• Kein Abstand: Die Radspur ist zugeparkt, die Radlerin muss auf die Straße ausweichen. Kommt leider allzu häufig vor.
  • Foto: imago images/Sabine Gudath

Sicherheit: Radfahrer haben keine Knautschzone

„Sei wachsam und erwarte das Unerwartete. Versuche immer, den nächsten Schritt von Fußgängern und Autofahrern vorauszusehen“, rät der britische Extremsportler James Poole allen Radfahrerinnen und Radfahrern. Gerade der Verkehr in der Stadt birgt besonders große Gefahren. Doch manche Unfälle lassen sich durch eine defensive Fahrweise verhindern.

Abbiegeunfälle: Die Ampel springt auf Grün, Fahrradfahrer wollen geradeaus fahren, ein Lkw rechts abbiegen. Trotz der vielen Spiegel gibt es für den Fahrer immer einen oder mehrere tote Winkel. Nach Angaben des ADFC kamen 38 Radfahrer im Jahr 2018 bei einem Abbiegeunfall zu Tode.

Abbiegeassistenten für Lkw könnten schwere Unfälle verhindern

„Die Art, wie Kreuzungen in Deutschland gestaltet sind, begünstigt schwerste Unfälle. Wenn an der Ampel Lkw und Rad direkt nebeneinander stehen und gleichzeitig Grün bekommen, ist höchste Gefahr im Verzug“, erklärt ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork.

Das könnte Sie auch interessieren:  Lkw-Fahrer: „Mit dem Rad durch die City? Viel zu gefährlich!“

Abbiegeassistenten könnten solche schweren Unfälle verhindern, doch eine EU-weite verpflichtende Einführung ist erst ab Juli 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab Juli 2024 für neue Fahrzeuge vorgesehen. Eine Pflicht zum Nachrüsten gibt es nicht.

Fahrrad Unfall 2

Im toten Winkel: Abbiegende Busse und Lkw sind eine der größten Gefahren für Radfahrende. 

Foto:

imago images/Rüdiger Wölk

Bis dahin bleiben Radfahrern nur wenige Möglichkeiten, einen Unfall zu verhindern. Stehen sie neben dem Lkw an der roten Ampel: Blickkontakt zum Fahrer suchen! Nähert man sich auf seinem Fahrrad von hinten, dem abbiegenden Lkw lieber die Vorfahrt lassen.

Das könnte Sie auch interessieren:  Fahrradunfälle in Hamburg: Das sind die gefährlichsten Ecken der Stadt

Und dann geht eine Tür auf: Viele Verkehrspolitiker, Stadtplaner und auch manche Radler finden sie großartig, die Radfahrspuren rechts am Straßenrand. Doch oft verläuft daneben eine Parkspur für Autos. Wenn dann ein Fahrer unachtsam die Tür öffnet und im selben Moment links ein Radler vorbeifährt, ist es oft nicht mehr möglich zu reagieren. Das Rad knallt gegen die Autotür, der Radfahrer stürzt zu Boden oder wird, mit dem Kopf voran über die Tür geschleudert  – oft mit tödlichem Ausgang. „Dooring“ nennt man das.

Fahrrad Unfall 3

„Dooring“: Wenn Autofahrer unachtsam die Tür öffnen, kann das für Radfahrer schlimme Folgen haben.

Foto:

Imago / imagebroker

So schrecklich diese Unfälle sein können, so leicht können Autofahrer sie vermeiden. In den Niederlanden lernt jeder Fahrschüler, die Fahrertür mit der rechten Hand zu öffnen. Dabei dreht sich der Oberkörper nach links – und der Blick geht automatisch nach hinten. „Holländischer Griff“ nennt sich dieser Trick.

Fahrrad Unfall Kopfsteinpflaster

Kopfsteinpflaster: So schön es auch aussieht, es ist ein äußerst gefährlicher Untergrund für Radfahrende. 

