskus-Tierheims, Frank Weber, blickt mit großer Sorge auf den Winter.
  • Foto: / Patrick Sun

paidWie steigende Tierarztkosten Hamburger Tierheim in Not bringen

So ein Haustier ist nicht günstig: Futter, Tierarztbesuche, bei Hunden zudem eine Steuer. Nun wird bald auch der Besuch beim Tierarzt teurer und für viele Tierhalter hat das Konsequenzen: Sie müssen ihre geliebten Begleiter abgeben, weil sie sich deren Unterhalt nicht mehr leisten können. Das belastet dann auch die Tierheime – und zwar doppelt.

Mehr als 20 Jahre bewegten sich die Tierarztkosten in Deutschland auf einem konstanten Niveau. Ab dem 22. November soll sich das aber nun auf Initiative des Bundeslandwirtschaftsministeriums ändern. Tierbesitzer müssen dann beim Tierarztbesuch deutlich tiefer in die Tasche greifen: Während die Untersuchung eines Hundes mit 23,62 Euro um zehn Euro teurer wird, erwartet Katzenhalter sogar eine Erhöhung um 162 Prozent.

Tierarztkosten steigen: „Tierschutz ist verdammt teuer“

„Immer mehr Menschen können diese Kosten schon jetzt nicht mehr stemmen, das wird sich in den kommenden Monaten noch verschärfen“, sagt Frank Weber, Leiter des Franziskus-Tierheims in Hamburg-Stellingen. „Gerade beim Tierarzt kann man doch nicht sparen – weder wir, noch die Besitzer der Tiere.“ Manche Halter werden jetzt ihr Haustier weggeben müssen. „Wenn die Besitzer die Arztkosten nicht mehr tragen können, versuchen manche, ihr Tier über Ebay loszuwerden – aber wer kauft schon einen kranken Hund? Die landen dann bei uns.“

Doch auch Webers Tierheim muss die Arztkosten stemmen. Und die seien bei derzeit beliebten Hunderassen, wie etwa Französischen Bulldoggen, besonders hoch. „Zwar kommt dreimal in der Woche eine Tierärztin zu uns ins Heim, aber für alle größeren Behandlungen wie Operationen, müssen die Tiere in eine Klinik. Das können wir diesen Winter nicht leisten“, sagt Weber. „Für erkrankte Tiere ist es noch schwieriger, geeignete Besitzer zu finden. Und je weniger Tiere wir vermitteln können, umso enger wird es finanziell für uns.“

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Finanzielle Unterstützung erhält das Tierheim auch durch Spenden. In diesem Winter erwartet Weber hier aber einen Rückgang. Das betrifft auch das Tierfutter, das Weber für das Tierheim seit Jahren nicht mehr selbst kaufen musste. Bei den steigenden Futterkosten könnte die Spendenbereitschaft hier nachlassen. „Tierschutz ist nun mal verdammt teuer. Wie soll das weitergehen?“, fragt Weber. Die Erhöhung des Mindestlohns und die steigenden Energiekosten – es gebe kaum Einsparmöglichkeiten. „Wir machen einfach möglichst oft das Licht aus“, sagt Weber. 

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Schon jetzt sind die Kapazitäten des Tierheims erschöpft, die Warteliste für die Aufnahme neuer Tiere ist lang. „Und wir stehen erst am Anfang. Es wird ein Luxus sein, ein Haustier halten zu können.“ Weber fordert Fonds, durch die finanziell schwächere Tierbesitzer die Arztrechnungen nicht vollständig tragen müssen. „Dann müssten die Tiere gar nicht zu uns kommen. Damit wäre allen geholfen.“