Carolin Stüdemann Louisa Dellert
  • Verstehen sich prächtig: Louisa Dellert (l.) und Carolin Stüdemann
  • Foto: Anna Schäffer

So werden Nachhaltigkeit und Umweltschutz unternehmerisch unterstützt

Die MOPO stellt gemeinsam mit „Viva con Agua“-Geschäftsführerin Carolin Stüdemann in der Serie „Auf ein Wasser mit …“ Unternehmer:innen und Vordenker:innen vor, die eine bessere Welt schaffen. Heute spricht Carolin mit Louisa Dellert (32), die auf ihren Social-Media-Kanälen über Themen wie Nachhaltigkeit, Plastikvermeidung und Umweltschutz aufklärt, was sie auch noch mit unternehmerischer Energie unterstützt. Außerdem versucht sie politische und gesellschaftliche Themen für ihre Follower:innen verständlicher und greifbarer zu machen.

Carolin Stüdemann: Moin Louisa! Dein Buch „WIR. Weil nicht egal sein darf, was morgen ist“ ist direkt „Spiegel“-Bestseller geworden – herzlichen Glückwunsch! Aus welcher Intention heraus ist das Buch entstanden?

Louisa Dellert: Moin Caro. Vielen lieben Dank! Ich hatte einfach oft das Gefühl, dass man über Themen spricht, aber selten mit den Menschen, die diese Themen tatsächlich betreffen. Deswegen wollte ich mit Menschen in Kontakt treten und dies auch den Leser:innen vermitteln: Bevor wir uns eine Meinung bilden, sollten wir uns mit den Menschen, die von den Themen betroffen sind, unterhalten und die Fakten kennenlernen. Erst dann können wir uns vorurteilsfrei eine Meinung bilden. Die kann sich auch von der Position der Person unterscheiden, aber man hat zumindest miteinander gesprochen und einander aufrichtig zugehört. Das ist mir besonders wichtig.

Du möchtest also die Leser:innen dazu einladen, sich am Diskurs zu beteiligen?

Genau, ich versuche auch in meiner Social-Media-Kommunikation eine Starthilfe für komplexe Themen und Sachverhalte  zu geben, damit das Interesse an dem Thema grundsätzlich erst einmal steigt, aber auch eine Sensibilisierung zu schaffen, dass man mehrere Perspektiven einnehmen kann und es Raum für Diskussionen geben darf.

Viva con Agua
Auf ein Wasser mit: Die Interview-Reihe von Viva con Agua und MOPO

Dabei gehst du auch auf politische Sachverhalte ein, die üblicherweise komplex, bürokratisch und von unterschiedlichen Meinungen geprägt sind. Wie gelingt dir das?

Häufig wird dies ja auch aufs Alter bezogen, aber ich glaube, dass junge Menschen genauso wie ältere Menschen Probleme haben können, die politische Sprechweise zu verstehen. Ich sehe mich da in der Aufgabe, diese Sprechweise zu vereinfachen, damit sich niemand abgehängt fühlt und alle eine Möglichkeit haben, mitzudiskutieren. Mir ist grundsätzlich einfach wichtig, dass Leute die Option erhalten, sich auch mal mit Themen und Menschen auseinanderzusetzen, die außerhalb ihrer eigenen Blase stattfinden.

Bekommst du auf deinen Kanälen denn auch Gegenwind?

Eigentlich täglich, wenn ich zum Beispiel mal nicht 100 Prozent  plastikfrei einkaufe. Das kann natürlich mal ermüdend sein, aber ich versuche daraus immer in ein konstruktives Gespräch zu kommen. Im direkten Austausch klären sich viele Dinge auf, manchmal auch einfach die Ansicht, unterschiedlicher Meinung zu sein, was auch völlig legitim ist.

Hast du für diese Herausforderungen der Zukunft auch konkrete Forderungen an die Politik?

Vielleicht eher eine generelle Forderung an Politiker:innen wäre, dass sie offener und ehrlicher sprechen sollen. Veränderungen müssen aus meiner Sicht deutlich formuliert werden und nicht aus wahlpolitischen Gründen verschönert dargestellt werden. Denn um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, werden sich Dinge in unserem Alltag verändern, das muss uns allen klar sein und das müssen auch die Politiker:innen dann genau so kommunizieren.


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Du bist vor allem als nachhaltige Influencerin bekannt, war es eine bewusste Entscheidung, dich breiter aufzustellen?

Ich möchte grundsätzlich einfach offen bleiben  für weitere interessante Themen, die mich vielleicht jetzt noch nicht beschäftigen, aber auch in der Zukunft eine Rolle auf meinem Kanal spielen könnten. Man wird häufig zu stark in eine Kategorie, in eine Schublade gesteckt. Dabei bin ich einfach Lou und ja, ich interessiere und beschäftige mich viel mit Nachhaltigkeit, aber eben auch mit ganz vielen anderen Themen  wie gesellschaftspolitischen Fragen oder Inklusion.

Du hast dich außerdem mit deinem nachhaltigen Shop Naturalou selbstständig gemacht. Woher kam die Idee dazu?

Ich wollte in dem Bereich, für den ich mich sowieso schon sehr interessiere, gerne einen Beitrag leisten und Menschen, die sich auch für Nachhaltigkeit interessieren, etwas Sinnvolles anbieten.

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Du meinst: Unternehmerische Angebote können einen wichtigen Hebel auf Veränderung ausüben.

Dabei ist mir aber wichtig zu erwähnen, dass es viele Menschen gibt, die grundsätzlich nachhaltiger leben möchten, dies aufgrund der höheren Preise für nachhaltige Produkte aber nicht können. Da sehe ich die Aufgabe in der Politik und der Industrie, entsprechende Rahmenbedingungen zu ermöglichen und dies nicht auf die Konsument:innen abzuwälzen. Denn wie soll man in einer nicht nachhaltigen Welt vollständig nachhaltig leben?

Gibt es etwas, das du den Leser:innen, die sich auch für Nachhaltigkeit interessieren, noch mitgeben möchtest?

Es ist schon mal super, wenn man sich für das Thema interessiert und damit anfangen möchte, nachhaltiger zu leben. Man sollte aber nicht direkt von 0 auf 100 das Leben nur noch danach strukturieren und nicht die ganze Verantwortung nur auf sich selbst projizieren, da wir die Probleme der Zukunft nur gemeinsam angehen können. Jede:r kann bereits mit Kleinigkeiten wie mit dem Wechsel zu einem 100-%-Ökostrom-Anbieter einen ersten Schritt machen.

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