Foto:

imago images/Sirotti

Bitte Abstand halten: Routinierte Radfahrer nehmen das Problem oft gar nicht mehr wahr, doch weniger Geübten treibt es den Angstschweiß auf die Stirn, wenn Autos oder gar Busse und Laster zu nah an ihnen vorbeifahren. Rachel Aldred, Professorin für Verkehr an der University of Westminster, hat 2586 Radlerinnen und Radler ein  Fahrradtagebuch führen lassen. Viele schrieben von „beängstigenden Situationen“. Aldreds Fazit: „Man muss die Wege trennen.“ Ein auf die Straße gemalter Radstreifen genüge vielen nicht. Bikerinnen und Biker sollten auf ihr Gefühl hören und im Zweifel lieber einen Umweg in Kauf nehmen, als sich dem Stress durch zu enge Fahrbahnen auszusetzen.

Das könnte Sie auch interessieren:  Pop Up Bikelanes in Hamburg

Gefährliches Pflaster: Glätte, etwa durch nasses Laub, Eis- und Schnee, aber auch ein unebener Untergrund  können einem das Radfahren extrem vermiesen. Eine Gefahrenquelle ist auch Kopfsteinpflaster. Es sieht schön aus, rüttelt Radfahrende aber ordentlich durch und ist bei Nässe gefährlich glitschig.

Fahrrad Unfall 5

Verkehrsregeln gelten auch für Radfahrer: Bei Rot fahren geht gar nicht.

Foto:

Patrick Sun

Und gerät der Reifen in eine der Rillen, kann man samt Fahrrad gemein stürzen. Die einzige Möglichkeit, solche Unfälle zu vermeiden: eine andere Route nehmen, denn das Ausweichen auf Gehwege ist keine gute Idee; es ist nur Kindern bis zehn Jahren erlaubt.

Geisterfahrer: Schon in der ersten Klasse haben wir gelernt: „Wenn man die Straße überqueren will, schaut man zuerst nach links …“  Diese Regel beherzigen dann später im Allgemeinen auch Autofahrer, etwa wenn sie von einer Neben- auf eine Hauptstraße einbiegen wollen. Doch was nützt das, wenn ein Biker von der falschen Seite kommt? Bis der Fahrzeuglenker den – verbotenerweise – von rechts kommenden Radler sieht, kann es schon zu spät sein. Was tun? Ganz einfach: auf der richtigen Seite fahren!

Das könnte Sie auch interessieren:  Polizei ahndet fast 300 Verstöße – und kassiert ab

Die im Dunkeln sieht man nicht: Bewegt sich da was? Tatsächlich! Ein Radfahrer quert kurz vor einem herannahenden Auto die Straße. Ohne Licht, in dunkler Kleidung. Im Winter, abends. Diesmal ist es gut gegangen, aber trotz aller Aufklärungskampagnen haben manche Radfahrer offenbar keine Vorstellung davon, wie schlecht sie bei Dunkelheit zu sehen sind.

Abhilfe ist denkbar einfach: kaputtes Licht selbst reparieren oder in der Werkstatt machen lassen, Reflektoren am Rad anbringen und helle Kleidung tragen (oder eine reflektierende Weste, einen Rucksack).

Für Reflektoren und Leuchten am Rad gilt: Viel hilft viel

Auch batteriebetriebene Leuchten zum Anstecken sind mittlerweile erlaubt. Also lieber ein bisschen übertreiben und das Rad ordentlich mit „Leuchtkram“ aufrüsten, als darauf zu vertrauen, dass einen die anderen schon sehen werden.

Fahrrad Unfall 6

In Münster gibt es sogar Verkehrsschilder, die Geisterradler davon abhalten sollen, auf der falschen Seite zu fahren.

Foto:

imago/CHROMORANGE

Und zum Schluss noch ein Tipp: wenn möglich, ab und zu die Perspektive wechseln. Wer den Verkehr nicht immer nur im Auto oder vom Rad aus erlebt, sieht alles mit ganz anderen Augen.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp