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Stadtteilspaziergang durch Hamburg: Rothenburgsort: Wie Phönix aus der Asche

Rothenburgsort, ein Stadtteil, den die meisten nur kennen, weil sie ihn auf dem Weg zu den Elbbrücken durchqueren. Dort anhalten, sich umgucken? Auf die Idee kommt kaum einer. Zugegeben, der Billhorner Röhrendamm macht auch keinen sehr einladenden Eindruck. Lange vorbei die Zeiten, da Rothenburgsorts Hauptstraße noch geprägt war von Gründerzeitbauten, Kaufhäusern, Kinos, Schlachtern, Kneipen, Tabakläden und Milchgeschäften und es nur so wimmelte von Pferdefuhrwerken, Schottschen Karren und Kindern, die Kibbel-Kabbel spielten. Im Juli 1943 wurde all das in einer Nacht vernichtet. Wie Phönix aus der Asche ist zwar auch Rothenburgsort wieder auferstanden, aber die Spuren des Krieges sind noch überall zu sehen. Kommen Sie doch einfach mal mit!

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg: 1943 existierte Rothenburgsort nicht mehr.

Blick vom Wasserturm Rothenburgsort Ende 1943: Alliierte Bombenangriffe haben den Stadtteil, in dem 40.000 Menschen lebten, ausgelöscht.

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Panfoto

Das Feuersturm-Mahnmal am Billhorner Deich in Hamburg

Dabei handelt es sich um ein im Maßstab 1:2,5 verkleinertes sogenanntes Terrassenhaus, wie sie ab 1880 für Hamburgs Arbeiterquartiere entwickelt wurden: fünfgeschossige Wohnblöcke, die zwar nach vorne eine repräsentative Fassade hatten. Wer sich aber durch den Torweg den dunklen Hinterhäusern näherte, wo in winzigen Zwei-Zimmer-Wohnungen nicht selten sechs bis acht Menschen lebten, der warf einen Blick in größtes Elend.  Gerade weil Rothenburgsort so dicht bebaut war, hatten die Bomben, die am 28. Juli 1943 vom Himmel fielen und den Stadtteil nahezu komplett auslöschten, leichtes Spiel.

Feuersturm-Mahnmal: Es erinnert an die Zerstörung des Stadtteils 1943.

Das Feuersturm-Mahnmal: Eine verkleinerte Nachbildung eines Terrassenhauses erinnert an die nahezu totale Auslöschung des Stadtteils bei den Bombenangriffen im Sommer 1943. Dieser Haustyp war typisch für Hamburgs Arbeiterviertel.

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Florian Quandt

In Hamm, Hammerbrook und Rothenburgsort starben an jenem Tag 40.000 Menschen. Menschen, die diese Hölle überlebt haben, berichten Furchtbares. Fragmente ihrer Erinnerungen sind im Inneren des Feuersturm-Denkmals nachzulesen.

Industriedenkmal und Museum: Wasserkunst Kaltehofe in Hamburg

Dabei handelt es sich um eine Insel, die in den 1870er Jahren im Zuge einer Elbbegradigung entstand. Nachdem 1892 Hamburg zum Schauplatz einer  Cholera-Epidemie wurde, verursacht durch verseuchtes Trinkwasser, ließen die Hamburger Wasserwerke 1893 auf Kaltehofe ein Elbwasser-Filtrierwerk  errichten, das bis 1990 in Betrieb war.

Museum Wasserkunst Kaltehofe

Wasserkunst Kaltehofe: In dem ehemaligen Betriebsgebäude der Wasserfiltrieranlage ist heute eine spanende Ausstellung zu sehen.

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Olaf Wunder

Die nicht mehr genutzten Wasserbecken dienen heute Vögeln als Rast- und Brutplatz. 2011 eröffnete Hamburg Wasser die Wasserkunst Kaltehofe, eine Mischung aus Industriedenkmal, Museum und Naturlehrpfad. Die Umgebung lädt ein zu Spaziergängen, etwa auf dem Elbdeich, oder zum Radfahren.

