Tierheim Süderstrasse Foto:Dieser kleine Igel ist untergewichtig.
  • Das Tierheim Süderstraße ist mit einer Igel-Flut konfrontiert.
  • Foto: dpa

So viele wie noch nie: Igel-Flut im Tierheim

„Noch nie hatten wir so viele Igel wie in diesem Jahr zu versorgen“, sagt Sven Fraaß vom Tierheim Süderstraße. „Wir sind jetzt schon bei 502 Igeln. Normalerweise haben wir um die 400 Igel über das ganze Jahr.“ Das Tierheim schlägt Alarm, denn der November hat erst begonnen.

Generell lande ein Drittel völlig unnötig in Hamburgs größtem Tierheim. „Wir haben den Eindruck: Sobald die Menschen im Herbst selbst beginnen zu frieren, sammeln sie die Tiere ein“, so Fraaß. Die Tierschützer vermuten, dass es noch immer viele Natur-unerfahrene Menschen gebe, die aus Unwissenheit Wildtiere einsammeln. Igel laufen nicht so schnell weg, und wenn sie sich einrollen, sind sie leicht zu fangen. 

Zahlreiche gesunde Igel werden im Tierheim abgegeben

Jasmin Bruns (32), Mitarbeiterin des Tierheims, zeigt einen Igel, der sich zu einer Kugel zusammen gerollt hat. Ein normales Verhalten bei Gefahr. „Dieser Igel bringt deutlich über 300 Gramm auf die Waage. Unsere Tierärztin hat ihn untersucht. Er hat sich gleich zusammen gerollt, hat keinen Parasitenbefall und ist nicht verletzt.“ 

Morgen wird das kleine stachelige Heckenschwein, so werden Igel in England genannt, wieder ausgewildert. Der Ausflug in das Tierheim hat dem Igel unnötigen Stress bereitet. Hinzu kommt der Personalaufwand für das Tierheim selbst. „Es war total überflüssig, diesen Igel zu uns zu bringen“, stellt Sven Fraaß ernüchtert fest.


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„Generell gilt, wenn wir noch keine geschlossene Schneedecke oder Dauerfrost haben und sich ein Igel zusammen rollt, braucht er keine Hilfe. Es sei denn, er ist verletzt.“ Sind Igel jedoch noch im Schnee unterwegs, hätten sie sich tatsächlich zu wenig Fettpolster für ihren Winterschlaf angefressen. 

So können Sie den Igeln im Winter helfen

Das Tierheim bittet darum, nur verletzte Tiere oder Igelbabys, die deutlich weniger als 300 Gramm wiegen, der Natur zu entnehmen. Wirkt ein Tier auffällig, sollte es beobachtet werden. Es wird geraten, vor dem übereilten Einsammeln immer erst telefonischem Rat einzuholen. Das Tierheim bietet hier sein Nottelefon (040 222277) an. Zusätzliche Igel Tipps gibt es außerdem auf der Internetseite.

Oft könne schon eine eingerichtete Futterstelle helfen. So könnten kleine Igel schnell vor Ort unterstützt werden. Im Fachhandel gibt es Igelfutter, das gut mit Katzenfutter gemischt werden kann. Ungewürztes Rührei und heimisches Obst sind bei Igeln auch sehr willkommen. Milch dagegen darf den Tieren auf keinen Fall angeboten werden, davon bekommen sie Durchfall. Eine Schale Wasser ergibt da mehr Sinn. 

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Wer die Tiere bei sich im Garten hat: Je verwilderter das Grün, desto mehr Raum hätten sie zur Verfügung. 

Sven Fraaß jedenfalls hofft, dass künftig weniger Igel bei ihm abgegeben werden: „Tatsächlich hatten wir dieses Jahr fast einen Stopp bei den Wildtier-Annahmen. Der Personalaufwand ist irgendwann einfach erschöpft.“ Es wäre „wirklich schade“, wenn für schwer verletzte Tiere oder Tierbabys dann kein Platz mehr wäre.

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