Wasserkunst Kaltehofe: Paradies für Ausflügler

Auf Kaltehofe befinden sich die alten Becken, in denen das Trinkwasser gereinigt wurde, bevor es aus dem Hahn lief. Heute ist die Halbinsel ein Paradies für Vögel und Ausflügler.

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Martin Brinkmann

Im Hamburger Feuersturm zerstört: Die Sankt-Thomas-Kirche

Sie befindet sich nur einen Steinwurf vom Feuersturm-Denkmal entfernt und ist ein Symbol sowohl für die Zerstörungskraft des Krieges als auch für den Überlebenswillen.

St. Thomas-Kirche in Rothenburgsort.

Die St. Thomas-Kirche: Nur der Stumpf des Turms hat den Krieg überstanden. 

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Olaf Wunder

Der Feuersturm ließ von der Kirche nur den Turmschaft stehen, der Rest des Gebäudes wurde völlig zerstört. Aber die Rothenburgsorter gingen in den 50er Jahren daran, ihr Gotteshaus neu zu errichten. Ein modernes Kirchenschiff entstand. Der gestutzte Turm dagegen blieb, wie er ist.

Die St. Thomas-Kirche etwa um 1920.

Die St. Thomas-Kirche vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg: Der Turm war mehr als doppelt so hoch.

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Olaf Wunder

Übrigens: Jeden Freitag um 18 Uhr klettert ein Bläser auf den Turm und spielt Choräle. Turmbläser gibt es also nicht nur beim Michel!

Janusz-Korczak-Schule

Besser bekannt als Schule vom Bullenhuser Damm. Um kurz vor dem bevorstehenden Einmarsch der Alliierten alle Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen, ermordete die SS am 21. April 1945 im Keller des Schulgebäudes  20 jüdische Kinder, an denen zuvor im KZ Neuengamme medizinische Versuche vorgenommen worden waren.

Die Schule am Bullenhuser Damm: Schauplatz eines abscheulichen Verbrechens.

In dieser Schule am Bullenhuser Damm wurden in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 20 jüdische Kinder im Keller erhängt: Mit ihnen waren im KZ Neuengamme medizinische Versuche gemacht worden. Die SS wollte die Spuren ihrer Verbrechen durch den Mord beseitigen.

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Olaf Wunder

Die Kinder wurden zuerst betäubt, dann an Balken an der Decke aufgehängt. Ihre Leichen wurden eingeäschert, die Asche an unbekannter Stelle verstreut. Seit 1987 ist das Gebäude keine Schule mehr, sondern eine Gedenkstätte, die allerdings nur sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Der Wasserturm von Hamburg-Rothenburgsort

Er steht auf dem Gelände der Wasserwerke und ist das Wahrzeichen des Viertels. 1848 erbaut nach Plänen von Alexis de Chateauneuf, war der Wasserturm Teil der von William Lindley konzipierten ersten modernen Wasserversorgung Hamburgs.

Wahrzeichen von Rothenburgsort: der Wasserturm.

Wahrzeichen des Stadtteils: der Wasserturm, der genau genommen gar keiner ist.

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Florian Quandt

Der Wasserturm ist eigentlich gar keiner. In ihm wurde nie Wasser gespeichert. Vielmehr wurde das Wasser ganz nach oben gepumpt, um so den Druck zu erzeugen, der nötig war, damit es bis zu den Häusern der Neustadt und der Altstadt floß.

Übrigens: Die Straße Billhorner Röhrendamm heißt so, weil unter dem Asphalt das Wasserrohr Richtung City verläuft.

So sah es früher mal in Rothenburgsort aus: Postkarte aus der Kaiserzeit.

Der Billhorner Röhrendamm, die Hauptstraße von Rothenburgsort, etwa 1914.

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MOPO-Archiv

Elbpark Entenwerder in Hamburg-Rothenburgsort

Früher einmal diente die Halbinsel für die Zollabfertigung von Binnenschiffen. Daran erinnert heute kaum noch etwas. Zu den Freizeitangeboten gehören neben Grillplätzen ein Beachvolleyballplatz, Fußballtore und ein Spielplatz. Am westlichen Ende der Halbinsel wurde ein abgesenktes Rondell für Veranstaltungen angelegt, das von Pyramidenpappeln eingefasst ist.